merken
PLUS Sport

Wie ein ZDF-Klassiker den Galoppern hilft

Zocken gehört bei Pferderennen zum guten Ton. Die Aktion „Wetten, dass“ unterstützt dieses Geschäft und somit auch Klubs wie den Dresdener Rennverein.

Die Totoschalter auf der Dresdner Galopprennbahn bleiben geschlossen.
Die Totoschalter auf der Dresdner Galopprennbahn bleiben geschlossen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Die Wettannahme an der Dresdner Galoppanlage ist abgesperrt, aber geöffnet, und das mit dem Gesundheitsamt so abgesprochen. Die Ordner dürfen höchstens 30 Leute durch den separaten Eingang lassen. Es gilt Anmeldepflicht beim Kassenpersonal. Das sitzt hinter Plexiglasscheiben und notiert Vor- und Nachnamen – für eine mögliche Infektionskette. Die Zocker achten auf anderthalb Meter Abstand. Auf den Flachbildschirmen laufen Prüfungen auf Bahnen in Frankreich, Großbritannien, Schweden, Spanien und den USA, draußen die Rennen auf dem Seidnitzer Areal – zum dritten Mal unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ohne Corona würden drinnen 100 und am Geläuf bis zu 15.000 Menschen dabei sein. In der Wettannahme möchte generell keiner reden, und der Betreiber will speziell am Renntag nicht, dass man mit den Leuten spricht, weil das den Auflagen widersprechen könnte. Vorsicht ist besser, erst recht in diesen Zeiten.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Vom Wetten hält die Pandemie die Fans jedoch nicht ab. Das kommt bei jeder Veranstaltung einem Klub zugute, denn seit dem Neustart am 7. Mai gilt: Bundesweit richtet an einem Tag ausschließlich ein Verein Wettbewerbe aus. Am Samstag wird das Geld auf die Rennen in Dresden gesetzt. Uwe Tschirch kennt sich von Berufs wegen damit aus und redet auch drüber. Er führt die Geschäfte beim Dresdener Rennverein (DRV). Der 65-Jährige wettet geringe Beträge in ausgewählten Rennen. „Ich habe mal viel Geld verloren und daraus gelernt“, sagt er. „Es waren zwar keine 1.000 Mark, aber als Student tat das schon weh.“ Der Heidenauer setzt pro Wettbewerb fünf Euro – zwei auf Sieg und drei auf Platz. „Da habe ich auch schon mal 300 Euro gewonnen. Das reicht für eine Weile.“ Er kennt Zocker, die zwar wie er Prüfungen aussuchen, aber 200 oder 500 Euro setzen und mal 5.000 Euro verlieren oder 10.000 Euro gewinnen. Sie sorgen bisher für Rekordumsätze. Dadurch kann auch der DRV seine Veranstaltungen derzeit trotz ausbleibender Zuschauereinnahmen weitgehend finanzieren, denn etwa 20 Prozent der Wettumsätze fließen an ihn zurück. Dafür gibt es zwei Gründe. Sie werden ausschließlich im Internet erzielt. Die Online-Anbieter vermitteln alle Wetten weiter und verzichten dabei auf ihre Provisionen. Diese Absprache endet am Montag. Außerdem gibt es eine beispiellose Aktion dreier Pferdebesitzer.

Diesmal kommt sogar so etwas wie Stimmung auf. Bis zu vier Mitglieder einer Besitzergemeinschaft dürfen die Rennen mit ihren Pferden live verfolgen.
Diesmal kommt sogar so etwas wie Stimmung auf. Bis zu vier Mitglieder einer Besitzergemeinschaft dürfen die Rennen mit ihren Pferden live verfolgen. © Matthias Rietschel

Weiterführende Artikel

Stimme der Rennbahn immer auf Sendung

Stimme der Rennbahn immer auf Sendung

Gunther Barth kommentiert die Dresdner Galopprennen – derzeit vor allem für den Livestream. Ein Report vor Ort.

Die Prämien steigen, die Einnahmen sinken

Die Prämien steigen, die Einnahmen sinken

Der Dresdner Galoppklub erhöht das Preisgeld in kleineren Rennen und erwartet deutlich weniger Wettumsatz, weil er bei einer neuen Aktion durchs Raster fällt.

Wenn Pferde mitten in Europa an Grenzen stoßen

Wenn Pferde mitten in Europa an Grenzen stoßen

Der Dresdener Rennverein veranstaltet am Samstag seinen Saisonhöhepunkt. Dass Besucher nicht kommen dürfen, ist längst klar. Doch auch die besten Tiere fehlen.

Der stille Genießer vermisst das Knarzen

Der stille Genießer vermisst das Knarzen

Michael Sowa ist seit 1947 Stammgast auf der Dresdner Galopprennbahn und jetzt erstmals mit einem Atemschutz dabei. Was ihm beim Geisterrennen fehlt – ein Report.

Unter dem Motto „Wetten, dass …?“ gelang es ihnen, angelehnt an die Saalwette der gleichnamigen ehemaligen ZDF-Spielshow, bis zum ersten Renntag nach der achtwöchigen Zwangspause 100 Tipper und Wettgemeinschaften zu finden, die sich verpflichten, in jedem Rennen bis Montag 50 Euro auf Sieg zu setzen. Am Ende waren es 118. Am Sonnabend meldete der DRV in elf Rennen fast 330.000 Euro, davon allein 64.900 Euro durch die Aktion. Gut 65.000 Euro flossen an den Verein zurück. „Es trägt dazu bei, dass wir nicht aus finanziellen Gründen ins Hinken geraten“, sagt DRV-Boss Michael Becker, der privat und im Team Dresden bei der Aktion mitmacht. „Das Wettvolumen ist exorbitant hoch. Es lässt sich sicherlich nicht ewig fortsetzen.“ Seine Kalkulation: Bei etwa 200.000 Euro Umsatz kann der DRV die Geisterrennen finanziell absichern. Derzeit liegt er über dieser Grenze und kann mit den Veranstaltungen sogar Rücklagen bilden, weil ein kleiner Überschuss bleibt. Den benötigt der Verein, denn am Samstag richtete er die letzte Veranstaltung unter diesen Rahmenbedingungen aus.

Mehr zum Thema Sport