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Fußweg statt Grünstreifen

Die Gehsteige der Elstraer Bahnhofstraße werden nun nach Bürgerwunsch erneuert. Die Stadtrats-Variante ist vom Tisch.

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© René Plaul

Von Manuela Paul

Elstra. Ein Spaziergang entlang der Elstraer Bahnhofstraße macht Helmut Patotschka keinen Spaß. Denn der schwerst sehbehinderte 79-jährige Elstraer, der immer mit einem Taststock unterwegs ist, muss die Straße zweimal überqueren. Denn ein durchgängiger Fußweg befindet sich nur auf der einen Straßenseite. Auf der anderen ist der Gehsteig mittig für etwa 40 Meter unterbrochen. Dort befindet sich Gesträuch. Seit mehr als acht Jahren und zum Ärgernis vieler Elstraer.

Nun soll der Fußweg saniert werden. Denn vor allem seit dem letzten Starkregen ist der geschotterten Gehweg zu einer Holperpiste geworden. Und da ohnehin ein Teilstück des Weges aufgebuddelt werden muss, um ein Kabel für die Straßenbeleuchtung zu erneuern, schlug die Stadtverwaltung vor, den ramponierten Weg gleich komplett auszubauen.

Mit dieser Idee sei auch die Diskussion in der Bürgerschaft wieder befördert worden, erzählt Helmut Patotschka. Es keimte Hoffnung auf, dass der ungeliebte Grünstreifen endlich verschwindet. Das bekam der Senior bei Gesprächen mit, die er mit anderen Elstraer Passanten führte. „Ich war gespannt, wie sich die Sache entwickeln würde.“ Doch dann folgte die Ernüchterung. Denn seine Frau habe ihm aus der Zeitung vorgelesen, dass sich der Stadtrat für eine Variante entschieden habe, bei der beidseitig die Fußwege erneuert werden. Demnach sollte alles gepflastert werden, was jetzt als geschotterter Fußweg vorhanden ist. Aber der Grünstreifen sollte bleiben. Damit wäre dieser unsinnige Zustand erhalten geblieben.

Bedenken im Rathaus vorgetragen

Begründet hatte der Stadtrat seine Wahl damit, dass dies gut für die Sicherheit der Kinder sei, die dort unterwegs sind, um in Hort oder Kita zu gelangen. „Aber an die Älteren hat niemand gedacht“, so Helmut Patotschka. Für ihn, der nicht erkennt, ob ein Fahrzeug abbiegen will oder nicht und der sich deshalb viel auf sein Gehör verlassen muss, sei es besonders schwer, die Straße zu überqueren. An der Bahnhofsstraße muss er es wegen des nicht durchgängigen Fußweges sogar zweimal. „Doch es geht ja nicht nur um mich. Auch Ältere, die gehbehindert oder nicht mehr so reaktionsschnell sind, haben mit dem zweimaligen Überqueren Probleme.“ Und selbst für Jüngere, beispielsweise Muttis mit Kinderwagen und einem zweiten Kind an der Hand, sei diese Ausbau-Variante nicht optimal.

Dass viele Elstraer mit dieser Lösung unzufrieden waren, bekam der 79-Jährige schnell zu spüren. „Alle schimpften. So wie immer.“ Davon würde es nicht anders werden, war sich der Senior sicher. Deshalb ging er ins Rathaus, um dort seine Bedenken loszuwerden. „Unser Bürgermeister ist ja sehr zugänglich.“ Und Helmut Patotschka war nicht der einzige, der bei der Stadtverwaltung vorsprach. Mehrere Anwohner der Bahnhofstraße und selbst der Heimat- und Geschichtsverein machten auf das Problem aufmerksam. Deshalb stand der Fußwegbau in der jüngsten Stadtratssitzung noch einmal auf der Tagesordnung. Denn die Räte hatten sich in der nichtöffentlichen Dezembersitzung mehrheitlich dafür entschieden, in der Januarsitzung noch einmal über die Ausbauvarianten zu befinden.

Stadtrat stimmt Beschluss zu

Man habe die altersgerechten Aspekte nicht vollständig im Blick gehabt, gab Bürgermeister Frank Wachholz in der Ratssitzung zu. Natürlich müssen auch Ältere sicher von A nach B kommen. Zumal der Altersdurchschnitt der Elstraer im vorigen Jahr bei 49 Jahren lag – die Senioren also einen großen Teil der Einwohnerschaft ausmachen.

Der Stadtrat beschloss letztlich, beide Fußwege an der Bahnhofstraße durchgängig auszubauen und damit den behindernden Grünsteifen verschwinden zu lassen. Rund 104  000 Euro sind laut Kostenschätzung für dieses Bauvorhaben nötig. Rund 20 000 Euro mehr als die ursprünglich favorisierte Variante gekostet hätte.