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Fußballer als Zankapfel

Personalie. Die Ehrung füreinen der bedeutendstenFußballtrainer gerät zumeigenartigen Politikum.

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Von Thilo Alexe

Das Gedenken an die aus Dresden stammende Fußball-Legende Helmut Schön sorgt für Spannungen in der Kommunalpolitik. Im Stadtrat besteht zwar weit gehende Übereinstimmung darüber, eine Straße in Helmut-Schön-Allee umzubenennen – welche allerdings, ist umstritten. FDP-Stadtrat und Dynamo-Aufsichtsrat Jens Genschmar favorisiert, unterstützt von DFB-Boss Theo Zwanziger und Rudi Völler, die Hauptallee zwischen Lennéstraße und Lingnerplatz. Pikant: Weltmeistertrainer Schön, der als Spieler mit dem DSC 1943 und 1944 den deutschen Meistertitel gewann, würde dann direkt an der Heimstätte von Dynamo Dresden geehrt. „Von Dynamo-Fans ist mir ein eisiger Wind entgegengeschlagen“, bekennt denn auch Genschmar. Allerdings verteidigt er sein Anliegen: „Die Schön-Allee wird direkt neben dem neuen städtischen Stadion sein.“ Zudem habe Schön als Kind auf der benachbarten Cockerwiese das Fußballspiel erlernt.

Im Sportausschuss fand der FDP-Antrag keine Mehrheit. Genschmar: „Da gab es sogar Bedenken, Dynamo-Fans würden das Straßenschild schänden.“ Schön hatte 1950 mit dem Großteil der Mannschaft die DDR verlassen, da der DSC-Nachfolger SG Friedrichstadt von der Staatsführung unterdrückt wurde.

Die CDU favorisiert die Umbenennung der Ostra-Allee. „Die führt ins Ostragehege, wo Schön gespielt hat“, begründet Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Eckoldt die Unions-Position. Auch die PDS will Schön lieber weiter weg von der Heimstätte des 1953 gegründeten Dynamo-Clubs geehrt wissen. Zudem macht sich die Stadtratsfraktion für eine Ehrung des Dynamo-Erfolgstrainers Walter Fritzsch per Straßenumbenennung stark – und greift damit einen Kompromissvorschlag von Thomas Blümel von der Bürgerfraktion auf.