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Fußballerinnen verpassen WM-Halbfinale

Zum ersten Mal seit 1995 verlieren die DFB-Frauen ein Turnierspiel gegen Schweden. Durch das 1:2 in Rennes gibt es auch noch einen weiteren Grund für schlechte Laune.

Das tut weh: Die deutsche Kapitänin Alexandra Popp leidet nach einem Foul auf dem Feld - und nach dem Abpfiff wegen des WM-Aus' und des Verpassens der Olympischen Spiele in Tokio.
Das tut weh: Die deutsche Kapitänin Alexandra Popp leidet nach einem Foul auf dem Feld - und nach dem Abpfiff wegen des WM-Aus' und des Verpassens der Olympischen Spiele in Tokio. © dpa

Rennes. Nach dem bitteren WM-Aus gab es Tränen der Enttäuschung bei den deutschen Fußballerinnen. Martina Voss-Tecklenburg lief nach ihrer ersten Niederlage als Bundestrainerin mit versteinerter Miene über den Rasen in Rennes. Für die Olympiasiegerinnen aus Deutschland war bei der Weltmeisterschaft in Frankreich nach dem 1:2 (1:1) am Samstag im Viertelfinale gegen Schweden der Titeltraum jäh geplatzt. Noch viel schlimmer: Auch Olympia im kommenden Jahr findet ohne den achtmaligen Europameister statt. "Das ist für den deutschen Frauen-Fußball bitter", sagte die frühere Nationalspielerin und ARD-Expertin Nia Künzer.

"Die Niederlage tut weh. Der Gegner hat ein Tor mehr geschossen als wir, das müssen wir respektieren. Wir sind in einem Prozess und werden uns nun neue Ziele setzen", sagte Voss-Tecklenburg in der ARD und meinte: "Uns hat vielleicht das Spielglück gefehlt."

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Keeperin Almuth Schult stellte fest: "Das ist nicht zu erklären, nicht zu entschuldigen, das ist bitter und wir sind sehr enttäuscht." Man habe nicht zwingend genug gespielt. "Das muss man sich dann auch eingestehen. Heute hat ein kleines Quäntchen gefehlt."

Dabei hatte es für die DFB-Frauen gut begonnen: Doch nach der Führung von Lina Magull (16. Spielminute) drehten die starke Sofia Jakobsson (22.) und Stina Blackstenius (48.) vor 25.301 Zuschauern im Roazhon Park die Partie. Damit feierten die Schwedinnen den ersten Sieg über Deutschland seit mehr als vier Jahren.

Da sah es noch gut aus: Lina Magull (M) trifft zum 1:0 für die deutschen Frauen.
Da sah es noch gut aus: Lina Magull (M) trifft zum 1:0 für die deutschen Frauen. © dpa/Sebastian Gollnow

Weil sich nur die drei besten europäischen Teams für die Sommerspiele 2020 in Tokio qualifizieren, können die Olympiasiegerinnen von Rio 2016 in Japan nicht erneut um Gold spielen. Während die deutsche Mannschaft am Sonntag enttäuscht die Heimreise antreten wird, trifft Schweden nach dem ersten Sieg gegen Deutschland bei einem großen Turnier seit 24 Jahren im Halbfinale am kommenden Mittwoch auf Europameister Niederlande. In der Vorschlussrunden-Partie am Dienstag ermitteln England und Titelverteidiger USA den ersten Finalisten.

Voss-Tecklenburg verzichtete zunächst auf Spielmacherin Dzsenifer Marozsan, die nach ihrem Zehenbruch zum WM-Auftakt als Alternative auf der Bank Platz nahm. Die Bundestrainerin betonte stets, wie wichtig es sei, gute Einwechselspielerinnen zu haben, falls es nicht wie gewünscht läuft. So behielt sie Schweden-Schreck Marozsan zunächst in der Hinterhand und brachte sie zu Beginn der zweiten Spielhälfte. «Wir glauben, dass der Mehrwert größer ist, sie im Laufe des Spieles zu bringen», erläuterte Co-Trainerin Britta Carlson in der ARD. Doch der Plan ging nicht auf.

Freude über die Führung währt nur kurz

Zudem überraschte das Trainerteam mit personellen und taktischen Änderungen. Nach dem Achtelfinale gegen Nigeria rückten Carolin Simon und Linda Dallmann, die später beide ausgewechselt wurden, für Verena Schweers und Melanie Leupolz ins Team. Die Elf spielte zwar im bevorzugten 4-2-3-1-System, aber erstmals bei der WM mit Spielführerin Alexandra Popp auf der Sechser-Position. Die Wolfsburgerin sorgte zunächst für Präsenz, Ruhe und Übersicht im defensiven Mittelfeld, fehlte allerdings vorn als Anspielstation und Stoßstürmerin. So blieb Lea Schüller auf sich allein gestellt.

Trotzt brütender Hitze - es wurden zwischendurch Trinkpausen eingelegt - schonten sich beide Teams nicht. Die Anfangsphase dominierte die DFB-Auswahl. Gleichwohl hatte Schweden die erste gute Chance durch Jakobsson, die aber an der reaktionsschnellen DFB-Keeperin Almuth Schult scheiterte.

Dennoch war die DFB-Führung nach einer guten Viertelstunde verdient. Einen tolles Zuspiel von Sara Däbritz nutzte Magull mit ihrem zweiten Turniertor fast artistisch zum 1:0. Allerdings währte die Freude nur kurz. Als Innenverteidigerin Marina Hegering sich bei einem Befreiungsschlag von Linda Sembrant verschätzte, zog die starke Jakobsson davon und vollendete per Flachschuss zum 1:1.

Am Ende hatten aber die Skandinavierinnen Grund zum Feiern.
Am Ende hatten aber die Skandinavierinnen Grund zum Feiern. © dpa/David Vincent

Deutschland zeigte sich vom ersten Gegentor im Turnier ein wenig geschockt, denn die Schwedinnen waren nun wesentlich besser im Spiel und bei ihren überfallartigen Kontern stets gefährlich. Erneut musste Schult bei einem Schuss von Blackstenius (37.) retten.

Kurz nach dem Wechsel dann aber der nächste Rückschlag. Einen Kopfball von Fridolina Rolfö konnte Schult gerade noch parieren, doch Blackstenius war im Nachsetzen zur Stelle, und Deutschland lag erstmals beim Turnier im Rückstand. Zwar stemmten sich die Deutschen noch einmal gegen die drohende Niederlage, aber vor den Augen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch konnten sie in der spannenden Schlussphase keine Chance mehr nutzen. Und am Ende fehlten wohl auch die Kräfte gegen die defensiv starken Schwedinnen. (dpa)

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