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Ganz großes Theater

Die Suhrkamp-Chefin gewinnt einen Punkt im Kampf um den Verlag. Gerettet ist er noch nicht.

© picture alliance / dpa

Von Karin Großmann

Eine Frau auf der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. So beschreibt Martin Walser in seinem Roman „Tod eines Kritikers“ die Verlegerin. Im wirklichen Leben soll er der Trauzeuge gewesen sein von Ulla Schmidt, die sich von ihrer Großmutter den Künstlernamen Berkéwicz borgte. Unter diesem Namen spielte sie die Hauptrolle im Historienfilm „Geburt der Hexe“. Vorher stand sie als Schauspielerin auf der Bühne. Eine Neigung zum Dramatischen lässt sich ihr bis heute nicht absprechen.

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Bei Suhrkamp brachte sie ihre erste Erzählung heraus, und stolz präsentierte der Verleger seine Entdeckung. 1990 heirateten Ulla Berkéwicz und Siegfried Unseld, am 28. August, zu Goethes Geburtstag. Ein Literatenhaushalt überlässt ein solches Fest nicht dem Zufall.

Seit dem Tod des Verlegers 2002 bestellt die Chefin das Haus allein. Mitarbeiter gingen, Autoren gingen, und der Kritiker Marcel Reich-Ranicki wetterte: „eine böse Frau!“ Doch das ist alles nichts im Vergleich zu jenem Streit, der seit sieben Jahren viele Anwälte beschäftigt und die Beteiligten beschädigt.

Ulla Unseld-Berkéwicz hält über ihre Familienstiftung 61 Prozent der Anteile am Verlag. Miteigentümer Hans Barlach hält 39 Prozent. Er überzieht die Verlegerin mit Vorwürfen, Klagen und Verdächtigungen, und längst hat wohl jeder Beobachter den Überblick verloren, welches Verfahren gerade wo läuft.

Gestern errang die 65-jährige Suhrkamp-Chefin am Oberlandesgericht Frankfurt am Main einen Etappensieg. Sie hatte bei der Gesellschafterversammlung im Oktober über einen Insolvenzplan abstimmen lassen. Das wollte Hans Barlach nachträglich verbieten lassen. Denn dieser Plan sieht vor, den Verlag in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln; weitreichende Mitspracherechte würde Barlach dadurch verlieren. Gestern zog der Hamburger Medienunternehmer seine Klage zurück. Gerettet ist der Verlag noch lange nicht. Dabei spricht das Programm des Hauses für sich.

Suhrkamp verwaltet nicht nur alte Kronjuwelen der deutschsprachigen Literatur. Auf jeder Buchpreisliste stehen immer auch neue Titel von Suhrkamp-Autoren. Doch je länger sich der Streit hinzieht, desto knapper werden die Mittel. Schließlich findet hier kein Kammerspiel statt, sondern ganz großes Theater. Und das kostet.