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Gaststudenten zeigen Fotos auf der Brücke

Von Nahem sieht man etwas ganz anderes als aus der Ferne“, erklärt Anissa Mechouek die Idee der Fotoausstellung, die sie und sechs andere europäische Gaststudenten heute Nachmittag auf der Altstadtbrücke eröffnen und ein paar Stunden lang zeigen werden.

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Von Ines Eifler

Von Nahem sieht man etwas ganz anderes als aus der Ferne“, erklärt Anissa Mechouek die Idee der Fotoausstellung, die sie und sechs andere europäische Gaststudenten heute Nachmittag auf der Altstadtbrücke eröffnen und ein paar Stunden lang zeigen werden. „Wir kommen aus verschiedenen Ländern und sind nur für wenige Monate hier“, sagt Anissa. Alle sind Anfang Zwanzig und beschäftigen sich mit Kultur und Kunst. In Görlitz sind sie für ein Semester im Masterstudiengang Kultur und Management eingeschrieben. Die spezielle Situation eines relativ kurzen Aufenthalts ermögliche es ihnen, einen ganz besonderen Blick auf diese Stadt zu werfen, in der die Grenze spürbar ist. Es gehe um den ersten Blick – wie beim Verlieben.

„Jeder von uns hat ein ganz eigenes Thema, aus dessen Perspektive er je drei Fotos in Görlitz und Zgorzelec gemacht hat“, sagt Lucie Haardt. Martin aus Tschechien ist fasziniert von der Architektur und hat diese Begeisterung auf seine Bilder gebannt. Der Ungar Gergely dagegen konzentriert sich auf Porträts, hat Menschen auf beiden Seiten der Neiße angesprochen, sich lange mit ihnen unterhalten und ein Empfinden für die Grenzsituation herausgespürt, bevor er die Kamera benutzte. Anne nimmt das Phänomen noch einmal anders als die anderen wahr, denn sie stammt aus Strasbourg und kennt die Nähe zu einem fremden Land. Sie hat sich mit dem Thema Linien befasst. die verbinden, abgrenzen oder trennen können.

Die Altstadtbrücke schien den Studenten als neutraler Ort zwischen Polen und Deutschland sehr passend. Auch die Fotografie haben sie bewusst als Kunstform gewählt, die für jeden verständlich ist, auch wenn er die Sprache des Gegenübers nicht beherrscht. Als Rahmen werden den 42 unterschiedlichen Fotografien alte Fensterrahmen dienen, weil die Gaststudenten sich hier ganz so fühlen, als schauten sie in fremde Fenster.

Jeder sieht andere Dinge

„Unsere Hoffnung ist, Menschen anzuregen, ihre Stadt neu zu entdecken“, sagt Lucie. „Aber nicht moralisierend: schaut hier das Schöne, hier das Schlechte“, ergänzt Anissa. Sondern jeder sehe in der Lebenswelt seines Alltags Dinge, die ein Reisender nicht sieht, und umgekehrt. „Wir können spontane Eindrücke sammeln, weil wir von woanders kommen, nehmen die Stadt als etwas Fremdes, Neues wahr und setzen uns künstlerisch damit auseinander.“

Die Fotoausstellung ist heute, ab 15 Uhr, auf der Altstadtbrücke zu sehen. Ein kleines Buffet und Musik umrahmen die Vernissage.