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Gastronomen und Hoteliers tischen Probleme auf

Einmal im Monat kommen Wirte, Hoteliers und Unternehmer aus dem Raum Löbau, Bautzen und Görlitz zum Oberlausitzer Wirtestammtisch zusammen. Am vergangenen Montag begrüßten sie dazu im „Hirsch“ Eibau den Präsidenten der IHK Dresden, Hartmut Paul, und Gerhard Schwabe vom Regionalverband Dresden des Hotel- und Gaststättenverbandes.

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Von Angelika Dornich

„Schade“, bedauerte Vereinsvorsitzender Hartmut Stolz, „ich hatte mehr Interesse erwartet, wenn wir schon mal unsere Probleme an den Mann bringen können. Doch trotz einer öffentlichen Einladung waren nur Wirte und Hoteliers erschienen, die dem Stammtisch angehören. Insgesamt 17 Mitglieder hat er derzeit. „Wir stehen allen offen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, Touristen herzulocken“, erklärte Stolz. So konnten schon die Brauereien Löbau und Eibau, der Edeka Großhandel Görlitz und die Touristische Gebietsgemeinschaft „Feriengebiet Oberlausitzer Bergland“ mit ins Boot geholt werden. „Und im Moment sind wir dabei, mit dem Fleischwerk Löbau das 18. Mitglied zu gewinnen, um unsere Schlagkraft zu erhöhen.“ Denn eines der wichtigsten Vereinsziele sei, sich gemeinsam zu vermarkten.

Angefangen hat alles 1995 mit losen Zusammenkünften, wo besprochen wurde, was einem als Einzelkämpfer im Gaststätten- und Hotelgewerbe bewegte und was man erlebte. Im Mai 2000 wurde dann der Oberlausitzer Wirtestammtisch e. V. gegründet. Doch die Situation der Wirte und Hoteliers ist immer schlechter geworden. Für das ersten Halbjahr 2003 wird in der Gastronomie wie im Hotelgewerbe gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzminus von jeweils sieben Prozent verzeichnet, weiß IHK-Präsident Paul. Im gleichen Atemzug ist aber durch die Erhöhung von Kosten wie für Abwasser, Trinkwasser, Strom, Gas, und die Berufsgenossenschaft der Gewinn noch weiter heruntergegangen. Mit Skepsis blicken die Wirte und Hoteliers hier im grenznahen Raum dem Mai 2004 entgegen, wenn durch den EU-Beitritt die Grenzen zu Tschechien und Polen geöffnet werden.

„Wir haben schon ganz deutlich den neuen Grenzübergang in Sohland gemerkt“, sagte Stolz. „Seitdem fährt halb Bautzen Sonntagmittag ins Tschechische.“ Und er fragte den IHK-Präsidenten: „Ist es uns ab Mai 2004 möglich, Arbeitskräfte aus Polen und Tschechien zu beschäftigen?“ Auf diese zurückzugreifen, wird die Hauptchance sein, eröffnete Paul. „Derzeit werden entsprechende gesetzliche Regelungen erarbeitet, und ich hoffe, dass sie zum 1. Mai vorliegen.“ Obwohl auf die ausländischen Fachkräfte zu günstigeren Preisen auszuweichen, „auch nicht in unserem Sinne liegt, wo es hier so viele Arbeitslose gibt“, warf Udo Bretschneider vom Ferienhotel Oberlausitz ein. „Aber die Einheimischen gehen ja auch rüber essen.“

Janette Kummerlöw vom „Alten Schützenhaus“ Obercunnersdorf sprach mit der Ausbildungsmisere ein weiteres Problem an. „Jeder Beruf hat Ecken und Kanten, doch die Jugendlichen bekommen das zu wenig vermittelt.“ Es sei auch von den mitgebrachten schulischen Voraussetzungen her schwierig, aus zahlreichen Bewerbungen einen geeigneten Kandidaten zur Ausbildung als Restaurantfachkraft zu finden. Das Angewiesensein auf öffentliche Verkehrsmittel und die Wochenendarbeit sorgten für weitere Abstriche. IHK-Präsident Paul riet deswegen, dass die Unternehmen in die Schulen gehen sollten, um sich und die Berufsanforderungen darzustellen. „Denn wir brauchen den Nachwuchs.“