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Döbeln

Gaststätte soll Interims-Gedenkstätte werden

Das Ziel einer besonderen Radtour des Treibhaus-Vereins war das ehemalige KZ Sachsenburg. Dort soll eine Gedenkstätte entstehen.

Eine 15-köpfige Gruppe des Döbelner Treibhaus-Vereins ließ sich von Geschichtslehrerin Anna Schüller (hinten Mitte) über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers führen.
Eine 15-köpfige Gruppe des Döbelner Treibhaus-Vereins ließ sich von Geschichtslehrerin Anna Schüller (hinten Mitte) über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers führen. © Treibhaus Verein

Döbeln/Frankenberg. „Menschen brauchen Platz zum Lernen“, sagt Sophie Spitzner vom Treibhaus-Verein Döbeln. Deshalb unterstütze sie das Bemühen des Vereins Geschichtswerkstatt Sachsenburg und der Geschichtslehrerin Anna Schüller, die sich seit Jahren für einen Gedenkort des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenburg engagiert.

„Ich bin dafür, dass das komplette Gelände in Sachsenburg, welches zum Lager gehört hat, unbedingt erhalten bleiben sollte“, sagt Sophie Spitzner. Auch die umstrittene Kommandantenvilla, die stark baufällig ist, gehöre unbedingt zu dem erhaltenswerten Ensemble dazu, ergänzt sie.

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Erst vor wenigen Tagen war sie mit einer 15-köpfigen Gruppe vom Treibhaus-Verein nach Sachsenburg geradelt, um sich den gerade erst eröffneten „Pfad der Erinnerung“ und die historischen Gebäude anzusehen. Geführt wurde die Gruppe von Anna Schüller selbst. Einmal im Jahr lädt der Treibhaus Verein Döbeln zu einer solchen besonderen Geschichts-Radtour ein.

„Es ist besonders wichtig, gerade diesen Ort möglichst authentisch zu erhalten, denn das ehemalige KZ Sachsenburg ist eines der Vorgänger von den großen Lagern. Diese frühen Stätten fallen leider im Gedenken oft hinter den Bekannteren zurück“, sagt Sophie Spitzner. Das KZ Sachsenburg wurde im April 1933 in der damaligen Spinnerei eingerichtet. Seine Schließung erfolgte offiziell am 9. Juli 1937.

Für viel Nachfragen und Diskussionen hatte bei den Döbelner Besuchern der Kampf von Anna Schüller und ihren Mitstreitern um eine würdige KZ-Gedenkstätte an der Zschopau gesorgt. Zuletzt war die Auseinandersetzung zwischen der Stadt Frankenberg und den Initiatoren für die Gedenkstätte eskaliert. Beide Seiten erklärten, dass die Vorstellungen darüber weit auseinandergehen. Im Mittelpunkt steht der Streit um die marode Villa, die die Stadt abreißen lassen will.

Zwischenzeitlich kommt auch noch die benachbarte leerstehende Gaststätte „Fischerschänke“ ins Spiel. Am Donnerstagabend hat der Frankenberger Stadtrat einstimmig beschlossen, das Gebäude selbst zu erwerben. Im zweiten Obergeschoss, im Veranstaltungssaal des Gasthauses, soll schon bald eine Interims-Gedenkstätte für das KZ eingerichtet werden.

Trotz Diskussionen um den Erbbaurechtsvertrag zur Betreibung der Fischerschänke gaben die Stadträte der Beschlussvorlage einstimmig grünes Licht. „Wir wollen, dass die Gaststätte in Hände kommt, die mit der Stadt zusammenarbeiten und die zu ihr passen“, sagte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). 

Obwohl ihm keine konkreten Kaufinteressenten bekannt seien, wollte er verhindern, dass das abgelegene Ausflugslokal in der Nähe der künftigen Gedenkstätte womöglich auf das Interesse von Extremisten stoße. „Das Haus soll in der Mitte der Gesellschaft bleiben“, so das Stadtoberhaupt.

Das Kommunikations- und Dokumentationszentrum für das KZ will die Stadt noch in diesem Jahr eröffnen. Die eigentliche Gedenkstätte wird sich trotz der angekündigten institutionellen Förderung durch die Stiftung sächsischer Gedenkstätten weiter verzögern: Der erste Antrag der Stadt als Träger der Gedenkstätte auf Förderung durch den Bund wurde vom Bundesministerium für Kultur und Medien abgelehnt. Ein Folgeantrag ist geplant, soll aber qualifizierter ausfallen. „Mit dem Saal über der Fischerschänke sind wir einfach schneller“, sagte Thomas Firmenich. (mit FP)

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