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Gebäuden hinterm Lutherhaus schlägt bald die letzte Stunde

Auf der letzten Sitzungdes Dohnaer Stadtrats wurde der Antrag auf Abriss bestätigt.

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Von Christian Ruf

Marode. Einsturzgefährdet bzw. teilweise schon eingestürzt. Eine Gefahr für Menschen, die auf den Nachbargrundstücken vorbeigehen. So lautet der ernüchternde Befund für die beiden Seitenflügel hinter dem als Lutherhaus bekannten Gebäude am Markt 10 in Dohna. Wer immer Kaufinteresse zeigte, winkte nach einem Blick darauf prompt ab.

Eine Million Euro (und zwar mindestens) in eine Ruine stecken? Nein danke! Auch Dohnas Bürgermeister Friedhelm Putzke (Freie Wähler) sah keinen Sinn darin, hier auch nur Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Es wäre seiner Ansicht nach „rausgeschmissenes Geld“ gewesen. In seiner 43. Sitzung fasste der Stadtrat am Mittwoch fast schon erwartungsgemäß einstimmig den Beschluss, den Antrag auf Abriss der Gebäude inklusive der Gewölbe zu stellen.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat seinen Segen schon gegeben. Nach einer Besichtigung gab der Chef der Ortsbehörde Pirna die Erlaubnis. Der ursprüngliche Erhaltungsbescheid für das Anwesen, gegen den die Stadt vor dem Verwaltungsgericht geklagt hatte, ist hinfällig. Die Scheune auf dem Grundstück bleibt vorerst stehen, kommt aber später auf die Agenda.

Fluorchemie tauscht Erde aus

Auf großes Interesse der Stadträte stieß der Bericht des Geschäftsführers der Fluorchemie Dohna GmbH, Rainer Niepel. Das Unternehmen produziert Flusssäure und Fluorwasserstoff, ist eines von fünf Unternehmen dieser Art in Deutschland bzw. zehn in Europa und machte letztes Jahr 27 Millionen Euro Umsatz. 85 Mitarbeiter hat die Firma, darunter 30 aus der Gemeinde Dohna. An die Stadt zahlte das Unternehmen im vergangenen Jahr etwa 350000 Euro Gewerbe- und Grundsteuer, was die Gemeinde finanziell deutlich besser stellt als andere in der Region. Hie und da gibt es sogar einen Sonderzuschuss für einzelne Projekte. Mal werden die Fußballer unterstützt, jetzt schießt die Fluorchemie 3000 Euro für die Sanierung des Schwimmbeckens im Hort zu.

2007 hat der Betrieb zudem umfangreich gebaut und gegraben – für die Umwelt. 10000 Kubikmeter Erde wurden ausgetauscht, das Grundwasser kurz abgepumpt und gefiltert. „Von diesem Standort geht keine Gefahr mehr fürs Grundwasser aus“, sagte Niepel. Im Zuge der Sanierung der Ufermauern an der Müglitz mussten gemäß einer Anordnung der Landestalsperrenverwaltung viele Bäumen gefällt werden. Aber ein Wiederaufforstungsplan werde, teilte Niepel mit, vom Regierungspräsidium und vom Landratsamt derzeit erarbeitet.

70 neue Bäume pflanzen

Im April, spätestens im Mai sollen neue Bäume gepflanzt werden. Das Unternehmen hat sogar eigene Flächen im Bereich der Müglitz zur Verfügung gestellt, um darauf 60 bis 70 Bäume anzupflanzen, was auch dem Schallschutz dient. Die Luftschutzwerte würden ständig kontrolliert, an der weiteren Optimierung werde gearbeitet, versicherte Niepel. Was die Sicherheit angehe, da gebe es einen jährlich überarbeiteten und mit dem Landratsamt abgeschirmten Katastrophenplan. Verhaltensmaßregeln im Ernstfall wurden bereits im Stadtanzeiger veröffentlicht, das nächste Mal dann wieder im November.