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Gab es den Tresor-Diebstahl gar nicht?

Bei dem Gerichtsprozess um die in Eibau gestohlenen 118.000 Euro weist der angebliche Kopf der Diebesbande alle Anschuldigungen von sich.

© Peter Steffen/dpa (Symbolfoto)

Am dritten Verhandlungstag im Gerichtsverfahren  wegen mehrerer Einbruchdiebstähle in Eibau und Lawalde stand die Einlassung des deutschen Angeklagten (39) aus Hohendubrau bei Niesky im Mittelpunkt. Laut Anklage soll er Initiator und Organisator des Diebstahls von 118.000 Euro aus dem Firmentresor, von  Laptop, i-Pad sowie einem Analysegerät im Gesamtwert von 25.000 Euro aus einem Firmenwagen und von 520 Kilo  Monolith-Granulat im Gesamtwert von  25.000 bis 30.000 Euro gewesen sein, alles bei einer auf die Entsorgung und stoffliche Weiterverwertung von Katalysatoren spezialisierten Firma aus Eibau.

Der Firmenchef hatte ihn am zweiten Verhandlungstag schwer belastet, am ersten Verhandlungstag die mitangeklagten Polen (38 und 52 Jahre), die den Firmenwagen-Einbruch und den Monolith-Klau gestanden, als Kopf des "Unternehmens" geschildert.

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Angeklagter weist Anschuldigungen zurück

Also alles klar? Mitnichten, der deutsche Angeklagte weist jegliche Beteiligung an den vorgeworfenen Straftaten von sich. Auch wenn er es vor Gericht nicht explizit sagt, wird deutlich, dass er dies alles für ein Komplott hält. Vor Gericht schildert er in seiner ziemlich unstrukturierten Aussage, in welchem Graubereich sich die Entsorgungsfirma, bei der er jahrelang arbeitete, bewegt.

Er erzählt von "Geschäftsleuten" aus dem tiefen Osteuropa, die die begehrten Katalysatoren über die Eibauer Firma zu Geld machten, dass in der Regel alle Geschäfte, auch im sechsstelligen Bereich in bar abgewickelt wurden und dass er aus verschiedenen Gründen aus diesem Geschäft aussteigen wollte: die zunehmende Konkurrenz durch noch undurchschaubarere Leute aus Osteuropa, die ständigen Reisen mit viel Bargeld und an Wochenenden zu Kunden in Ost und Südeuropa, die veränderte private Situation nach einer Trennung und der Verantwortung für ein Kind.

Die Anschuldigungen des Firmenchefs weist er zurück. Dass er zum Beispiel einen Anhänger-Führerschein machen sollte, sei ihm neu. Schließlich sei er ja mit Material immer mit einem Transporter gefahren.

Unstimmigkeiten in Zeugenaussage

Und so erzählt er dem Gericht, dass es eine ganze Reihe weiterer Unstimmigkeiten in der Zeugenaussage des bestohlenen Firmenchefs gebe. Beim Diebstahl der 118.000 Euro aus dem Firmentresor zum Beispiel hatte ein anderer Zeuge bereits berichtet, dass der Firmenchef das Geld schon am Tag des Abhebens verzweifelt suchte.

Außerdem sei nicht nachvollziehbar, warum der Diebstahl erst gar nicht und viel später mit einer Summe von nur 10.000 Euro bei der Polizei angezeigt worden ist, wo doch sogar der Auszahlungsbeleg der Bank vorhanden ist. Und der Angeklagte berichtet von einem Versuch bei einem späteren Treffen im Dezember, als man sich scheinbar versöhnt hatte, die Fingerabdrücke der Angeklagten auf eine Geldtasche zu bekommen. Kurzum, er habe mit diesem angeblichen Diebstahl nichts zu tun und bezweifle, das es ihn überhaupt gab.

Racheakt oder Komplott?

Auch mit den anderen beiden Diebstählen will der Angeklagte nichts zu tun haben. Die Polen hatten diese wohl auch deshalb zugegeben, weil Aufzeichnungen der Überwachungskameras vorliegen. Der deutsche Angeklagte sagt aber, sich mit den Polen zwar auf Empfehlung eines ehemaligen Geschäftspartners in Rumänien in Hotels getroffen zu haben, aber um ganz andere Geschäfte zu besprechen. Und an einem Verkauf des Monolith-Granulats sei er nicht beteiligt gewesen, anders als es die Polen behaupten. Das Motiv der Polen, so etwas zu tun, bleibt zwar im Dunkeln. Eine Verbindung der Polen zum Diebstahlsopfer besteht aber eben auch - über jenen Geschäftsmann in Rumänien.

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