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Gans schön klein

Auf dem Hof von Bernd Lehmann schlüpfen mitten im Winter kleine Gänse. Die Tiere sind wohl auf. Und allein – noch.

Von Katarina Lange

Diese tierische Geschichte muss Bernd Lehmann nun allein ausbrüten. Der Rückersdorfer ist seit letzter Woche stolzer „Papa“ von kleinen Gänsen. Am Donnerstag sind die gelben Wollknäuel aus ihrem Ei geschlüpft. Und damit zu einer außergewöhnlich ungünstigen Zeit. Mitten im kalten Winter kommen die Gänse auf die Welt. In der freien Natur hätten sie wohl kaum eine Überlebenschance. Bei Bernd Lehmann schon. Ganz unschuldig ist er an dem seltenen Zuchterfolg dabei nicht.

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Es funkt zwischen Gans und Ganter

„Ich habe mir das selbst eingebrockt“, gibt der Senior zu. Seine Gans hat Anfang September einen neuen Ganter an ihre Seite bekommen. Der Vorgänger war schon etwas älter. Für die Zucht kam er deshalb nicht mehr infrage und musste ausgetauscht werden. Der neue Ganter lebte sich schnell ein – und verstand sich prima mit seiner neuen „Frau“. „Zwischen dem neuen Liebesglück muss es gleich gefunkt haben“, erzählt Bernd Lehmann. Die traute Zweisamkeit wollte er ausnutzen und gleich ausprobieren, ob der Ganter die Gänseeier auch befruchten kann. Mit Erfolg, wie man wenig später feststellen konnte.

Die Gans legte in einem Zwei-Tage-Rhythmus insgesamt acht Eier. Bernd Lehmann legte sie vorsichtig in einen Brutkasten. Nach gut einer Woche konnte der Rückersdorfer überprüfen, ob die Eier auch befruchtet wurden. Er hielt die Schale vor eine spezielle Lampe. Im Gegenlicht konnte er kleine Punkte erkennen – die Gänseembryonen. Sechs Eier waren damit erfolgreich befruchtet, zwei leider nicht.

Insgesamt einen Monat lang blieben die Eier anschließend im warmen Brutkasten liegen. Die ungeborenen Gänse konnten sich hier weiterentwickeln. Letzte Woche war es dann endlich so weit. In den Eiern tat sich plötzlich etwas. Vier Kücken klopften die Schale von innen auf und schlüpften. Die zwei anderen schafften es leider nicht. „So ist eben die Natur“, sagt Bernd Lehmann. Nur die kräftigsten Tiere überleben. Auch von den vier übrigen Kücken überlebten nicht alle die kommenden Tage. Zwei Tiere hatten eine kleine Wunde am Bauch, die sich trotz Behandlung entzündete. Sie schafften es nicht.

Zwei ihrer Geschwisterchen sind allerdings bis heute wohl auf und gedeihen prächtig. Bernd Lehmann umsorgt die Kücken liebevoll. In einer Kiste im Heizungsraum sind sie im Moment untergebracht. Darüber steht eine Infrarotlampe, die den kleinen Gänsen genügend Wärme bietet. Sie fressen jeden Tag mehr. Im Moment schmecken ihnen Haferflocken. Aber auch Grünzeug konnte Bernd Lehmann für den Gänsenachwuchs organisieren. Im Gewächshaus seines Nachbarn wächst Vogelmiere und Brennnesseln. Die Pflänzchen darf der Rückersdorfer pflücken. Den Gänsen schmeckt das hervorragend. „Am Mittwoch haben wir ihnen zum ersten Mal Eisbergsalat gegeben“, erzählt Lehmann stolz. Auch das sei ganz nach dem Geschmack der Jungtiere gewesen. Inzwischen dürfen die Gänse auch ihre Umgebung entdecken. Der Rentner verschafft ihnen regelmäßig Auslauf. „Sie rennen mir im Heizungsraum schon wie selbstverständlich hinterher“, sagt der Gänse-Papa. Bernd Lehmann hofft, dass die Kücken die kommenden Wochen gut überstehen. Für frisches Grünfutter ist zumindest gesorgt.

Tierische Bescherung erwartet

Fertig ist das tierische Experiment mit dieser Geschichte aber noch lange nicht. Denn Familie Lehmann steht schon der nächste Nachwuchs ins Haus. Die Muttergans hat erneut Eier gelegt. Insgesamt fünf Stück sind es dieses Mal. Ob auch sie vom neuen Ganter befruchtet wurden, weiß Bernd Lehmann dieses Mal allerdings noch nicht. Denn die Gans gibt ihre Eier nicht mehr her. „Ich wollte sie ihr abluchsen und in den Brutkasten legen. Da hat sie kräftig nach mir gehackt“, verrät er. Die Gans muss den potenziellen Nachwuchs nun selbst ausbrüten. Und das tut sie auch. Fast den ganzen Tag sitzt sie auf ihren Eiern, lässt sie kaum aus den Augen.

Bernd Lehmann und seine Frau warten nun gespannt darauf, ob es in diesem Winter noch einmal Gänsenachwuchs gibt. Sie haben bereits ausgerechnet, wann die Kücken im etwa schlüpfen könnten – und waren umso überraschter. „Wir könnten genau am 24. Dezember die Bescherung haben“, sagt Bernd Lehmann und lacht.