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Meißen

Scheitert der Straßenbau am Gammelhaus?

Die Görnische Gasse soll erneuert werden – dem stehen Hindernisse entgegen.

Ewiges Ärgernis – weil die bayerische Eigentümerin das denkmalgeschützte Wohnhaus Görnische Gasse 32 (rechts im Bild) weiter verfallen lässt, könnte auch der geplante Ausbau der Straße verhindert werden.
Ewiges Ärgernis – weil die bayerische Eigentümerin das denkmalgeschützte Wohnhaus Görnische Gasse 32 (rechts im Bild) weiter verfallen lässt, könnte auch der geplante Ausbau der Straße verhindert werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Am 29. Januar will der Stadtrat beschließen, wie die Beleuchtung, die Straße und die Möblierung der Görnischen Gasse zwischen Hundewinkel und Steinberg aussehen soll. „Veranlassung für den grundhaften Straßenausbau ist der Erneuerungsbedarf der Ver- und Entsorgungsleitungen, welcher durch die Meißener Stadtwerke GmbH angemeldet wurde“, heißt es seitens der Stadtverwaltung als Begründung.

Konkret wollen die Stadtwerke die Gas- und Trinkwasserleitung auswechseln, Kabel neue verlegen und die öffentliche Beleuchtung erneuern. Außerdem sollen die Mischwasserhausanschlüsse neu verlegt werden. „Der vorhandene Mischwassersammler ist auf Grundlage der Auswertung der Kamera-Befahrung ebenfalls zu erneuern. Jedoch besteht hier die Möglichkeit einer Sanierung mittels Inlinerverfahren, welches nach dem Straßenausbau durchgeführt werden kann.“ Dabei wird ein dehnfähiger Polyester-Faser-Schlauch, der mit Epoxidharz getränkt ist, in das vorhandene Rohr eingeführt und dieses damit wieder voll funktionsfähig gemacht.

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Zwischen Schlossergasse und Jüdenbergstraße sollen Fahrradbügel, Sitzblöcke und kombinierte Pflanzkübel-Sitzblock-Elemente aufgestellt werden. „Die Gestaltung der Sitzblöcke orientiert sich an den bereits installierten Sitzblöcken der Neugasse. Der Straßenraum der Görnischen Gasse soll punktuell begrünt werden. Hierbei geht es um Fassadenbegrünungen, die mit den Grundstückseigentümern weitestgehend abgestimmt sind.“

Die als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesene Görnische Gasse soll „für den Anlieger- und Erschließungsverkehr geeignete Fahrbahnverhältnisse schaffen“ und zudem auch für Fußgänger und mobilitätseingeschränkte Personen „erheblich besser als im Bestand nutzbar sein“. Das ist Anlieger Walter Hannot von der Görnischen Gasse 33 zu wenig. „Ich möchte, dass die Straße behindertengerecht wird.“ Er möchte auch nicht, dass sie, wie vorgesehen, verbreitert, sondern die Fahrbahn eher verengt wird: „Die Leute kacheln ja jetzt schon durch.“ 

Außerdem findet er, dass das Projekt noch warten kann, weil es ja Eigenmittel der Stadt bindet, die gerade dringender benötigt werden, etwa für die Schulbauten. „Ich bin nicht generell gegen den Ausbau der Görnischen Gasse, aber mit Sinn und Verstand, was bei der vorliegenden Planung nicht gegeben ist.“ Andere Anwohner, so etwa Christina König, die in der Görnischen Gasse 31 eine Produzentengalerie führt, wäre am Ausbau der Straße gelegen, weil sie als Teil des Porzellanweges von Gästen der Stadt benutzt wird.

Der geplante Ausbau der Straße – 14 Monate sind dafür eingeplant – soll aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ mit 80 Prozent gefördert werden. Im III. und IV. Quartal 2020 – also mitten im Winter – soll es dann mit den Tiefbauarbeiten losgehen.

Allerdings gibt es eine Unwägbarkeit. Das Haus Görnische Gasse 32, genau zwischen dem von Walter Hannot und Christina König, verfällt. So sehr, dass die Stadt eine sogenannte Ersatzvornahme eingeleitet hat, also in das Gebäude eingedrungen ist und das Dach abgedichtet sowie eine Schwammbekämpfung vorgenommen hat, weil die Eigentümerin dies nicht getan hat. Sollten schwere Baumaschinen am Haus arbeiten, droht der derzeit schon mit Gurten gesicherte Erker des denkmalgeschützten Gebäudes abzustürzen.

Auch auf mehrfache Nachfrage, ob die Eigentümerin der Görnischen Gasse 32 die Rechnung für die Arbeiten beglichen hat, verweigerte die Stadtverwaltung die Antwort. Auch, ob der Zustand des Hauses die Straßenbauarbeiten verhindern könnte, wurde nicht beantwortet. Als Begründung gab die Pressestelle an: „Um unserer Verpflichtung zur Einhaltung des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nachzukommen, können wir zu diesem Thema keine Auskünfte geben.“