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Mit Sinn für Schönes und Altes

Ilona Marschner ist Neuling beim Tag des offenen Gartens. Der Zuspruch gibt ihr Recht.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Bautzen. Rosen sind ihre Lieblingsblumen. Leider sind sie schon ein wenig verblüht. Dennoch weist Ilona Marschners Garten noch genügend Blütenpracht auf. Jetzt ist ja die Zeit für die Herbstblumen. Aber es gibt noch viel mehr zu gucken in der rund 1 000 Quadratmeter großen grünen Oase in der Bautzener Herrenteichsiedlung. Überall sind Nischen mit Sitzgruppen, wo die Gäste, die zum „Tag des offenen Gartens“ gekommen sind, miteinander plauschen können. Auch die Gartenbesitzerin selbst hat die Qual der Wahl, wo sie sich hinsetzen möchte. Doch sie sagt schmunzelnd: „Lange zum Sitzen komme ich sowieso nicht, denn meistens fällt mir gleich was auf, was noch zu tun ist.“

Die 55-Jährige beteiligt sich zum ersten Mal beim „Tag des offenen Gartens“, bei dem Gartenbesitzer aus Bautzen und Umgebung ihre Pforten für Besucher öffnen. Ihre Freundin Ines Schumann überredete sie, sich an der Aktion zu beteiligen. Sie hat selbst einen Garten in Obergurig. Der müsse allerdings noch urbar gemacht werden. „Aber 2021 nehme ich auch am Gartentag teil“, versichert sie. Ines Schumann hilft ihrer Freundin und hat Allerlei aus und mit Kräutern mitgebracht. Überhaupt ist Ilona Marschner sehr dankbar, dass sie so viele Freunde hat, die ihr nicht nur an diesem besonderen Sonntag helfen, sondern auch im Alltag. Denn in so einem großen Garten ist ja immer was zu tun. Da ist die Gartenbesitzerin, die seit vier Jahren Witwe ist, froh über jede helfende Hand.

Baden im Bottich

Zum Gelingen des Tages trägt auch Gerlind Alius bei. Die Pächterin der Neuen Wasserkunst begrüßt die Besucher an der Gartenpforte und flicht nebenbei tolle Blütenkränze. Der Badebottich, der beim Wasserkunstfest vergangenes Wochenende zum Einsatz kam, wurde gleich in Ilona Marschners Garten transportiert, wo vor allem die kleinen Besucher die Gelegenheit nutzten, ins angewärmte Nass zu springen. „Mein Nachbar hat den Bottich mit Wasser aus seinem Brunnen gefüllt“, ist Ilona Marschner dankbar.

Überhaupt sei das eine tolle Nachbarschaft in der Herrenteichsiedlung. Ilona Marschner ist nicht nur Mitstreiterin beim „Budissiner Marktgesinde“, sondern auch Mitglied im Siedlerverein. „Beim alljährlichen Sommerfest bin ich für Kaffee und Kuchen zuständig“, sagt sie. Natürlich gibt es an diesem Sonntag auch auf ihrem Grundstück Vesper für die Besucher. Und bewundern kann man nicht nur die Blütenpracht. Freundin Sylvia Klatte, die am Malkurs der Künstlerin Ino Jänichen-Kucharska teilnimmt, zeigt zarte Aquarelle und Simone Matke ihre Patchworkarbeiten.

Unechtes Fachwerk an der Laube

Und alle Besucher bestaunen, was Ilona Marschner aus alten Möbeln und anderen Dingen vom Trödelmarkt für Ideen herausholt. Da wird eine Rückenlehne vom Rodelschlitten zum Handtuchhalter umfunktioniert und aus einem alten Bett entstehen zwei nostalgische Sitzgelegenheiten. „Ich liebe alte Möbel“, sagt Ilona Marschner, die als Verkäuferin beim Getränkevertrieb Nuck tätig ist.

Ganz stolz ist Ilona Marschner auf ihr Gartenhäuschen, das eigentlich eine alte Blechhütte war. Sie hat es angemalt und mit einem „gefakten“ Fachwerk versehen. Das Fenster erhielt Fensterläden aus altem Holz mit einem Beschlag aus noch älterem Eisen. Jetzt freut sich Ilona Marschner schon auf den nächsten Sommer, wenn ihre beiden neuen Kletterrosen ihre volle Pracht entfalten werden.

Insgesamt konnten in Bautzen und Umgebung elf verschiedene Gärten und eine Parkanlage besichtigt werden. Mit dem Lauentürmer Andreas Thronicker begaben sich auf seine rund acht Kilometer lange geführte Wanderung zwischen den Bautzener Gärten an die 50 Gäste, die dann zum Abschluss mit ihm den „Marktplatz der schönen Dinge“ an der Villa Weigang besuchten. Annekathrin Bernstein und Doreen Jackisch, die den Tag des offenen Gartens organisieren, sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Der Zuspruch sei größer als in den vergangenen Jahren gewesen. Die Organisatorinnen vermuten, dass etwa 5 000 Gäste unterwegs waren.