SZ +
Merken

Gäste haben sich an Rauchverbot gewöhnt

Vor einem Jahr löste das noch frische Rauchverbot in Gaststätten große Diskussionen aus. In vielen Lokalen – vor allem in denen, wo kein separat abgetrenntes Raucherzimmer zur Verfügung steht – müssen Raucher seither vor die Tür.

Teilen
Folgen

Von Nicole Laube

Vor einem Jahr löste das noch frische Rauchverbot in Gaststätten große Diskussionen aus. In vielen Lokalen – vor allem in denen, wo kein separat abgetrenntes Raucherzimmer zur Verfügung steht – müssen Raucher seither vor die Tür.

Von großen Umsatzeinbrüchen sind die meisten Wirte in der Region dennoch verschont geblieben. „Die Gäste haben sich schnell daran gewöhnt, dass sie bei uns nicht mehr rauchen dürfen, und gehen einfach raus“, erzählt Janine Kretzschmar, Restaurantfachfrau in der „Alten Apotheke“ in Altkötzschenbroda.

Obwohl viele fragten, ob in der Apotheke ein Raucherbereich vorhanden sei, könne von einem Gästeschwund aufgrund des Gesetzes keine Rede sein. Kerstin Skopi vom Gärtnerwirt in Radebeul spricht sogar von guten Resonanzen. „Wir hatten allerdings noch nie viele Raucher zu Gast.“ Zudem sei das Rauchverbot hier nur im Winter von Belang, da im Sommer die Terrasse geöffnet ist.

Eine besondere Hürde brachte das Rauchverbot aber für das „Deutsche Haus“ in Radeburg. Dort gab es früher einen Raucher- und einen Nichtraucherraum. Nun müssen beide Gasträume laut Gesetz komplett rauchfrei bleiben, da nur das frühere Raucherzimmer eine eigene Eingangstür besitzt. „Die Nichtraucher müssten bei uns also durch das Raucherzimmer hereinkommen, das ist nicht erlaubt“, erklärt die Chefin, Annett Klotsche. Obwohl ihre Gäste das Rauchverbot schnell akzeptiert haben, beobachtet die Wirtin auch unangenehme Folgen: „Oft werden Feierlichkeiten zerrissen, wenn eine große Gruppe vor die Tür rauchen geht. Mitunter sitzen die Frauen alleine am Tisch, während ihre Männer rauchen.“

Auch aus diesem Grund würde sich Annett Klotsche kleine Änderungen am Gesetz wünschen. „Ich fände es gut, wenn das Rauchverbot wie früher auf bestimmte Zeiten begrenzt bleibt. Warum soll sich denn ein Gast an der Theke um 21 Uhr, wenn niemand mehr isst, keine Zigarette anzünden dürfen?“

In Coswig wird weiter geraucht

Uwe Kaltschmidt, Inhaber des „Stammbaum“ in Coswig, geht sogar noch zwei Schritte weiter, indem er das Rauchverbot komplett ignoriert. „Ich lasse einfach weiter rauchen. Meine Gäste wollen rauchen, das gehört zu einer Kneipe, wie ich sie betreibe, einfach dazu. Würde ich mich nach dem Rauchverbot richten, könnte ich gleich zusperren“, so der engagierte Wirt. Dennoch findet auch Kaltschmidt das Gesetz nicht überflüssig und räumt ein, dass ein Rauchverbot eher nach Lokalen unterschiedlich gehandhabt werden sollte.