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Gasthöfe zu Kaffeestuben

Zittau und seine Cafés: Diesem Thema widmet sich die Sächsische Zeitung in den nächsten Tagen. Heute veröffentlichen wir den ersten Teil einer Geschichtsbetrachtung der Kaffeehauskultur der Kreisstadt. Doch auch bestehende Cafés werden noch getestet.

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Von Ingrid Seltmann

Die Kaffeekulturgeschichte der Oberlausitz und damit auch die der Stadt Zittau ist bis zum heutigen Tage „in weiten Teilen ein unbekanntes Feld“ geblieben. Ohne Zweifel hat sie spätestens seit dem Jahre 1700 stattgefunden, aber nur wenige Quellen geben darüber Aufschluss, geschweige denn, sie sind systematisch ausgewertet worden.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte wohl jede Stadt „ihr Café“, auch Zittau. So berichtet darüber auch der bekannte Zittauer Historiker Christian Adolph Pescheck in seinem verfassten „Handbuch der Geschichte Zittaus“, dass hier der Kaffee zwar bekannt war, aber das „Kaffeetrinken“ erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts „allgemein“ geworden sei und sich bis dahin sogar die Frauensleute einander nur gewürztes Bier vorgesetzt und getrunken hätten. Erstmals schriftlich erwähnt wird der Kaffee in Zittau in den „Artikeln“ der Krämer, datierend vom 16. Dezember 1737. Diese waren schließlich der Abschluss von ständigen Streitigkeiten zwischen den Gewürz- und Spitzkrämern, wer denn wohl von ihnen „berechtigt“ sei, solcher Art Waren zu führen. Vom Zittauer Rat wurde letztendlich 1737 geradezu „salomonisch“ entschieden, dass Kaffee, Tee und Schokolade sowie Tabak von den Gewürz- und Spitzkrämern vertrieben werden dürfen. Der Zittauer Rat war sich sehr wohl der Bedeutung und Notwendigkeit des Erlasses bewusst, mit diesen „neuen Waren“ zu handeln, die schließlich auch der Stadt und ihren Handelsherren gute Gewinne versprachen. Der Erlass im Dezember 1737 ist aber auch Beweis dafür, dass man weit vor 1737 den Kaffee schon kannte.

Eine der führenden Gewürz- und Kaffeehandlungen in Zittau war die bekannte „Noacksche Handlung“ am Marktplatz (Markt 4), die Andreas Noacks Witwe Christiane Eusebie führte. Sie hatte am 10. August 1739 sogar mehrere Sorten von Kaffee am Lager, so neben dem „ordinären“ Kaffee, auch Levantekaffee und den feineren „Martinique“. Bereits im Jahre 1739 hatte die Stadt Zittau gut florierende Beziehungen mit Leipzigs Kaffeelieferanten. Nach 1754 bezog man den Kaffee zunehmend durch Hamburger Kommissäre. Im Laufe der Geschichte entwickelten sich auch in und um Zittau um das Jahr 1700 aus den Tavernen und Gasthöfen schließlich die Kaffeestuben. So berichtet Christian Adolph Pescheck, dass sich im vornehmsten Gasthof Zittaus „Zur goldenen Sonne“ (Markt 9) bereits seit 1744 eine Kaffeestube befand. Etwa um 1870 wurde daraus das „Sonnen-Café“, das zum Ende des 19. Jahrhunderts als erste Adresse in der Stadt galt. In den „Goldenen Zwanzigern“ wurde daraus überdies ein „Musik-Café“, denn hier wurden nun täglich die beliebten Künstlerkonzerte durchgeführt. Einer der rührigsten Betreiber war damals Willi Großer. Nach 1970 änderte sich der Charakter dieses ehemaligen Kaffeehauses. Das „Sonnen-Café“ wurde zu einem beliebten Tanzcafé mit Barbetrieb, und die Besucherzahlen sprachen für sich. Bis etwa 1990 wurde es noch unter dem Namen „Sonnen-Café“ als Nachttanzbar weitergeführt. Heute existiert das ehemalige „Sonnen-Café“ nicht mehr, und an die „Goldene Sonne“ erinnert nur noch die Sonne in der prachtvollen Kartusche an der Barockfassade des Gebäudes. (wird fortgesetzt)