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Gauernitzer Elbinsel lockt

Die Gauernitzer Elbinsel steht unter Naturschutz. Ein Betreten ist verboten. Doch Helmut Wetzel, Chef des Heimatvereins Linkselbische Täler, ist zuversichtlich, dass dieser idyllische Ort für einen sanften Tourismus geöffnet werden könnte.

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Von Dieter Hanke

Die Gauernitzer Elbinsel steht unter Naturschutz. Ein Betreten ist verboten. Doch Helmut Wetzel, Chef des Heimatvereins Linkselbische Täler, ist zuversichtlich, dass dieser idyllische Ort für einen sanften Tourismus geöffnet werden könnte. „Auf der Insel befinden sich beeindruckende Zeugnisse der sächsischen Kulturgeschichte. Diese gilt es zu bewahren. Sie sollten aber auch Besuchern zugängig gemacht werden, um die Schönheit früherer Gartenbaukunst zu zeigen“, sagt der 59-Jährige.

Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Volontärin Nora Kindermann vom Landesamt für Denkmalpflege erkundete Wetzel kürzlich die Insel. Sie nahmen eine Bestandsaufnahme von Denkmälern, Bäumen, Wegen und anderen Dingen vor. „Das ordnet sich ein in die Erfassung des Gauernitzer Schlossparks als historisch bedeutsames Schutzgut im Land Sachsen. Die Elbinsel gehört dazu“, so der Vorsitzende.

Die Zinzendorfs – Besitzer des Gauernitzer Schlosses im 18. Jahrhundert – verschönerten nicht nur die Anlage und den großen Park mit Wasserkünsten und einer Orangerie, sondern auch diese Elbinsel. Es war wahrscheinlich Gräfin Louise Johanna Sophie von Zinzendorf, die hier acht Lindenallen anlegen ließ, durch die strahlenförmig – wie ein Jagdstern – Schlösser und Kirchtürme in der Umgebung wie Scharfenberg, Brockwitz, Weinböhla und Coswig zu sehen waren.

Alleen sind noch vorhanden

Wetzel: „Diese Alleen sind noch gut erkennbar, wenngleich eine spätere Bepflanzung auf den ursprünglich freien Wiesenflächen der Insel sowie Pappeln und Strauchwerk die Sicht verdecken. Beeindruckend sind die alten Linden auf den Alleen, von denen manche über 200 Jahre alt sind.“

Auch die Wege seien noch gut nutzbar. Das Sandstein-Denkmal inmitten des Kreises auf der Elbinsel, das umgestürzt war, haben Heimatfreunde vor einiger Zeit wieder aufgestellt. Hochwasser oder Vandalismus waren vermutlich dafür die Ursache.

Die Säule, die an Zinzendorfs Gemahlin Gräfin Louise Johanna Sophie (1754 bis 1804) erinnert, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Friedrich August Graf von Zinzendorf und Pottendorf verheiratet war, ist beschädigt. Die Tafel mit der Inschrift fehlt, ebenso eine Urne als Schmuck auf der Säule. „Die Sockel von Steinbänken ringsum im Kreis sind noch vorhanden, der Belag fehlt aber. Eine Tischplatte liegt am Boden“, so Wetzel.

Viele Wildschweine auf Insel

Auch eine Sandsteintreppe zur Anlegestelle für Boote an der Elbe sei noch sichtbar. „Vermutlich durch Hochwasser wurde aber die Einlassstelle zerstört. Zahlreiche Sandsteinquader liegen am Elbufer umher“, sagt Wetzel. Als Orts- und Jagdvorsteher von Gauernitz gibt ihm aber noch eine andere Sache zu denken. Wildschweine hätten die ganze Insel in Beschlag genommen und sie regelrecht umgepflügt,

„Dadurch nehmen Wurzeln der alten Bäume Schaden. Bodenbrütende Vögel gibt es kaum noch“, sagt er.

Für die Jäger sei es schwierig, hier zu jagen, da Projektile nicht von der Insel weg gelangen dürfen und auch der Abtransport der Tiere kompliziert sei. Die Wildschwein-Population sei groß.

Mit den Naturschützern könne man sich arrangieren, wenn die Gauernitzer Insel gelegentlich für Besucher geöffnet werden sollte, bemerkt der Vorsitzende. „Gerade auch das Beobachten von Wasservögeln auf der Insel weckt hier das Verständnis für die Natur.“

Im August 1999 ging die Insel von der Bodenverwaltungs- und verwertungsgesellschaft (BVVG) in das Eigentum des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz über. Seit 2006 ist die Gauernitzer Elbinsel als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Vögeln den Lebensraum lassen

„Bei einer Zusammenkunft mit dem Landesamt für Denkmalpflege hat sich der Verein Sächsischer Heimatschutz aber aufgeschlossen gezeigt, das Areal für einen sanften Tourismus zu öffnen“, sagt Wetzel. Schritt für Schritt sollte da vorgegangen werden, um den Wasservögeln ihren Lebensraum zu lassen.