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Wenn der Gast nicht kommt

Der Platz ist bestellt - und bleibt leer. Der Gast hat Ausreden, der Wirt den Schaden. Strafgebühren sind eine Möglichkeit. Es gibt aber auch andere Ideen im Landkreis.

Das Schild steht, doch mancher Gast kommt nicht. Was dann?
Das Schild steht, doch mancher Gast kommt nicht. Was dann? © dpa

Im Erbgericht Heeselicht passiert es eher, dass Gästen abgesagt werden muss, weil es zu viele Nachfragen gibt. Die, die einen Platz bekommen, nutzen die Chance auch. "Bisher gab es noch keine Gäste, die reserviert haben und nicht kamen", sagt die Betreiberfamilie Haufe. Vielleicht auch, weil sie sich bei Reservierungen Namen und Telefonnummer aufschreiben. Strafgebühren jedenfalls sind in Heeselicht bisher kein Thema. Auch das Bio- und Nationalpark Refugium Schmilka hat derzeit eher ein Luxusproblem. Weil es so viele Übernachtungsgäste gibt und diese Vorrang im Restaurant haben, ist dort derzeit für andere kaum Platz.

Selbst die, die mit den Bestellern und Nichtkommern Probleme haben, halten sich mit Strafgebühren zurück. Auch aus rechtlicher Unsicherheit. Oft hinterlässt man nur Namen und Telefonnummer. "Mit denen kann man nicht wirklich rechtlich wirksam gegen die Leute vorgehen", meint der Heidenauer Drogenmühlen-Wirt Burkhard Hammermann.

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Im Sporthotel Pirna gibt es dennoch eine klare Ansage. Bei normalen Tischreservierungen nehmen die Mitarbeiter zwar die vollständigen Kontaktdaten auf, aber es kommt nur selten vor, dass dann jemand nicht erscheint. Zu Weihnachten sichert sich das Hotel anders ab, sagt Prokuristin Kathrin Honnes. Wer da für den Weihnachtslunch reserviert, erhält eine Bestätigung - inklusive der Stornobedingungen. Erscheint jemand nicht oder mit weniger Personen, muss er zahlen. "Das sind dann schon mal 80 Prozent vom bestätigten Preis", sagt Kathrin Honnes. Bis vier Tage vorher kann man kostenfrei zurücktreten. Es ist auch schon passiert, dass gezahlt werden musste. Stornogebühren werden auch bei Familienfeiern oder ähnlichen Anlässen fällig.

Das übrigens auch eine rechtliche Voraussetzung für eine Zahlungspflicht: Nur wenn der Wirt dem Gast klar gemacht hat, dass ein Nichtkommen finanzielle Folgen hat und welche das sind, kann eine solche Forderung wirksam werden. 

Hitliste der Ausreden

Burkhard Hammermann hat so seine Erfahrungen mit Reservierungen. Lassen die Leute ein, zwei Wochen vorher nichts mehr von sich hören, ahnt der Wirt, da stimmt was nicht. "Erkundigen wir uns dann telefonisch, ob die Feier stattfindet oder nicht, bekommen wir oft recht laxe Antworten, wie, ach naja, das Wetter ist ja so schön, da feiern wir doch lieber im Garten oder die Schwiegermutter sollte Ihnen doch absagen." Hammermanns Nummer eins auf der Ausreden-Hitliste, wenn er die Gäste nochmal anruft: "Schaaatz", wird da gerufen. "Hattest du in der Drogenmühle bestellt?"

Obwohl es schon mehrfach passierte, dass Gesellschaften nicht erschienen, erhebt die Drogenmühle noch keine Gebühr. "Wir hatten deswegen nie wirklich eklatante Verluste, weil ja doch noch immer jemand kommt", sagt Hammermann. "Manchmal kommt ein Reisebus und wir sind dann die Helden, weil wir unerwartet Platz haben." Und auch wenn der Platz leer ist, Hammermann will es sich nicht mit seinen Gästen verderben. "Wir wollen ja, dass sie uns zu einem anderen Termin wieder besuchen." Außerdem gibt es ja auch triftige Gründe.

Spielregeln werden auch anderswo verletzt

Das Thema der nicht eingelösten Reservierungen und deren Konsequenzen ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren wurde deutschlandweit darüber diskutiert. Manche Wirte sprachen von bis zu 15 Prozent Einbußen durch unangekündigt ausgefallene Gäste. Der Dehoga-Verband der Hoteliers und Gastwirte in Sachsen befürwortet eine Gebühr. "Schließlich sind bei nicht rechtzeitiger Stornierung enorme Kosten auf Seiten der Unternehmen zu verzeichnen, die keiner deckelt", sagt Thomas Pfenniger, Leiter der Pirnaer Geschäftsstelle des Dehoga-Verbandes Sachsen. Rechtlich ist die Strafgebühr umstritten. Klar ist, nur wenn der Wirt dem Gast klar gemacht hat, dass ein Nichtkommen finanzielle Folgen hat und welche das sind, kann eine Forderung wirksam werden.

Aktuell ist Pfenniger in der Region kein Gastronomiebetrieb bekannt, der das Modell der Strafzahlungen für nicht abgesagte Reservierungen anwendet. Es sind aber auch nicht alle Dehoga-Mitglied. Inzwischen haben auch Friseure und andere Dienstleister Probleme mit den nicht eingelösten Bestellungen und führen zum Beispiel eine Vorausgebühr ein.

Maxener Idee für Weihnachten

Im Maxener Gasthof wird Weihnachten in zwei Schichten gegessen. Viele bestellen dann gleich fürs nächste Jahr. Weil sie das bis dahin vergessen und nicht kommen, hat sich Wirt Gert Richter dieses Jahr was anderes einfallen lassen. Ab Anfang September werden Gutscheine für eine Essenszeit an den Weihnachtsfeiertagen verkauft. Damit will Richter sachten Druck auf seine Gäste ausüben. Wer schon voraus gezahlt hat, wird nicht so einfach auf den Genuss verzichten... Doch die Fehl-Reservierungen sind bei Richter nicht nur Weihnachten ein Problem. Selbst größere Gruppen erscheinen nicht zum vereinbarten Termin.

Tino Neumann, der Bella Vista-Chef aus Malter nimmt deshalb vor allem Klassentreffen ungern. Und wenn nur gegen Vorkasse – 30 Euro pro Person. Die werden dann verrechnet. Wer nicht kommt, hat Pech. Eine Strafgebühr ist für Neumann keine Option. „Wir sind ein freies Land“, sagt er. Erstens hat er treue Gäste, zweitens sieht er eine Umsetzung kritisch, Stichwort Datenschutz und auf Aufwand und drittens: „Wenn doch mal jemand nicht kommt, freut sich ein anderer Gast über den Platz.“

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