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Gartenlok fährt erstmals im Schützenhaus

Das Modelleisenbahnland belebt für einige Tage das leer stehende Gebäude. Mit den Einnahmen will der Verein den bisherigen Standort wieder aufbauen.

© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Für die Dampflok interessiert sich Leonie gar nicht so sehr. Lieber bastelt die Zwölfjährige an den Modellhäusern. Um abzuschalten, wie sie sagt. An einer Gaststätte hat die Schülerin schon die Schornsteine, Lampen und den Zaun vom Biergarten angeklebt. Die Figuren sitzen auch wieder an den Tischen, die Kellnerin bringt das Weizen, das Orchester spielt. Jetzt muss die Oderwitzerin noch das überschüssige Moos wegsaugen. Danach kann das Haus zur Gartenbahn der Spur 1 gestellt werden.

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Die Anlage haben Schüler und Mitglieder vom Modelleisenbahnland-Verein erstmals im Schützenhaus Niederoderwitz aufgebaut. Diese können Besucher normalerweise auf dem Grundstück des Vorsitzenden Holger Gottschlich in der Kirchstraße besichtigen. Doch das Juni-Hochwasser 2013 hinterließ dort einen großen Schaden. „Nur das rollende Material konnten wir retten“, sagt er. Gebäude und Schienen standen in der fast ein Meter hohen Brühe. Der kurzzeitige Hagel zerschlug zusätzlich Dächer, Bänke und Figuren. Der Schaden: um die 10 000 Euro. Bis vor einer Woche lagerten die Teile im Anbau des Vereins. Für die Ausstellung haben sie die Modellbahner wieder aufbereitet, wenn auch nur provisorisch. Auf über 100 Quadratmetern ist die Anlage im Schützenhaus dieses und nächstes Wochenende zu besichtigen.

Eine weitere Attraktion ist die digitale Carrera-Rennbahn, an der sich die Besucher probieren können. Daneben präsentieren die Mädchen und Jungen des grenzüberschreitenden Projektes „Schüler bauen eine Modelleisenbahn“ das Ergebnis aus vierjähriger Arbeit. Die HO-Anlage ist inzwischen 32 Meter lang, neun sind noch nicht ganz fertiggestellt. Auf acht Veranstaltungen haben die Kinder diese schon gezeigt, beispielsweise im Böhmischen Museum in Liberec, zuletzt zur Modellbau-Ausstellung in Löbau. Die Leipziger Messe im Oktober ist der nächste Termin, dafür trägt bereits der Veranstalter die Kosten. Der Grund: Die Förderung für das Schülerprojekt läuft Ende dieses Monats aus. Gottschlich will aber mit den Schülern weitermachen und sich künftig auf eine Veranstaltung im Jahr konzentrieren. So treffen sich die Mädchen und Jungen auch weiterhin einmal in der Woche und basteln an den Modulen. Seit vorigem Jahr dabei ist Enrico. Während Leonie die Teile für die Häuser zusammenklebt, schneidet er diese am liebsten aus. „Da muss man richtig knobeln“, sagt der Elfjährige. Und Freunde hat der Zittauer auch schon gefunden. Mit Jakob aus Varnsdorf verteilt er gerade den Schotter auf das Gleis der Gartenbahn-Anlage. Der eine schaufelt ihn darauf, der andere zieht ihn breit. „Anstrengend, aber besser als kleben“, sagt Enrico.

Hinter dem Aufbau im Schützenhaus steckt ein hoher logistischer Aufwand – und das in kurzer Zeit. Das ist Gottschlich klar. Allein 60 Pflanzenkübel zu je 30 Kilo mussten für die Naturlandschaft transportiert werden. Die Technik läuft vollautomatisch. „Wir wollen den Gästen zeigen, wie man es richtig macht“, sagt er. Und für das leibliche Wohl ist auch gesorgt. So dienen die großen Züge als Getränkelieferant für die Besucher.

Die Einnahmen der Ausstellung fließen in den Wiederaufbau des eigentlichen Gartenbahn-Geländes. Dieses ist achtmal so groß wie im Schützenhaus. Schon im Mai sollen die Arbeiten daran beginnen. Andere hätten nach dem Hochwasser vermutlich aufgegeben, sagt Gottschlich. Der 60-Jährige zählt nicht dazu, bezeichnet er sich doch selbst als eisenbahnverrückten Menschen.

Das Modelleisenbahnland hat Sonnabend und Sonntag sowie von Karfreitag bis Ostermontag geöffnet, jeweils von

10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen drei, Kinder zwei Euro.