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Fußballzoff vor McDonalds

Wird der Rastplatz an der Autobahn zunehmend zum Schlägertreff?

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Es war am 23. Mai, ein Sonnabendabend. Da schlugen auf dem Parkplatz von Mc Donalds bis zu 40 Leute massiv auf erkennbare Fans von Dynamo Dresden ein. Die saßen in parkenden Fahrzeugen und kamen vom Fußball. Vier Männer (20/21/22/34) erlitten durch Schläge und Tritte Verletzungen. Es soll sich bei den Angreifern um Fans von Hansa Rostock gehandelt haben.

Am 29. Oktober 2013 war es gerade andersherum. Da waren es fünf bis sieben augenscheinliche Dynamo-Fans, die auf einen Anhänger von Wismut Aue (24) einprügelten. Der musste mit seinen Verletzungen sogar ins Krankenhaus. Etwas später kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen 20 Dynamos und etwa fünf Fans von Energie Cottbus. Eine 19-Jährige und zwei Männer (19/33) wurden verletzt.

Wann wird es wieder passieren? Entwickelt sich der Rastplatz an der Autobahn etwa zum neuen Hooligan-Schwerpunkt? Die Dresdner Polizei sagt eindeutig: nein. Richtig ist aber, dass Fußballfans gewöhnlich die Autobahnen zur An- und Abfahrt zu den Spielen nutzen.

Thiendorf ist auf der A 13 der erste Rasthof, nachdem man Dresden in nördliche Richtung verlassen hat. Ebenso wie die Raststätte Dresdner Tor in Wilsdruff an der A 4. Somit seien dies durchaus verständliche Anlaufpunkte für Reisende, die im Stadion zuvor das eine oder andere Getränk konsumiert haben und nun ihr Bedürfnis erledigen wollen. Das betrifft sowohl die Fans von Dynamo Dresden als auch die auswärtigen Gäste.

Doch während die Polizei Fanbusse vor den Spielen auf dem Weg zum Stadion teilweise begleitet, wird das nach den Spielen nicht mehr gemacht. „Auseinandersetzungen an Raststätten sind allerdings bei Dynamo-Heimspielen selten geworden“, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner. In den vergangenen zwei Jahren hatte Dynamo rund 40 Heimspieltage. In dieser Zeit sind der Dresdner Polizei insgesamt drei Vorfälle an der Raststätte Thiendorf bekannt geworden, bei denen abreisende Fußballfans aufeinandertrafen und es zu körperlichen Auseinandersetzungen kam. Diese statistische Gegenüberstellung allein mache schon deutlich, dass es sich bei Thiendorf nicht um einen Schwerpunkt handelt. Dessen ungeachtet haben ihn die Einsatzkräfte an den Spieltagen mit auf dem Schirm.

Körperliche Auseinandersetzungen stellen im Regelfall Straftaten dar, bei denen für die Polizei ein Verfolgungs- bzw. Handlungszwang besteht. Selten glückt es aber – im Gegensatz zu den Randalen im und am Stadion in Dresden – dass die Polizei vor Ort ist, wenn sich eine solche Schlägerei entwickelt. Auch in den beiden erstgenannten Fällen war dies nicht der Fall. Deshalb wurden im Nachhinein Hinweise zu den Auseinandersetzungen gesucht. „Allerdings ist da leider nichts eingegangen“, so Polizeisprecher Thomas Geithner enttäuscht.

Neben der Verletzung von Personen sei es aber schon mal an einer Raststätte dazu gekommen, dass eine Verkaufshütte zerschlagen wurde. Das wäre für Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker ein höchst unerwünschtes Szenario. Bisher blieben die Auseinandersetzungen auf die Fußballfans beschränkt. „Der Müll, den die Hooligans liegen lassen, fällt im normalen Müll auch nicht weiter auf“, so Mocker sarkastisch. Auf dem Parkplatz vor Mc Donalds ist allerdings das Schnellrestaurant selbst für die Sauberkeit zuständig.

Der Sprecher der SG Dynamo Dresden Jan Franke kennt die Randale an der Raststätte Thiendorf nicht und möchte sich deshalb auch nicht dazu äußern. Der Verein und die Fanbetreuung sprechen sich in der Öffentlichkeit aber klar gegen Gewalt aus. In der Initiative „Gegen Pyro und Chaoten“ wird das Bemühen um ein Zurückdrängen vereinsschädigenden Verhaltens Einzelner herausgestellt. Das Hauptziel der Initiative ist, Fans und Verein „dafür zu sensibilisieren, dass regelwidriges Verhalten den Verein in seiner Entwicklung schädigt, die sportliche Etablierung und wirtschaftliche Konsolidierung durch Einschnitte in die Finanzkraft erschwert“.

www.dynamo-dresden.de/fans/faninitiativen