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Großenhain

Gaststätten stellen auf Lieferservice um

In Sachsen herrscht Ausgangssperre. Die Lokale in Großenhain und Umgebung haben deshalb geschlossen. Doch ganz ohne Arbeit sind sie nicht.

Aus der Gaststätte auf die Straße: an der Edeka-Kaufhalle verkauft David Franke (links) von der Gaststätte Kupferberg hier Manfred Lohse Gulaschsuppe. Montags, mittwochs und freitags gibt es dieses Angebot.
Aus der Gaststätte auf die Straße: an der Edeka-Kaufhalle verkauft David Franke (links) von der Gaststätte Kupferberg hier Manfred Lohse Gulaschsuppe. Montags, mittwochs und freitags gibt es dieses Angebot. © Kristin Richter

Großenhain. "Gemeinsam statt einsam", dieses Motto hat sich die Gaststätte Kupferberg in Zeiten der Not gegeben. Seit Sonntag ist das beliebte Ausflugslokal wegen der Corona-Krise geschlossen. Doch da Zusammenhalt nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Gaststätten-Beschäftigten zählt, bietet das Restaurant seit Montag Abhol- und Lieferservice an. 

"Unsere Mitarbeiter haben einen Flyer entwickelt, den sie am Wochenende in der Umgebung verteilten", sagt Inhaberin Angelika Pietzsch. Unter anderem im nahen Käthe-Kollwitz-Viertel sind sie gewesen. "Am Sonntag hat das schon der Erste fürs Mittagessen genutzt", freut sich Pietzsch. Schnitzel und Cordon bleu wurden geordert. Aber auch Wildgerichte oder Fisch können zubereitet werden.

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"Alle aktuellen Speisen und die Preise erfährt man unter der Restaurant-Telefonnummer 03522 30 900", sagt Angelika Pietzsch. Bis jeweils 18 Uhr gilt der Service. Sie hofft, dass durch diese "kleinen Sachen" soviel Personal wie möglich gehalten werden kann. Dennoch werden Hotel und Gaststätte auf staatliche Hilfe angewiesen sein. 

Eine originelle Idee hatte auch ihr Bruder Kai-Michael. Er bietet eine Mittagsversorgung mit der Gulaschkanone vor dem Edeka-Markt auf dem Kupferberg an. Montag, Mittwoch und Freitag steht er von 10 bis 14 Uhr mit Kesselgulasch vor der Kaufhalle.   

Dem Kupferberg sind laut Angelika Pietzsch an die 50 gebuchte Reservierungen weggebrochen. "Vier Feiern waren es allein an einem Wochenende", sagt die Gastronomin. Inwieweit das durch Auslieferungen abgefangen werden kann, muss sich zeigen. Dass auch das Ostergeschäft als zweitwichtigstes Ereignis für die Gastronomie wegfällt, sei wirtschaftlich ein schwerer Schlag. Deshalb setzt das Haus jetzt auch auf den Verkauf von Gutscheinen, die jetzt oder später eingelöst werden können. "Wir sind der Stadt auch dankbar, dass sie uns mit den Steuern entgegenkommt", so Angelika Pietzsch.  

Nur für Hotelgäste

Geschlossen ist seit Sonntag auch die Parkschänke Zabeltitz. Der Hotelbetrieb läuft trotzdem weiter. Geschäftliche Gäste müssen und dürfen versorgt werden. "Wir haben heute einen Gast", sagt Inhaberin Franziska Koitzsch. Doch ihre Mitarbeiter musste sie in Kurzarbeit schicken. "Sie sind abgesichert, ich als Selbstständige nicht", beklagt die Zabeltitzerin. Sie würde auch Essen-Bestellungen zur Abholung fertigmachen, wenn es verlangt wird. Das Personal sei dafür auf Abruf. Ein Lieferservice mache für die Parkschänke aber wenig Sinn. "So eine Situation hatten wir noch nicht", meint Koitzsch. "Ich hoffe, dass es bald vorbeigeht." 

Die Gastronomin beklagt zudem die unheimlich bürokratische Beantragung des Kurzarbeitergeldes. "Ich habe Stunden dran gesessen, das ist Laien nicht zuzumuten", sagt die Zabeltitzerin. 

Allein einige wenige Geschäftsreisende sind noch im Hotel und Gasthof Lindenhof in Thiendorf zu finden. Familie Lehmann hat die sechs Mitarbeiter deshalb nach Hause geschickt. Beim Frühstück für die Gäste herrscht wegen Corona ausschließlich Selbstbedienung. Es gibt neuerdings aber auch Zimmerservice. 

Für das seit elf Jahren bestehende Haus spitzt sich die Lage zu. Ein Lieferservice wie in der Thiendorfer Gaststätte Sammert lohnt sich für den Lindenhof nicht. Das sei nicht kostendeckend. Auch die Schnellrestaurants McDonalds und Burger King mussten schließen, geöffnet ist lediglich der McDrive.   

Wenig optimistisch ist derzeit auch Rene Strohbach vom Heidehof Rödern. Seine fünf Angestellten musste auch er in Kurzarbeit schicken. "Wir bieten zwar den Pizza-Flitzer-Lieferdienst, aber gerade die Jugendclub sind als Kunden weggefallen", bedauert Rene Strohbach. Weil sie nicht wissen, wie es weitergeht, würden derzeit viele Menschen "auf ihrem Geld sitzen". 

Trotzdem steckt Strohbach den Kopf nicht in den Sand und hat jetzt den Heidehof-Burger als Außer-Haus-Lieferung  im Angebot. Die 180 Gramm Rinderhack kommen von der Radeburger Fleischerei Klotzsche, dazu Rucola, gebackene Zwiebel, Tomate, Gurke mit einer herzhaften Senf-Rauch-Soße. Zusätzlich kann der Burger mit Käse bestellt werden. "Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber bis 20 Uhr liefern wir immerhin aus", so der Gastronom. 

Vor allem auf Facebook läuft die Werbung, alle Altersgruppen fragen nach, sagt Rene Strohbach. Für ihn sei das gerade eine finanziell ganz schwierige Zeit, weil er keine Rücklagen habe. "Meine Feiern sind alle weggebrochen, jetzt muss ich mein Geschäft vor allem in der Woche machen." 

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