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Gauck warnt vor Verführung von Schwarz-Weiß-Denken

Der Bundespräsident diskutiert über Fremdenfeindlichkeit und Terror. Auch am Thema Pegida kommt er nicht vorbei.

© dpa

Von Andrea Schawe, Berlin

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Das Thema ist tagesaktuell, obwohl die Runde schon lange geplant ist. Angesichts islamistischer Gewalt und Fremdenfeindlichkeit sei die Lage zugespitzt, sagte Bundespräsident Joachim Gauck. „Wir erleben, wie Feindbilder entstehen, wie an die Stelle des Dialogs Abgrenzung und manchmal Gewalt treten, und wie das Argument durch das Ressentiment ersetzt wird“, sagte er gestern bei einer Gesprächsrunde gegen Gewalt im Schloss Bellevue in Berlin. „Eine derartige Polarisierung untergräbt den inneren Frieden und damit eine wesentliche Grundlage unserer Demokratie.“

Ohne Pegida zu nennen, sagte Gauck, für manche Menschen entstehe „durch Vielfalt nicht nur Bereicherung, sondern auch Fremdheit und Verunsicherung“. Einheimische wie Eingewanderte wünschten sich manchmal einfache Lösungen, die Verführung liege im Schwarz-Weiß-Denken.

Eines der Feindbilder sei der Islam. „Islamfeindlichkeit hat den Spruch ‚Ausländer raus!’ abgelöst“, sagte die Historikerin Yasemin Shooman. Sie ist eine der 45 Gäste aus Bürgergruppen, Wissenschaft, Kultur und Medien, mit denen der Bundespräsident diskutierte. Es werde besonders die „Fiktion der drohenden Übermacht des Islams“ bedient. Dieser „antimuslimische Rassismus“ richte sich nicht nur gegen religiöse und praktizierende Muslime, es würden schon ein fremd klingender Name und das Aussehen ausreichen.

Phänomene wie Pegida entstehen auch aus einem völkischen und nationalen Bewusstsein, sagte Bernd Wagner. Der Kriminalist und Experte für Rechtsextremismus hatte im Jahr 2000 die Aussteiger-Initiative Exit Deutschland gegründet. Die Anhänger glauben „geschichtliche und verschwörungstheoretische Gewissheiten“, die eine Einheit von Rasse, Volk, Nation und Staat suggerieren.

Es gebe aber auch „erhebliche Überschneidungen“ zwischen rechtsradikalen Fußballfans und den Pegida-Demonstranten. Der Hooligan-Experte und Autor Olaf Sundermeyer schätze die Zahl auf 500 bis 600 Teilnehmer. Die Hooligans seien nicht zufällig bei den Demonstrationen, „sie gehören zum Konzept von Pegida“. Aus dieser Szene stamme auch der Slogan der „Lügenpresse“, den die Pegida-Organisatoren übernommen haben.

Gauck diskutierte auch über Lösungen und Auswege aus der Radikalisierung. Es wurde vor allem an die Verantwortung der Schulen erinnert, Islamfeindlichkeit ebenso wie Antisemitismus oder Rechtsextremismus den Boden zu entziehen.

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