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Streit um Gäste-Taxe

Von Seifhennersdorfs Abgabeplänen wären beinahe Querxenland und Windmühle hart getroffen worden. Es stand sogar eine Klage im Raum. Doch nun ist alles gut.

Der Querx grüßt am Eingang vom Querxenland Seifhennersdorf.
Der Querx grüßt am Eingang vom Querxenland Seifhennersdorf. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Wogen haben sich geglättet. Auch, und vor allem weil nun die beteiligten Einrichtungen miteinander gesprochen haben. Vor reichlich drei Wochen sah das noch ganz anders aus. Da war Querxenland-Geschäftsführer Rüdiger Schaper maßlos enttäuscht von der Stadt Seifhennersdorf. Der Grund: Die Stadt will eine Gäste-Taxe einführen - offenbar vor allem auf Kosten der großen Beherbergungseinrichtungen wie des Kindererholungszentrum Querxenland (KiEZ) und des Vereins der Sächsischen Bildungs- und Begegnungsstätte Windmühle Seifhennersdorf.

Schaper fühlte sich vor den Kopf gestoßen, als in einer Sitzung mit Vertretern der Stadtverwaltung, des Fremdenverkehrsvereins, der Stadtratsfraktion UBS als Einreicher des Satzungsentwurfes für die Gäste-Taxe sowie dem Querxenland, der Windmühle und privaten Vermietern, der Plan vorgestellt wurde. Er hat sogar kurz überlegt, ob er gerichtlich dagegen vorgehen würde, wenn die Stadt an ihren Plänen festgehalten hätte. Doch heftige Reaktionen der Betroffenen reichten: Die Arbeitsgruppe diskutierte noch einmal und es wurde ein Kompromiss gefunden. 

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Leere Kasse nicht zu Lasten von Kinder füllen

Jetzt ist die Satzung überarbeitet. "Mit der neuen Version können wir leben", sagt Rüdiger Schaper. Von der Gäste-Taxe befreit, sollen künftig Übernachtungsgäste im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit, wie beispielsweise die Gruppenbuchungen von Schul- und Klassenfahrten und der gleichen im Querxenland oder gemeinnützige Beherbergungsformen, wie etwa von Behindertengruppen in der Windmühle befreit sein. Buchen einzelne Familien privat, müssten sie dann aber eine Gäste-Taxe bezahlen. 

"Unsere zwei große Beherbergungsstätten leisten schließlich auch Kinder- und Jugendarbeit - also eine staatliche Aufgabe, die wir im Sinne des Staates durchführen", sagt der Querxenland-Geschäftsführer. Und man könne die knappe Kasse der Stadt nicht zu Lasten von Kindern füllen, fügt er hinzu. Auch der Zeitpunkt ist angesichts der Corona-Pandemie nicht gerade günstig gewählt.

Das Kindererholungszentrum leistet zudem schon seinen Beitrag für die Stadt und unterstützt finanziell das Silberteichbades. Ohne das Engagement des Querxenlandes wäre das Betreiben des Erlebnisbades derzeit nicht möglich. Das KiEZ gehört mit seinen Kindergruppen zu den Hauptnutzern des Bades. Gleich direkt neben dem KiEZ-Gelände gelegen, ist es zugleich ein optimales Werbemittel für potenzielle Querxenland-Bucher. 

Zuschuss innerhalb von sieben Jahren verdoppelt

2016 hatte das Kindererholungszentrum jährlich noch 15.000 Euro für das Benutzen des Bades gezahlt und dafür sozusagen Pauschaleintrittspreise für seine Gäste erhalten. "2019 haben wir die Summe um 8.000 Euro und damit auf 23.000 Euro erhöht", schildert Rüdiger Schaper. Durch die Corona-Maßnahmen wird in diesem Jahr auf Grund der fehlenden Gäste nur eine Pauschale für die sechswöchigen Sommerferien gezahlt. "Unsere Planungen sehen aber bereits vor, für das nächste Jahr 28.000 Euro zu zahlen und 2022 sogar noch mal auf  30.000 Euro zu erhöhen", sagt er. Damit verdoppelt das Querxenland freiwillig seine Zahlungen für die Badbenutzung an die Stadt innerhalb von sieben Jahren.

Wie für alle Einrichtungen der Tourismusbranche macht auch das Querxenland durch Corona eine schwere Zeit durch. Bei Null Einnahmen sind 41 Querxenland-Mitarbeiter auf Kurzarbeit gewesen. Nun geht es wieder los. Allerdings ist der Aufwand bei deutlich niedrigeren Einnahmen deutlich höher. "Wir führen jetzt das drei- bis vierfache an Telefonaten. Und dabei geht es fast immer um die gleiche Problematik - Storno", sagt er. Rüdiger Schaper ist dennoch froh, dass das Kindererholungszentrum mit 250 bis 270 Gästen pro Belegung mittlerweile zur Hälfte ausgelastet ist. "Mehr ist aktuell aus organisatorischen Gründen wegen der Rahmenbedingungen durch die Corona-Auflagen nicht möglich", schildert er. 

Die Gäste-Taxe wird höchstwahrscheinlich nicht vor 2021 eingeführt. Bis zur Abstimmung im Stadtrat soll sich noch einmal eine kleine Arbeitsgruppe treffen. Bis dahin wollen Querxenland und Co. unter anderem ihre Beherbungszahlen zuarbeiten. 

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Auch Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS) begrüßt den gefundenen Kompromiss. "Die Stadt ist angehalten, nach Einnahmemöglichkeiten zu suchen", sagt sie. Auch die Gebirgs-Gemeinde planen eine Gäste-Taxe. Die Urlauber hätten damit vielleicht auch einmal im gesamten Naturpark Zittauer Gebirge die Möglichkeit, Einrichtungen vergünstigt zu besuchen.  

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