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Gänsehaut vorm Bildschirm

Ihr Traum vom Filmen begann klein. Inzwischen laufen die Produktionen von zwei Bautzenern landesweit im TV.

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© René Plaul

Von Miriam Schönbach

Stolz halten Roman Rögner und Matthias Weiner ihre Kamera in den Händen. An diesem verregneten Nachmittag gönnen sie ihrer Filmausrüstung wie sich selbst eine kurze Pause. Auf einen Abstecher sind die zwei Bautzener in ihre alte Heimat zurückgekommen. Längst stehen sie mit beiden Beinen fest in Leipzig im Berufsleben. Vor drei Jahren gründeten sie ihre Firma für Filmproduktionen. Inzwischen laufen ihre Videos und Imagefilme unter anderem in den Nachrichtensendern N24, Sky und ntv. „Für diesen Erfolg haben wir hart gearbeitet“, sagt Roman Rögner.

Dabei wirken die zwei jungen Männer auf den ersten Blick gar nicht wie knallharte Geschäftsleute. Beide kommen in legerer Kleidung über die Friedensbrücke geschlendert. Doch schnell wird klar, dass hinter dem unkonventionellen Auftreten eine ganze Menge Wissen steckt. Mit ihren 26 Jahren liegen hinter ihnen schon ein paar berufliche Stationen. Solange sie aber Berufswünsche aufs Papier bringen konnten, stand dort immer: „irgendwas mit Film“. Doch manchmal hält der Weg zum Traumberuf einige Abzweigungen parat.

Roman Rögner schmunzelt über diese Umwege. Dem gebürtigen Erfurter wird zuerst das Theater in die Wiege gelegt. Sein Vater, Wolfgang Rögner, ist nach seiner Zeit als Generalmusikdirektor des Theaters Erfurt langjähriger Intendant des Sorbischen National-Ensembles in Bautzen, seine Mutter arbeitet als Dramaturgin. Schon in der Thüringer Zeit liebäugelt der Junge mit der Bühne. Mit elf Jahren steht er in der TV-Komödie „Küss mich, Frosch“ erstmals vor der Kamera. „Ich habe damals so einen kleinen Schlaumeier gespielt und hatte fünf Drehtage“, sagt er. An seiner Seite – oder andersherum – spielen so bekannte Schauspieler wie Matthias Schweighöfer und Karoline Herfurth.

Diesem ersten Kamera-Kontakt folgen weitere Engagements. Dazu kommen Komparsenauftritte in der Oper Erfurt. Nach dem Umzug an die Spree heuert der Jugendliche bei der Schülertheatergruppe im Melanchthon-Gymnasium an. Mit 14 Jahren bekommt er seine erste Kamera geschenkt. Gemeinsam mit Kumpels dreht er Musikvideos, erst laienhaft, dann kniet er sich immer mehr in die Materie. In der zehnten Klasse absolviert er beim SAEK in Bautzen einen zweiwöchigen Kurs und lernt Filmtechniken kennen. Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle bieten jedem die Möglichkeit, eigene Beiträge in den Bereichen Hörfunk, Fernsehen sowie Online zu erstellen.

Vernarrt in Spezialeffekte

Spätestens ab diesem Zeitpunkt zieht Roman Rögner nichts mehr auf die Bühne. Seinen heutigen Freund und Geschäftspartner Matthias Weiner kennt er seinerzeit nur vom Aneinandervorbeirennen, obwohl sich ihre Interessen ähneln. „Nachdem ich 1999 das erste Mal ,Matrix‘ sah, ließ mich das Thema der Video-Spezial-Effekte nicht mehr los“, sagt der Wahl-Leipziger. Der Science-Fiction-Film um den jungen Hacker Neo erregte Aufsehen durch aufwendig gestaltete Kampfszenen in Verbindung mit digitalen Effekttechniken. Mit seiner Ausbildung zum Fachinformatiker macht er seine Affinität zu Video und Technik ganz stringent zum Beruf.

Roman Rögner sucht dagegen nach der Schule noch ein bisschen nach dem richtigen Weg. Er macht im Deutsch-Sorbischen Volkstheater ein Freiwilliges Soziales Jahr „Kultur“ und schnuppert in das Fach Regie hinein. Danach wechselt er nach Berlin zum Filmregisseur Konrad Herrmann. Der Filmemacher aus Bautzen ist bekannt für seine Dokumentarfilme. In seiner Firma entwickelt der junge Kollege Stoffe für neue Projekte. Parallel bewirbt er sich bei den Filmhochschulen – ohne Erfolg. „Ich war nicht der, den sie suchten“, sagt der heutige Chef von drei Mitarbeitern. Er wählt Plan B und studiert Jura in Leipzig. Einen Monat nach Studienbeginn begegnet er Matthias Weiner.

Auf einer Wellenlänge

Schnell stellen die beiden Lausitzer fest, dass sie auf einer Wellenlänge schwimmen. Sie legen sich eine Kamera zu und halten an ihrem Hobby fest. Zuerst produzieren sie wieder Musikvideos, unter anderem für Strandlichter, früher Café Jazz. Dazu kommen Aufträge vom Irrgarten Kleinwelka, von der Kreissparkasse Bautzen oder von Klubs in Leipzig. Vor drei Jahren erhalten die Jungunternehmen schließlich die Anfrage eines großen Online-Händlers für Unterhaltungselektronik. Er brauche Produktvideos. Dieser Auftrag bringt den ersten kleinen Durchbruch.

Aber Roman Rögner und Matthias Weiner bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden. Ihr verdientes Geld investieren sie in Technik. Sein Studium bringt der Jurist erfolgreich zu Ende. Ein bisschen sind die beiden Medienmacher selbst über diese Entwicklung erstaunt. „Es ist total krass, wenn man seine eigene Produktion im Fernsehen sieht. Da bekommt man Gänsehaut“, sagt Roman Rögner. Die nächsten Auftraggeber stehen schon in den Startlöchern. Besonders ihre animierten Filmproduktionen sind nachgefragt.

Ums filmische Handwerk kümmert sich Matthias Weiner, während sein Kompagnon die Kontakte zu den Firmen hält. Einen Regisseur haben sie auch ins Boot geholt. Trotz des Erfolgs bleiben ein paar Wünsche. Die Firma „picmention“ soll noch ein paar mehr Filmverrückten Arbeit geben. Vielleicht klopft eines Tages ein ganz großes Unternehmen an und wünscht sich einen Spot für die Leinwand. Das wäre ganz großes Kino. Doch darauf können Roman Rögner und Matthias Weiner geduldig warten. Sie wissen ja, manchmal nehmen Träume Umwege.