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Gebrochenes Versprechen

Verkehr. Anwohner im Dippser Zentrum warten noch immer auf die Lösung ihrer Parkplatznöte.

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Von Regine Schlesinger

Wir kommen uns wirklich veralbert vor“, ärgert sich Antje Mende. Sie wohnt am Kirchplatz und gehört zu den rund 100 Anwohnern des Dippser Stadtzentrums, die vor einem Jahr eine Petition bei der Stadt einreichten. Darin hatten sie um eine für alle verträgliche Lösung ihrer Parkplatzsorgen gebeten.

Hoffnung machte ihnen eine Aussage von CDU-Stadtrat René Schlechter, der das Schreiben der Anwohner kannte und im Juli 2004 gegenüber der SZ versprach, dass die Parksituation in der Stadt eines der ersten Themen sei, mit denen sich der damals neu gewählte Stadtrat befassen müsse. Als Lösung im Interesse der Anwohner könne er sich auch die Rückkehr zu den Dauerparkkarten vorstellen.

Antwort ließ auf sich warten

Abgeschafft wurden diese Karten im Mai vorigen Jahres. Seitdem müssen die Anwohner der Dippser City zu den Geschäftszeiten ihre Autos außerhalb des Zentrums parken, wenn sie die fahrbaren Untersätze länger als eine Stunde nicht benötigen. Diese Regelung sorgte zwar dafür, dass im Zentrum fast immer ein freier Parkplatz zu finden ist, ausgenommen an den Markttagen mittwochs und freitags. Doch für viele Anwohner hat sie den Alltag ziemlich verkompliziert.

Bärbel Zimmermann von der Großen Wassergasse arbeitet in Schichten im Freitaler Krankenhaus. Wenn sie früh müde von Arbeit kommt, muss sie immer damit rechnen, noch ein paar Extra-Runden durch Dipps drehen zu dürfen. Denn der gebührenfreie Platz hinter der Maler GmbH ist oft schon voll belegt, sonstige Parkplätze liegen noch weiter weg von ihrer Wohnung. „Wir brauchen das Auto mehrmals am Tag, die Kinder müssen in die Schule, nachmittags geht es zum Training oder andere Wege müssen erledigt werden“, sagt sie. Andere Anwohner marschieren nachts durch die halbe Stadt, um am Morgen nicht gleich als erstes das Auto vom Parkplatz im Zentrum wegfahren zu müssen.

Eine Antwort auf die Petition ließ auf sich warten. „Wir haben mehrmals bei der Stadt nachgefragt, sind aber immer wieder vertröstet worden“, sagt Bärbel Zimmermann.

Bürgermeister Ralf Kerndt (Unabhängige Bürger) antwortete im November, dass es erst im Januar möglich sei, das Verkehrskonzept der Innenstadt noch einmal zu besprechen. Im Februar hieß es dann, das Park-Problem wird beraten und es wird eine Antwort für die Anwohner geben.

„Auf die würden wir noch heute warten, wenn wir nicht selber vor kurzem in der Bürgerfragestunde im Stadtrat nachgehakt hätten“, ist sich Ronald Wings, ebenfalls ein Zentrumsbewohner, sicher. Die Antwort trug nicht dazu bei, die Stimmung zu heben. „Wir finden keine Lösung, die jedem Anwohner einen Standplatz sichert und zugleich ermöglicht, dass Besucher in die Stadt kommen können“, musste der Bürgermeister eingestehen. Fünf Minuten Fußweg bis zu einem Parkplatz außerhalb des Zentrums seien zumutbar.

Kein Ruhmesblatt

Dass sich das Rathaus für diese Antwort ein Jahr Zeit lässt und dann auch nur auf Nachfrage damit herausrückt, ist gewiss kein Ruhmesblatt. „Wir wollen ja gar nicht den Standplatz direkt vor der Haustür. Dass das nicht geht, sehen wir ein. Aber ein Kompromiss muss sich doch finden lassen, wenn der Stadt etwas daran liegt, dass das Zentrum bewohnt bleibt“, sagt Ronald Wings.

Das tut es offenbar. Auf eine erneute Nachfrage der SZ im Rathaus kam die Antwort, dass es ein Gespräch mit den Anwohnern geben wird, um gemeinsam eine Lösung zu suchen. Sie sind für den 24. Mai, 18 Uhr, in den Ratssaal eingeladen.