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Gasthof Marienmühle wird verkauft

Seit Anfang des Monats ist die beliebte Gaststätte im Seifersdorfer Tal zu. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, entscheidet nun der Wachauer Gemeinderat.

© Thorsten Eckert

Von Alexander Buchmann

Wachau. Ausflügler, die bei dem derzeit herrlichen Herbstwetter im Seifersdorfer Tal unterwegs sind, müssen bis auf Weiteres auf eine Einkehr in der Marienmühle verzichten. Denn dort stehen sie seit dem 1. November vor verschlossenen Türen. Wie der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann gegenüber der SZ bestätigt, hat die Gaststätte seitdem geschlossen. Nun muss die Gemeinde als Eigentümer des Gebäudes eine Lösung suchen.

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Eigentümer sollten nicht blind darauf vertrauen, die Kosten von der WEG erstattet zu bekommen. Das sollten sie wissen.

Überraschend kommt die Schließung nicht. Bereits im September kündigte Veit Künzelmann an, dass das bisherige Betreiber-Ehepaar Ramke aus Altersgründen im Herbst aufhören werde. Diese hatten die Marienmühle, die aufgrund ihrer Lage sowohl für Touristen, Wanderer und Biker als auch für die Einheimischen ein beliebter Anlaufpunkt ist, seit 2005 von der Gemeinde gepachtet und betrieben. Doch damit ist nun Schluss.

Gemeinderat befasst sich mit Ausschreibung

Das gleiche gilt künftig wohl auch für die Gemeinde als Eigentümer der Immobilie. „Wir schreiben das Gebäude zum Verkauf aus“, kündigt der Bürgermeister an. An der entsprechenden Ausschreibung werde bereits gearbeitet und schon in der nächsten Sitzung des Gemeinderats am 14. November sollen die Räte den entsprechenden Text beschließen.

Mit dem Verkauf kann die Gemeinde Wachau gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Da ist zum einen der reine Verkaufserlös, der Geld in die derzeit klamme Kasse der Gemeinde spülen würde. Diese muss in den nächsten Jahren ihren Haushalt sanieren und versuchen, das Loch von knapp vier Millionen Euro zu stopfen, das ausgebliebene Gewerbesteuern gerissen haben. Wie viel das Objekt wert ist, weiß die Gemeinde durch ein Gutachten, das sie bereits im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte. Dabei wurde auch untersucht, wie es um den Zustand des Gebäudes bestellt ist.

Durch einen Verkauf kann Wachau zum anderen Kosten vermeiden, die durch einen Leerstand über einen längeren Zeitraum unweigerlich entstünden. Schließlich müsste die Gemeinde für den Unterhalt des Gebäudes aufkommen bei gleichzeitig ausbleibenden Pachteinnahmen.

Gaststätte soll erhalten bleiben

Der Verkauf an einen neuen Betreiber hätte aber auch für diesen Vorteile. Denn dieser kann dann selbst über Investitionen entscheiden und muss sich dazu nicht mehr mit der Gemeinde absprechen. Außerdem steckt wohl niemand gern Geld in eine Immobilie, die einem nicht gehört. „Wir denken, dass die Gaststätte bei einem Eigentümer anders geführt werden kann“, sagt der Bürgermeister. Man werde aber bei einem Verkauf des Gebäudes auf jeden Fall Wert darauf legen, dass die Marienmühle als Gaststätte weitergeführt werden kann, versichert er.

Das ist für die Gemeinde auch aus touristischen Gesichtspunkten wichtig. Schließlich liegt die Gaststätte direkt an der Großen Röder inmitten des von der früheren Gräfin Tina von Brühl angelegten Landschaftsgartens und ist damit hervorragend dafür geeignet, Besucher anzulocken. Ob die Marienmühle auch Kaufinteressenten beziehungsweise einen neuen Betreiber anlocken kann, wird sich wohl demnächst zeigen.In ihrer langen Geschichte hat die Marienmühle aber schon einiges er- und vor allem überlebt. Erstmals erwähnt wurde sie als Obermühle im Jahr 1532. In den Jahren 1851/52 wurde dann durch Graf Klar Gebhard von Brühl ein mehrgeschossiger Neubau errichtet. 1898 brannte das Hauptgebäude aus und wurde wieder aufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Marienmühle Staats- und Parteigut der KPD, wurde später zu einem volkseigenen Betrieb. Nach der Wende wurde die Ausflugsgaststätte dann umfassend restauriert.