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Das macht das Coronavirus mit den Pferden

Ab Ende April planen die Galopper die nächsten Renntage – auch in Dresden, ohne Zuschauer. Eine Tierärztin warnt vor Panik.

Was macht das Coronavirus mit Pferden? Eine Tiermedizinerin warnt vor Panik.
Was macht das Coronavirus mit Pferden? Eine Tiermedizinerin warnt vor Panik. © Matthias Rietschel

Dresden. Das Coronavirus beschäftigt die Menschen. Und was ist mit den Tieren, zum Beispiel den Pferden auf der Galopprennbahn in Dresden? „Das Virus kommt vom Tier“, sagt Veterinärmedizinerin Doreen Müller. Experten wie sie bezeichnen die Übertragung von Tier zu Mensch als Zoonose. Und sie ergänzt: „Das Virus hat sich weiterentwickelt und wird jetzt von Mensch zu Mensch übertragen.“

Eine Übertragung von Mensch zu Haus- und Nutztieren könne theoretisch grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dafür aber gebe es keine Beweise. Daher warnt Müller vor Panik. Es sei nicht notwendig, Tiere ins Heim zu geben, sondern genüge vollkommen, die Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln ernst zu nehmen: also Kontakte vermeiden und Hände gründlich und regelmäßig zu waschen.

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Im Rennstall von Claudia Barsig sind alle gesund, die fünf Menschen und 22 Pferde. Die Trainerin hatte besonders die ersten beiden ostdeutschen Renntage am 12. April in Berlin-Hoppegarten und sechs Tage später in Halle/Saale im Visier.

Die Tiere müssen draußen bewegt werden

Sie wurden abgesagt genauso wie acht weitere deutsche Renntage. „Damit setzen wir die von den Behörden getroffenen Entscheidungen über die Regelungen des täglichen Lebens auch in unserem Sport konsequent um“, teilte der Dachverband mit.

Anderswo ist es nicht anders. Nach Frankreich hat Großbritannien alles abgesagt, Belgien und Italien ebenfalls. Die renommierten Veranstaltungen in Dubai, wo es am 28. März mit 32 Millionen Euro um die höchste Prämie an einem Tag weltweit geht, in Hongkong, Japan und den USA finden ohne Besucher statt. Eine Option, die auch für Dresden infrage kommt, falls der deutsche Galopp nach den Osterferien seinen Rennbetrieb wieder aufnehmen darf.

„Wir können das Training nicht auf Null fahren, sondern arbeiten normal weiter“, erklärt Barsig. Sie braucht schließlich bis zu sechs Wochen, um die Pferde in Bestform zu bekommen – für den Fall, dass es irgendwann doch losgeht mit Rennen. „Die Pferde müssen bewegt und versorgt werden. Sie gehen in die Führanlage und auf die Koppel – gerade jetzt, da nicht mehr Winter, sondern Frühjahr ist.“

Füttern und Trainieren kostet nur Geld

Besitzer und auch Trainer wie Barsig benötigen die Rennen als Einnahmequelle. Aus den Prämien für Erfolge und Plätze ergibt sich ihr Gewinn. Für sie bleiben zehn Prozent vom Preisgeld. „Füttern und Trainieren kostet bloß Geld“, sagte sie- Noch sei der Schaden nicht so groß. Dennoch denkt Barsig auch an Hilfen vom Staat.

Die einschneidenden Maßnahmen findet sie gut. Die Gesundheit der Menschen stehe im Vordergrund und dadurch besonders die Konzentration auf Kliniken und Pflegeheime. Barsig spricht sich für ein konsequentes Durchsetzen der Regeln aus. „Es dürfen keine Ausnahmen existieren.“

Wenn die Saison in Deutschland, die ursprünglich vor gut einer Woche anfangen sollte, dannoch beginnt, kann Barsig auch mit Rennen ohne Besucher leben. „Für eine Übergangsphase ist das eine Option, obwohl unser Sport eigentlich von den Fans lebt. Er ist normalerweise kein Sport, der heimlich stattfindet“, meint Barsig.

Was ist schon normal in diesen Zeiten?

„Kein Zutritt“, steht auf einem Aufsteller vor der Wettannahme auf der Galopprennbahn. „Die Gesundheit der Menschen ist das Wichtigste“, betont Uwe Tschirch. Der Geschäftsführer vom Dresdener Rennverein (DRV) findet die Absagen richtig, und die Mitgliederversammlung des Vereins wurde vom vergangenen Freitag auf Ende April verschoben. „Wir müssen das erst mal alles überstehen, bevor wir an andere Dinge denken“, sagt Tschirch.

Der Aufgalopp auf der Rennbahn in Dresden-Seidnitz ist für den 11. Mai geplant.
Der Aufgalopp auf der Rennbahn in Dresden-Seidnitz ist für den 11. Mai geplant. © Matthias Rietschel

Für den 11. Mai ist der Aufgalopp in Seidnitz geplant, es soll ein Sportrenntag mit den sechs großen Dresdner Klubs als Namensgeber werden. Doch bei einer Veranstaltung ohne Gäste wäre der Werbeeffekt verpufft, es würde sich schlichtweg nicht lohnen. Zumal sich für den DRV weitere Baustellen ergeben, und das im wahrsten Sinn des Wortes. „Es drohen Lieferengpässe bei der Galopplounge“, sagt Tschirch angesichts ausländischer Zulieferer von Elektrogeräten und Fliesen, unter anderem aus Italien. Auch fremdländische Angestellte, etwa aus Tschechien, fallen aus.

Bis zum 18. April istl der Rennbetrieb in Deutschland ausgesetzt, die Branche will für die Zeit danach ein modifiziertes, verdichtetes Programm entwickeln – mit Renntagen ohne Zuschauer und mit Minimalpräsenz der am Rennsport Beteiligten.

In der Branche gibt es etwa 3.000 Vollzeitangestellte

Die Krise und ihre Konsequenzen stellen besonders die etwa 3.000 Vollzeitangestellten – das sind Jockeys, Trainer, Stallpersonal, Rennbahnbeschäftigte und Dienstleister – vor enorme Herausforderungen. „Es ist schon jetzt absehbar, dass wir – wie auch andere betroffene Branchen – dringend staatliche Unterstützung benötigen, um die negativen Folgen dieser Pandemie beherrschbar zu machen“, erklärt Verbandspräsident Michael Vesper.

Er spricht von Kurzarbeitergeld und Zuschüssen zur Sicherung von Existenzen. Falls Rennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sollen sie eventuell in einem kostenlosen Live-Stream übertragen werden. Es wäre das nächste Novum.

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Von den Absagen betroffen war auch der Tag der Rennställe am 14. März, unter anderem in Dresden auch der von Stefan Richter. "Der Schutz der Besucher und Mitarbeiter steht an oberster Stelle", hat Managerin Heike Frohburg die Absage begründet und ergänzt: "Man darf in der derzeitigen Situation einfach kein unnötiges Risiko eingehen. Wir holen die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nach."