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Ganz viel Rad im Ortszentrum

Die Fahrrad-Erlebniswelt Velocium steht kurz vor ihrer Eröffnung. Dafür hat sich die Tenne am Kirchplatz verändert.

Endspurt für ein engagiertes Vorhaben. Einen Teil des Erdgeschosses der umgebauten denkmalgeschützten Tenne in Weinböhla nimmt die historische Fahrradwerkstatt mit Fahrradladen ein. Steffen Stiller hat hier gut zu tun und steigt schon mal auf die Leite
Endspurt für ein engagiertes Vorhaben. Einen Teil des Erdgeschosses der umgebauten denkmalgeschützten Tenne in Weinböhla nimmt die historische Fahrradwerkstatt mit Fahrradladen ein. Steffen Stiller hat hier gut zu tun und steigt schon mal auf die Leite © Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

Weinböhla. Der Schriftzug Velocium lockt den Blick von der Rathausstraße auf die gar nicht mehr alt wirkende Tenne. Ein schmuckes Gebäude, das die jüngste Weinböhlaer Sehenswürdigkeit beherbergt: Die Fahrrad-Erlebniswelt Velocium. Sie soll Mitte Oktober eröffnen und macht bereits jetzt nicht nur Radfans neugierig auf das, was sich hier erleben lässt.

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Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Dafür bleibt noch einiges zu tun. So für Steffen Stiller vom Weinböhlaer Radfahrerverein. Aus dem sehr aktiven Verein kam schon früh der Anstoß für eine Ausstellungsmöglichkeit, die Fahrradentwicklung, Gemeindeleben und Tourismus verbindet. Steffen Stiller stellt über einen Leihvertrag mit der Gemeinde private Exponate, so zahlreiche Räder, zur Verfügung. Andere Vereinsmitglieder tun das ebenfalls.

Jetzt ist er dabei, in der Tenne eine historische Fahrradwerkstatt und einen ebensolchen Laden wieder aufleben zu lassen. Die Exponate stammen aus den 1920er- bis 1970er-Jahren. Aus einer Fahrradwerkstatt im Coswiger Spitzgrund, Steffen Stiller kannte sie durch familiäre Kontakte. 2017 konnte er vieles käuflich erwerben, selbst das Holzpflaster und alte Fenster. Amboss und Transmissionen dürfen nicht fehlen.

Der Technik- und Handwerksbegeisterte hat viele Jahre lang Fahrräder, Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände davor bewahrt, im Müll zu landen. Nun versetzen die braune Schubladenkommode und die gleichfarbige Ladentheke den Betrachter flugs in eine andere Zeit. Verbindendes Element: Die Begeisterung fürs Rad, bald überall im Velocium spürbar. Dort warten noch offene Flächen auf Komplettierung. Einige Plakate und Fotos lassen die künftige Wirkung ahnen. Ob Weinböhlaer Radler, sächsische Fahrradproduktion oder Vereinsgeschichte – der Betrachter darf auf vielfältige Informationen gespannt sein.

Auf der Rückseite des Velociums erstreckt sich der Pumptrack – das Asphaltband –, ein Rundkurs für alle Fahrradfreunde, die Geschicklichkeit und Koordination testen wollen.
Auf der Rückseite des Velociums erstreckt sich der Pumptrack – das Asphaltband –, ein Rundkurs für alle Fahrradfreunde, die Geschicklichkeit und Koordination testen wollen. © Arvid Müller

Gleich am Eingang im Erdgeschoss: Die Rezeption in Weiß-Grün. Wände mit hohen Glasscheiben. Davor das Foyer, ein freier Bereich – Platz für Vorträge und temporäre Ausstellungen, erklärt Weinböhlas Bauamtsleiter Christoph Krzikalla. Die Erdgeschossdecke ist offen, eine ansehnliche Holzkonstruktion – wie es sich für eine Tenne gehört. Der Charakter sollte bewahrt werden, bekräftigt der Bauamtschef. Und spricht von einer relativ aufregenden Sache, denn der Dachstuhl blieb innen erhalten, musste provisorisch befestigt werden, als Decke und Stützen zwischen Erd- und Obergeschoss komplett ausgetauscht wurden. 

An den Ursprung des Gebäudes erinnert auch die Giebelwand, grob verputzt und weiß gemalert. Daneben finden sich die sanitären Einrichtungen des Hauses, die Behindertentoilette ist auf dem Hof. Das Kellergewölbe wurde zum Teil erhalten, bis auf das vordere Areal, das wegen der Barrierefreiheit wich. Dort geht es zu Werkstatt und Laden, vorbei am Fahrstuhl, dessen Abnahme demnächst ansteht.

Neben dem Aufzug führt eine Treppe nach oben. Beim Hochsteigen können sich Besucher schon mal fit machen für den Fahrradsimulator. Zwei davon warten im Obergeschoss, dort lassen sich verschiedene Touren durch Weinböhla und Umgebung radeln. Wobei radeln wörtlich genommen wird, Selbst-Treten ist angesagt.

Wem das nicht reicht, der kann sich beim historischen Hochradwürfelspiel schaffen. Oder im Freien, wo sich ein zusätzlicher Blick auf das sanierte Haus lohnt. Vor einem reichlichen Jahr bot die Tenne ein ganz anderes Bild. Anfang Juli 2019 begann der von der Gemeinde beauftragte, rund 1,4 Millionen Euro teure, fördermittelgestützte Umbau. Jetzt leuchten Dach und Fassade, Gauben sind dazugekommen, neue Fenster, eine wiederhergestellte kleine Tür, aufgearbeitete Tore, die neue Fluchttreppe – alles mit dem Denkmalamt abgestimmt.

Zu den Neuerungen zählt nicht zuletzt der Behindertenparkplatz auf der Velocium-Rückseite an der Rathausstraße. Das Auffälligste in diesem Bereich aber ist der sogenannte Pumptrack. Ein spezieller Radrundkurs, der sich mit etwas Übung allein durch Gewichtsverlagerung, ohne Treten der Pedale, bewältigen lässt. Eine Asphaltschlange, die sich kurvig und in sich verschoben durch ein Oval windet. Eine tolle Teststrecke für jeden Interessenten, versichert der Bauamtsleiter. Das Rad kann ausgeliehen werden, wie andere Probierräder auch. Deren Unterkunft neben der Tenne wird noch fertiggestellt. Ebenso die Außenbeleuchtung und der Zaun, an dem gerade die Handwerker zugange sind. Rasen ist ebenfalls noch anzusäen.

Da erwartet wird, dass viele Besucher mit dem Rad kommen, gibt es natürlich Radstellplätze. Der Anschluss für die E-Ladesäule – das Ladekabel müssen die Biker selbst mitbringen – ist schon zu sehen, ebenso das Gestell für den Schlauchautomaten. Wenn die Kinder mal was anderes als radfahren wollen: Wippe und Schaukel stehen bereit. Bauamtschef Krzikalla ist weitgehend zufrieden mit den Velocium-Vorbereitungen. Trotz gewisser Verzögerungen im Bauablauf – mit kleinen Beeinträchtigungen durch Corona und weil Bauleistungen dazukamen, wie der Pumptrack. Nun blickt alles mit großen Erwartungen auf den Start im Oktober. Auch Steffen Stiller, er leitet das Velocium.

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