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Sebnitz

So läuft die Öffnung der Gaststätten

In der Sächsischen Schweiz gehen die Wirte an den Start. Gutes Essen kommt zurück, die Zeit vor der Krise aber nicht.

Barbara Motz vom Hotel und Restaurant Brückenschänke in Sebnitz rückt die Stühle auf Abstand.
Barbara Motz vom Hotel und Restaurant Brückenschänke in Sebnitz rückt die Stühle auf Abstand. © Daniel Schäfer

Nach der wochenlangen Corona-Zwangspause in der Gastronomie geht es für Biergärten und Restaurants wieder los. Trotz der Freude über den Neustart sind viele Gastronomen verunsichert. Jeder Betrieb kann für sich entscheiden, ob er Ende der Woche wieder öffnet oder ob er es wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit lässt. Wer sich für eine Eröffnung entscheidet, der muss die Hygieneregeln beachten und bei Kontrollen auch nachweisen können.

In der Brückenschänke in Sebnitz ist genug Platz

Barbara Motz vom Hotel & Restaurant "Zur Brückenschänke" in Sebnitz hat mit ihrem Mann Andreas den Tag der Wiedereröffnung herbeigesehnt. Die Freude an der teilweisen Rückkehr zur Normalität überwiege, sagt sie. Bei Gastwirten müsse man auch die physische Seite bedenken. Es fehlten die "Spielkameraden", also die Gäste. "Wir verkaufen nicht nur Essen und Trinken, sondern Gastlichkeit. Unsere Häuser werden nicht umsonst das zweite Wohnzimmer genannt", sagt sie. Bei allem Optimismus und Hoffnung auf eine gute Restsaison bleiben für sie aber auch Bedenken und Probleme.

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Einfach die Tür aufschließen und loslegen, ist nicht. Es gibt verschiedene Regeln, die die Gastwirte einhalten müssen. Und wie sie diese umsetzen, kann Barbara Motz erklären.  

Da wären zunächst die Hygienevorschriften. Schlagartig gab es zum Beispiel Preissteigerungen bei der nötigen Ausrüstung. Schutzscheiben aus Kunststoff im Kassenbereich kosten 160 Euro. Desinfektionsmittel, was die Gaststätten für die Kunden ebenfalls vorhalten müssen, kostet 20 Euro der halbe Liter. Kosten für die Schutzausrüstung muss der Gastronom auf die Kunden umlegen, um rentabel zu bleiben. 

Die Abstandsvorschriften zu erfüllen, ist in der Brückenschänke nicht das Problem. Es können mehrere Räumlichkeiten genutzt werden. Außerdem dienen große Pflanzen als Raumteiler. Größere Sorgen bereitet der Wirtin dagegen die Nachhaltigkeit. Ein Thema, auf welches im Haus großer Wert gelegt wird. In ihrem Hotel gab es zum Beispiel zum Frühstück viel Hausgemachtes. Doch Frühstücksbuffet - das geht vorerst nicht mehr. Barbara Motz wird auf Kleinabpackungen zum Beispiel bei Marmelade und Honig zurückgreifen müssen. Zum Glück gab es hier schon vorher kompostierbare Besteckhüllen für Einzelbesteck und Serviette.

Angefangen wird erst einmal mit einer kleineren Speisekarte. Alles was die einheimischen Restaurantgäste lieben, wird da drauf stehen, zum Beispiel der Böhmische Zwetschgenbraten oder Spargelgerichte und Sauerbraten vom Galloway-Rind aus der Nationalparkherde. 

Die Kunden sollten wissen, dass mit der Wiedereröffnung aber auch Risiken verbunden sind. "Alles hängt jetzt von der Vernunft der Reisenden und Speisenden ab. Es wird also eine Zeit der Toleranz, des Anstandes und des Respekts. Wie wir es aber bis jetzt erlebt haben, sind diese Tugenden noch nicht ausgestorben", sagt Barbara Motz.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend ab 17 Uhr, Sonntag Ruhetag

Zur alten Säge in Dorf Wehlen setzt auf Stammkunden

Familie Pusch in der Penion & Gastätte "Zur alten Säge" in Dorf Wehlen steht ebenfalls in den Startlöchern. Und nicht nur sie. Auch ihre Stammkunden. Denn der Übernachtungskalender füllt sich bereits. "Der Neustart stimmt uns zuversichtlich. Unser Personal hält zur Stange. Unsere Stammkunden aus der Ferne haben ebenfalls die ganze Zeit mit uns Kontakt gehalten. Eine schöne Geste", sagt Falk Pusch. Und nicht nur das Übernachtungsgeschäft werde wieder laufen, auch die Gastronomie werde sich wieder beleben.  Die gute Lage der Gaststätte neben dem Miniaturpark Kleine Sächsische Schweiz dürfte den Optimismus noch unterstützen. Und sicherlich hofft auch Familie Pusch, dass bald wieder Busreisen möglich sein werden.

Falk Pusch und seine Schwiegertochter Yvonne Pusch von der Pension und Gasthaus "Zur alten Säge" haben den Rastplatz vor der Pension für den Neustart vorgerichtet.
Falk Pusch und seine Schwiegertochter Yvonne Pusch von der Pension und Gasthaus "Zur alten Säge" haben den Rastplatz vor der Pension für den Neustart vorgerichtet. © Daniel Schäfer

Auch in der "Alten Säge" war man in der Schließzeit nicht untätig, sondern hat sich voller Eifer auf die Wiedereröffnung gestürzt. Dass die nun so schnell kommt, dürfte wohl einige Gastwirte auch überraschen. Doch in Dorf Wehlen ist man gut aufgestellt, trotz  Bedenken, die es auch hier gibt. Jedes Jahr nach der Betriebsruhe geht man hier zum Beispiel mit renovierten Gasträumen und Gästezimmern an den Start. In diesem Jahr war nun noch zusätzlich Zeit, um die Biergartenbestuhlung komplett zu erneuern. Auch die Außenanlagen wurden auf Vordermann gebracht. Und so kann man gut gerüstet an den Start gehen.

Öffnungszeiten: täglich ab 11 Uhr, warme Küche bis 20 Uhr. Kein Ruhetag.

Große Erwartungen in der Brand-Baude Hohnstein

Auf dem "Balkon der Sächsischen Schweiz", der Brand-Baude in Hohnstein, hat ebenfalls das große Räumen begonnen. Baudenwirt Michael Dora wird am 15. Mai wieder vollständig öffnen. Bis dahin hat er sich und sein Team mit Außer-Haus-Verkauf über die Mittagszeit über Wasser gehalten, mehr schlecht als recht. Deshalb hat er jetzt große Erwartungen an den Neustart. "Wir hoffen, dass aufgrund des restlichen Frühlingsmonats Mai und des schönen Wetters viele Gäste zu uns finden. Wir rechnen aber mit etwa der Hälfte der Vorjahresumsätze, da wahrscheinlich viele Gäste aufgrund der persönlichen Situation sparsam sein müssen", sagt Michael Dora. Aus seiner Sicht werde es nur eine allmähliche Wiederbelebung geben.

Die Brand-Baude in Hohnstein geht am Freitag wieder vollständig an den Start.
Die Brand-Baude in Hohnstein geht am Freitag wieder vollständig an den Start. © Archivfoto: Marko Förster

In den Hygienevorschriften sieht er kein Probelm. Sie können in der Brand-Baude gut umgesetzt werden. Allerdings muss das nun auch schnell gehen. Abwischbare Speisekarten seien einfach herzustellen, getrennte Ein- und Ausgänge ebenfalls. Die Abstandsregeln kann er durch Aushang und der Sperrung jedes zweiten Tisches im Innenbereich umsetzen. "Wir hoffen noch sehr, dass die Mitarbeiter nicht ständig einen Mundschutz tragen müssen, weil das für einen gesamten Arbeitsag schwer auszuhalten und nicht unbedingt gesund ist", sagt der Baudenwirt.

Andere Gastwirte klagen bereits, dass sie auf die Schnelle das Personal nicht zusammenbekommen. Diese Sorgen hat Michael Dora nicht. Er hat alle Mitarbeiter über die Krise weiter beschäftigt, was auch dank der schnellen Bearbeitung  des Kurzarbeitergeldes möglich gewesen sei. Deshalb kann er jetzt wieder voll durchstarten, auch wenn bei ihm - wie bei einigen anderen Gastronomen - die Speisekarte vorerst schmaler ausfallen wird. "Jedenfalls freuen wir uns sehr, endlich wieder aus dem erzwungenen Stillstand herauszukommen und unsere Gäste wiederzusehen", sagt Brand-Baudenwirt Michael Dora.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

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