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Wenn Pferde mitten in Europa an Grenzen stoßen

Der Dresdener Rennverein veranstaltet am Samstag seinen Saisonhöhepunkt. Dass Besucher nicht kommen dürfen, ist längst klar. Doch auch die besten Tiere fehlen.

Am Samstag findet der dritte Renntag in Dresden wieder ohne Besucher statt.
Am Samstag findet der dritte Renntag in Dresden wieder ohne Besucher statt. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Heimspiele in Dresden sind schön und gut, auch diesen Samstag wieder. Noch besser findet es Claudia Barsig aber auf den Galopprennbahnen in Frankreich. Am liebsten sattelt die Dresdnerin, die Besitzerin und gleichzeitig Trainerin ist, ihre Pferde für die Rennen im gut 1.200 Kilometer entfernten Cagnes-sur-Mer. Ein langer, aber lohnender Weg. Im Januar gab es dort zwei Siege für sie. Dann kam Corona.

Erst im Mai ging es auch im Galoppsport wieder los – allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Renntage in Frankreich zum Beispiel waren für deutsche Tiere tabu, andersherum genauso. „Auf zwei, drei Fahrten mit je zwei Tieren musste ich dadurch sicherlich verzichten“, sagt Barsig. Das sei schon ärgerlich gewesen, denn „in Frankreich gibt es deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten“.

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Die Prämien dort sind deutlich höher und vor allem auch ein fester Bestandteil ihrer Gesamtkalkulation mit den monatlichen Kosten wie den Trainingsgebühren. Statt den 3.000 bis 4.000 Euro, um die es hierzulande bei Basis-Prüfungen geht, gibt es in Frankreich das Drei- bis Fünffache zu verdienen. 

„Wenn ich so eine Reise mit Zwischenstopp auf mich nehme, muss sie sich lohnen. Das bedeutet ja auch höhere Kosten und mehr Stress“, sagt Barsig, wohlwissend, dass es keine Erfolgsgarantie gibt. „Ich fahre schon mal mit leeren Händen heim. Dann heißt es: Mund abwischen und weitermachen.“ Die ersten Rennen für ihren Neustart in Frankreich hat sie schon im Blick. Denn am Montag öffnen sich im Galoppsport wieder die Grenzen.

Ausländer bleiben draußen und Deutsche unter sich

Davor steht am Samstag das nächste Heimspiel im Kalender, bei dem Barsig fünf Pferde sattelt. Es ist bereits der dritte Renntag in Dresden ohne Besucher und zugleich der sportlich Hochwertigste mit den sogenannten Gruppe-Rennen, vergleichbar mit der Champions League in anderen Sportarten. Für die Züchter sind sie von besonderer Bedeutung, denn es gibt den begehrten Eintrag in den Leistungskatalog des Pferdes zu verdienen, der den Verkaufswert erheblich steigert.

Der Große Preis der Landeshauptstadt Dresden gehört zu diesen bedeutenden Wettbewerben. Er ist trotz der coronazeit-bedingten halbierten Prämie noch immer mit stolzen 27.500 Euro dotiert. Davon bekommt der Gewinner 16.000 Euro. Im Vorjahr siegte der Franzose Brian Ryan, und auch diesmal hatten Teilnehmer aus Frankreich sowie England gemeldet. „Sie flogen automatisch raus“, sagt Michael Becker, Präsident des Dresdener Rennvereins. Entschieden wurde das in Köln beim Dachverband Deutscher Galopp, der über die Startlisten auf einheimischen Anlagen verfügt.

„Ich finde es sehr ärgerlich, dass Engländer und Franzosen immer noch nicht bei uns starten dürfen. Ich kann diesen irrwitzigen, rigorosen Beschluss des Dachverbandes nicht nachvollziehen“, sagt Becker. Wie du mir, so ich dir – das Prinzip mag kindisch sein, ist aber der Grund. Keine deutschen Pferde in England und Frankreich, also auch keine englischen und französischen in Deutschland.

„Alle wollen volle Boxen und offene Rennen“

Zumindest aus anderen Nationen dürfen Pferde kommen. Am 30. Mai starteten jeweils vier Niederländer und Tschechen in Dresden. Und diesen Samstag zählen acht Tschechen zu den 106 Startern in elf Prüfungen von 13 bis 18 Uhr, die der Rennverein per Livestream im Internet überträgt.

„Ich bin froh, dass Ausländer bei uns gastieren dürfen, auch wenn das noch nicht für alle gilt“, sagt Becker, und er betont: „Sie sind das Salz in der Suppe für die Zocker, füllen die Felder auf, machen das Setzen deutlich spannender und sorgen für gute Quoten. Keiner möchte Prüfungen mit zwei Pferden wie in Baden-Baden. Alle wollen volle Boxen und offene Rennen.“

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Dafür steigen von Montag an nun auch in Deutschland wieder die Chancen. Der Dachverband hebt die bisherigen Restriktionen für Engländer, Franzosen und Iren auf, macht die Boxen frei für Starter aller Nationen und öffnet uneingeschränkt den Rennbetrieb für Ausländer. Er reagiert damit auf die deutsche Teilnahme-Möglichkeit in England, Frankreich und Irland. Die Galopper kehren mehr und mehr zur Normalität zurück. Auch Barsig und Becker atmen auf.

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