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Leben und Stil

Jetzt wird endlich gepflanzt

Langsam wird es wärmer. Jetzt können die Obstgehölze in die Erde. Auch die Gärtner spüren die Corona-Krise, aber anders als erwartet.

Katrin Keiner in ihrem Garten in Dresden: Damit ihre Sauerkirsche anwächst, muss sie intensiv gegossen werden.
Katrin Keiner in ihrem Garten in Dresden: Damit ihre Sauerkirsche anwächst, muss sie intensiv gegossen werden. © Jürgen Lösel

Der Frost ist in der Nacht noch einmal zurückgekehrt. Ein eisiger Ostwind zerrt an den Blaukissen in Katrin Keiners Garten am Dresdner Stadtrand. Ungerührt strecken sie ihre Blüten gen Himmel als wäre es nichts. Die Gartenfachberaterin zieht ihre Mütze tiefer über die Ohren. „Heute geht es los. Heute wird gepflanzt“, sagt sie. Ist es dafür nicht zu kalt? „I wo, Bäume können das ab“, wischt Keiner den Zweifel weg und greift zum Spaten.

Eine Sauerkirsche soll in die Erde, Sorte Safir, Pillnitzer Züchtung, selbstfruchtend. Früher hieß es, dass Bäume im Herbst gepflanzt werden sollten, damit die Wurzeln schon vor der Blüte Zeit haben, sich auszubreiten. „Bei den Wetterkapriolen ist man besser beraten, wenn man sie im Frühling setzt“, sagt Keiner. Herbst und Winter sind oft so trocken, dass die Bäume verdorren, werden sie nicht regelmäßig gewässert. „Obstgehölze pflanzt man am besten jetzt“, sagt auch Iris Lerche, Gärtnerin bei der Baumschule Kreiser in Kreischa. „Von Ende März bis Mitte April ist die beste Zeit dafür.“

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Katrin Keiner hat ihre Sauerkirsche in einer Baumschule bestellt, schon vor Corona. Das geht auch jetzt noch, denn Gärtnereien, selbst produzierende Gartenmärkte, Baumschulen und Hofläden sind trotz der Ausgangsbeschränkungen geöffnet. Inzwischen sind auch die Wochenmärkte für Lebensmittelverkäufer und Gartenbaubetriebe wieder offen. „Wir sind froh, dass die Schließung zurückgenommen wurde“, sagt Katrin Schiel von der Marktgilde in Dresden. An den 24 Standorten, die sie in Sachsen betreut, können Hobbygärtner und Balkonbegrüner nun wieder Gemüse- und Blumenpflänzchen, Sträucher oder Bäumchen kaufen.

Zum Beispiel bei Jens Starke, der in Frankenau bei Mittweida einen Gartenbaubetrieb hat. „Die Leute wollen raus an die Luft und in die Gärten. Jetzt haben sie Zeit dafür, und in der Wohnung fällt ihnen die Decke auf den Kopf“, sagt er. Er spürt die Corona-Krise in seinem Betrieb deutlich, aber anders, als man erwarten würde: Es kommen mehr Kunden, vor allem jüngere. „Sie holen sich Pflanzen und Gemüse beim Gärtner, weil sie hier bedient werden. Viele finden das hygienischer als im Supermarkt“, sagt er. Starke hat jetzt einen Lieferservice eingerichtet, um den Baumärkten mit ihren Versandangeboten ein wenig zu trotzen. Darauf setzt auch Kreiser in Kreischa, obwohl es mehr Kunden als sonst in die Baumschule zieht. „Sie verteilen sich aber, das Gelände ist groß. Und wir halten die Mindestabstandsangaben ein“, sagt Iris Lerche.

Wolkenfetzen eilen über den Himmel von Keiners Garten. Gelegentlich fällt etwas Schnee. Die Kirsche soll links neben dem Weg zur Laube stehen, gegenüber zittern die Ästchen eines frisch gepflanzten Klarapfels im Wind. Katrin Keiner stützt sich auf den Spaten. „Wir haben hier einen fetten Lehmboden. Aber auch der braucht Kompost, sonst wird das nichts“, sagt sie. Egal, ob Lehm oder Sand: Soll der Baum gut anwachsen, gehört in die Pflanzgrube ein humushaltiges, durchlässiges Substrat.

Mit diesen drei Tipps wächst das Bäumchen gut an:

„Steinobstsorten wie Kirsche, Pfirsich, Pflaumen oder Nektarinen kommen mit sandigem Boden klar“, sagt Iris Lerche. Kernobst wie Apfel oder Birne brauchen mehr Nährstoffe. Die kann ein Lehmboden ihnen bieten. Katrin Keiner wird in ihre Parzelle noch einen Boskop und eine Bonne Louise setzen. Kleingärtner wie sie müssen bei der Wahl der Obstbäume aufpassen. Denn in den Sparten dürfen keine großen Bäume gepflanzt werden, „maximal Halbstämme“, sagt Keiner.

Wie groß ein Baum wird, hängt von seiner Unterlage ab. Dieser untere Teil des Baumes – also die Wurzel und ein Teil des Stammes – besteht aus einer anderen Baumsorte, auf die die eigentliche Sorte aufveredelt wird. Sie kann schwach, mittelstark oder stark wachsen. Entsprechend groß werden die Bäume: Schwachwachsende heißen auch Viertelstämme. Ihre Krone setzt ungefähr in einer Höhe von 80 Zentimetern an. Der Baum wird drei bis vier Meter hoch. Mittelstarke Sorten sind Halbstämme, deren Kronenansatz bei etwa 1,40 Meter beginnt. Sie werden ungefähr fünf Meter hoch und eignen sich für Hausgärten oder Streuobstwiesen. Starkwachsende Sorten, sogenannte Hochstämme, wachsen sechs bis acht Meter in die Höhe. Was was ist, lässt sich am Etikett nicht erkennen, aber am Preis. Denn je größer ein Baum wird, desto teurer ist er auch. Viertelstämme kosten im Fachhandel ab 20 Euro, Hochstämme ab 80 Euro. „Die meisten Bäume, die wir verkaufen, sind Viertelstämme“, sagt Iris Lerche. Diese schwachwachsenden Sorten lassen sich am besten schneiden, pflegen und abernten.

Darauf muss Katrin Keiner mit ihrer Sauerkirsche noch eine ganze Weile warten. Wächst ihr Bäumchen gut an, wird es in zwei bis drei Jahren den ersten Ertrag bringen. „Am besten schmecken die Kirschen eingelegt in Rum und Kandiszucker“, sagt sie und hängt ein gepunktetes Plastikei an einen Zweig.

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