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Warum jetzt der Garten beliebter denn je ist

Ostern haben viele Familien in der Region Döbeln in der eigenen Parzelle verbracht. In den Sparten könnte sich die Corona-Pandemie weiter auswirken.

Xenia Prill (rechts) hat Glück. Weil die Auszubildende noch in Roßwein bei ihren Eltern gemeldet ist, darf sie Ostern in Familie verbringen. Im Garten baut sie mit Vater Jörg ein Insektenhotel.
Xenia Prill (rechts) hat Glück. Weil die Auszubildende noch in Roßwein bei ihren Eltern gemeldet ist, darf sie Ostern in Familie verbringen. Im Garten baut sie mit Vater Jörg ein Insektenhotel. © Dietmar Thomas

Xenia Prill hämmert und sägt an einem Insektenhotel. Ich achtjähriger Bruder Max hat gerade einige Aufgaben für die Schule erledigt. Vater Jörg hat vor ein paar Minuten noch am Grill gestanden, um der Familie ein Mittagessen zu brutzeln. Die Sonne kitzelt auf der Nase, Hummeln summen um die Frühblüher, die auf der anderen Seite des Gartenweges stehen. 

„Wir haben in den letzten Tagen und jetzt über Ostern unseren Garten noch mehr zu schätzen gelernt“, sagt Annett Prill. Die 42-Jährige leitet die kleine Gartensparte des Roßweiner Rassekaninchenzuchtvereins S 464. Diese befindet sich neben der größten Anlage der Stadt unterhalb des Weinberges. 

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Rund 30 Gärten können die Züchter und inzwischen auch andere Interessierte bewirtschaften – sogar nach weniger strengen Regelungen als in Anlagen, die zum Verband der Kleingärtner gehören. Denn wegen der Versorgung ihrer Tiere dürfen die Züchter eine größere Rasenfläche haben. Aber auch gegen einen Pool oder Spielgeräte habe niemand etwas einzuwenden, so die Vorsitzende.

 Sie und ihr Mann bewirtschaften ihren Garten an dieser Stelle schon seit mehr als 20 Jahren, die Kinder sind dort mit groß geworden, treffen sich – außerhalb Corona-Zeiten – dort regelmäßig mit Freunden. „Sie sind gern hier. Die älteren Nachbarn stört das nicht. Im Gegenteil, sie freuen sich über die Jugend, über Kinderlachen“, sagt Annett Prill. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Sie und auch die übrigen Mitglieder der Sparte würden sich freuen, wenn sich noch einige Familien entscheiden, einen Garten in der Anlage zu bewirtschaften. „Hier ist wirklich Natur pur“, schwärmt Annett Prill. „Wir haben an unserer Wohnung zwar auch einen Balkon. Aber mit einem Garten ist das nicht zu vergleichen.“ Die Familie wollte eigentlich über Ostern etwas mit den Großeltern unternehmen. Nun ist wegen der Corona-Einschränkungen daraus eine kleine Garten-Auszeit geworden.

Dieter Hunger aus Leisnig hat sich ein Hochbeet aus Regenrinnen gebaut und gleich mit einer Bewässerung versehen. Ihren Garten hat die Familie nach einem Brand 2018 nicht aufgegeben.
Dieter Hunger aus Leisnig hat sich ein Hochbeet aus Regenrinnen gebaut und gleich mit einer Bewässerung versehen. Ihren Garten hat die Familie nach einem Brand 2018 nicht aufgegeben. © Dietmar Thomas

Auch Dieter Hunger zieht es raus. Seine Laube in der Sparte „An der Linde“ in Leisnig ist vor knapp zwei Jahren Opfer eines Feuers geworden. Er und einer seiner Nachbarn haben wieder aufgebaut, ein andere im rückwärtigen Bereich hat aufgegeben. „Nein, das wollte ich nicht“, sagt der 67-jährige Hunger. Während seine Frau am Sonnabend Dienst in einem Supermarkt hat, will er den kleinen Teich auf Vordermann bringen. 

Seine Beete hat er schon in Schuss. „Na, Dieter, ob das was wird?“, ruft ihm Christine Bicknäse über den Gartenzaun zu. Sie will nach Hause radeln, hat ihr Gartentor schon abgeschlossen. Zuvor wirft sie noch einen Blick auf eine eher ungewöhnliche Konstruktion, die der Rentner im vergangenen Jahr gebaut hat: ein Hochbeet aus Regenrinnen. Bepflanzt ist es mit verschiedenen Sorten Erdbeeren.

Die Vorteile haben Dieter Hunger überzeugt: Beim Pflücken muss er sich keinesfalls mehr so weit nach unten bücken wie im normalen Beet. Zudem liegen die Früchte nicht auf der Erde, können also weder schmutzig werden noch bei Nässe schimmeln. Und wegen der zurückliegenden trockenen Jahre hat er gleich noch eine Bewässerung integriert. „Ich bin gespannt, ob das was wird“, sagt er. 

Christine Bicknäse auch. Sie könnte sich sogar vorstellen, dass der eine oder andere wieder mehr im Kleingarten anbaut. „Bei den gestiegenen Preisen für Obst und Gemüse“, meint sie.

Matthias Krischkowsky (41) gestaltet Wege in seinem Garten in der Sparte „Südstraße“ in Döbeln um. „Schade, dass die Baumärkte gerade jetzt für Privatkunden zuhaben“, bedauert er.
Matthias Krischkowsky (41) gestaltet Wege in seinem Garten in der Sparte „Südstraße“ in Döbeln um. „Schade, dass die Baumärkte gerade jetzt für Privatkunden zuhaben“, bedauert er. © Dietmar Thomas

Auch in der Döbelner Gartenanlage „Südstraße“ ist über Ostern Leben in den Gärten. Es wird geputzt, gerecht und geschwitzt. Matthias Krischkowsky (41) müht sich an einer mit Gehwegplatten beladenen Schubkarre ab, während seine Frau pflanzt. Die Familie genieße, dass sie raus in den Garten dürfe. 

Das sei eine willkommene Abwechslung zum derzeit eingeschränkten Alltag zuhause. Auch die Großeltern könne die Tochter (6) so sehen, wenigsten über oder durch den Zaun. „Mein Vater hat den Garten nebenan“, erklärt Krischkowsky.

Carola Bussejahn (62) genießt die Zeit im Garten und nutzt sie zum Lesen des Döbelner Anzeigers. Ihr Mann Norbert (63) sitzt daneben. Es findet es zu früh, um schon in den Beeten etwas zu tun. Außerdem ist er krank, erholt sich besser noch ein wenig.Viel anpacken kann auch Angela Krieger ein paar Gärten weiter nicht. 

© Dietmar Thomas

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Die 62-Jährige hat es im Rücken. Da muss ihr Mann Lothar (67) an die Gerätschaften. Eigentlich sollte Ostern ein Fest in Familie werden. Nun verbringen es die beiden allein auf dem Gartengrundstück. Dort müssen die Kriegers zumindest in einem Fall keinen Mindestabstand einhalten: Dem Stamm einer großen Konifere, die sie radikal zurückschneiden mussten, haben sie eine Jacke angezogen, ein Hütchen aufgesetzt und ein Gesicht gegeben. Mit viel Humor – so kommen die meisten Kleingärtner gut durch die Corona-Pandemie.

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