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Gabriele Lorenz wird Kulturamtsleiterin

Der Radebeuler Stadtrat hat die Kulturmanagerin am Montagabend gewählt. Nach dem Rückzug Jörg Bernigs war sie alleinige Kandidatin.

Gabriele Lorenz, Jahrgang 1961, wird die Leitung des Radebeuler Kulturamtes übernehmen.
Gabriele Lorenz, Jahrgang 1961, wird die Leitung des Radebeuler Kulturamtes übernehmen. © Lars Rosenkranz

Radebeul. In nicht-öffentlicher Sitzung hat der Radebeuler Stadtrat am Montagabend Gabriele Lorenz mit großer Mehrheit zur neuen Leiterin des Kulturamtes gewählt. Von 34 Anwesenden stimmten 22 Stadträte für die Kulturmanagerin aus Annaberg-Buchholz. Damit sei eine endgültige Entscheidung getroffen, sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) nach der Sitzung.

2005 ging die gebürtige Erzgebirgerin als Kulturmanagerin nach Annaberg-Buchholz, wo sie bei der Stadtverwaltung im Fachbereich Kultur, Tourismus und Marketing als Sachgebietsleiterin arbeitete. Zuvor war sie von 1995 bis 2004  in der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Bonn und Berlin tätig, leitete dort das  Literaturbüro  und organisierte bundesweit Veranstaltungen und Festivals .

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„Ich begrüße die Wahl von Frau Dr. Lorenz und verbinde damit die Hoffnung, dass die entstandene Polarisierung und Spaltung durch sie überwunden werden kann. Die Leitung des Kulturamtes erfordert es, Brücken zu bauen, Kulturschaffenden eine Bühne zu geben und durch moderierendes Agieren gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Akzeptanz zu fördern, sowie Dialog zu ermöglichen. Gleichzeitig möchte ich mich bei beiden Bewerbenden im Namen der Stadt und des Stadtrates für die öffentliche Beschädigung entschuldigen“, so  Oberbürgermeister Wendsche.

Trotz der schwierigen Ausgangskonstellation freut sich Gabriele Lorenz auf ihre neue  Aufgabe. "Ich möchte die bestehenden Angebote gemeinsam mit den Künstlern und allen kulturinteressierten Bürgern konzeptionell und strategisch weiterentwickeln, identitätsstiftend und weltoffen, aber auch als wichtigen Standortfaktor der Stadt. Dabei sind mir kulturelle Teilhabe und Bildung besonders wichtig", teilt die 58-Jährige mit.

Lorenz hatte sich bereits am 20. Mai dem Stadtrat zur Wahl gestellt. Der entschied sich damals jedoch mit einer knappen Mehrheit  für den Schriftsteller Jörg Bernig als neuen Kulturamtsleiter - mutmaßlich überwiegend mit Stimmen von CDU und AfD. Das sorgte für harsche Kritik in der Kulturszene der Region und bundesweite Debatten.  

Seit 2015 äußert sich Bernig, der mit der sogenannten Neuen Rechten in Verbindung gebracht wird, wiederholt kritisch zur Einwanderungspolitik der Bundesregierung.  Er gehört  zu Vertretern der These einer „Umvolkung“ der Deutschen und veröffentlichte unter anderem im nach eigener Definition neoreaktionären „Tumult-Magazin“ und der „Sezession“ des als rechts bekannten Verlegers Götz Kubitschek.

In einem offenen Brief lehnten  Künstler und Mitarbeiter des  Kulturamtes Bernig als Kulturamtschef ab, weil seine öffentlichen Äußerungen mit der Radebeuler Kultur unvereinbar seien und seine Wahl das Image der Stadt nachhaltig negativ beeinflussen werde, hieß es darin. 

Andere Prominente, wie der Schriftsteller  Uwe Tellkamp, sprangen Bernig zu Seite. Dessen Thesen seien durch Gesetz und Meinungsfreiheit gedeckt und kein Grund, dessen „persönliche und berufliche Integrität anzugreifen“, hieß es in diesem offenem Brief.

Radebeuls  Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) legte  Widerspruch gegen die Wahl ein, was ihm die Sächsische Gemeindeordnung erlaubt. Er begründete dies mit einer deutlich spürbaren Polarisierung, die  sich aus seiner Sicht negativ und nachteilig für die Stadt auswirke. 

Vergangenen Donnerstag erklärte Bernig, für eine erneute Wahl nicht zur Verfügung zu stehen, weil das hieße, "ideologische Handlungsweisen als Teil der Normalität anzuerkennen und zu rechtfertigen". Er selbst sieht sich als Opfer von"Unterstellung, Verheimlichung, Verdrehung bis zu Stigmatisierung".

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