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Gaststätte „Sachseneck“ macht zu

Die Betreibergesellschaft musste Insolvenz anmelden. Was aus Hotel und Lokal wird, ist unklar.

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Von Mareike Huisinga

Die Salz- und Pfefferstreuer stehen noch auf den Tischen im Gastraum. Schnitzel mit Beilage gibt es im „Sachseneck“ allerdings nicht mehr. Das Heidenauer Restaurant und Hotel hat seit 5. November geschlossen. Ein großer Zettel an der verschlossenen Eingangstür weist darauf hin. Der Inhaber des Gebäudeensembles, Hartmut Schmidt, möchte sich zu der Schließung nicht äußern. Er sei gesundheitlich angeschlagen. Betrieben wurden das Lokal und die Pension seit gut einem Jahr von der Gesellschaft „Sachseneck Limited und Co. KG“. Gesellschafterin ist Schmidts Ehefrau Rosemarie. Sie gibt lediglich die knappe Auskunft: „Wir mussten den Betrieb aufgeben und Insolvenz anmelden. Der Umsatz war zu niedrig.“ Was aus dem Gebäude nun wird, könne sie jedoch nicht sagen. Insolvenzverwalter der Betreibergesellschaft ist Rechtsanwalt Thomas Beck aus Heidenau. Er blickt nach vorne: „Jetzt gilt es, einen neuen Betreiber für das Lokal zu finden.“

Saal fehlt in Heidenau

Die Schließung des Lokals bedauert besonders Klaus Kadner, ein Heidenauer Urgestein. Bekannter ist er auch als Zauberer Klaus, der 1983 den magischen Zirkel in Heidenau gründete und jetzt ein Problem hat. Denn bis dato trafen sich die Hobbyzauberer regelmäßig einmal im Monat in ihrem Stammlokal Sachseneck. „Im November weichen wir in die Gaststätte Zur Schmiede in Großsedlitz aus“, sagt Klaus Kadner. Doch wie es danach weitergeht, kann er nicht sagen. Zur Heidenauer Stadtverwaltung hat er bereits Kontakt aufgenommen. Dort will man helfen, einen neuen geeigneten Treffpunkt für die Zauberer zu finden.

Überhaupt blickt der 69-Jährige etwas wehmütig auf das geschlossene große Gebäude an der Pirnaer Straße. Gerne erinnert sich Kadner an die Zeiten, als in dem großen Saal fröhliche Familien- und Betriebsfeiern stattfanden. Der Saal wird schon seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt.

In der Tat hat das Sachseneck schon mal bessere, vor allem belebtere Zeiten gesehen. Die Gaststätte ist die älteste im ehemaligen Dorf Heidenau. Bereits 1833 wurden hier Gäste von Johann Gottlieb Mörbitz bewirtet. In den Jahren 1896 und 1897 entstanden dann ein größeres Gaststättengebäude für über 130 Personen und der Ballsaal für bis zu 450 Personen. Ab 1952 wurde hier unter dem Namen „Kulturhaus Otto-Buchwitz“ getanzt und gefeiert. Die Konzert- und Gastspieldirektion (KGD) Dresden organisierte die Veranstaltungen in den Kulturhäusern zu DDR-Zeiten. Viele Künstler der DDR traten in den Sälen auf. Eigentlich alles, was damals Rang und Namen hatte, war einmal im Tanzsaal des heutigen Sachsenecks. Beispiel gefällig? Keine geringere Gruppe als Karat probte in den Räumlichkeiten – natürlich noch vor dem großen Durchbruch. Seit 1993 ist Hartmut Schmidt Besitzer.

Dem Saal trauert auch Hildegard Förster aus Heidenau nach. „Die Gaststätte Aufbau an der Dresdner Straße ist zu, der Lugturm und das Kino ebenfalls. Hier fanden früher auch Bühnenprogramme statt.“ Für Kadner und Förster steht fest: In Heidenau fehlt eindeutig ein Saal, wo man eine größere Veranstaltungen feiern kann.