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Geburtstag-Schuss rettet Deutschland den EM-Titel

Monarchs-Athleten Jan Hilgenfeld und Ivo Schönberner verteidigen mit der deutschen Football-Auswahl ihre Vorherrschaft. An ihrem Alltag ändert das nichts.

© dpa

Von Alexander Hiller

Gerade macht mal wieder eine millionenschwere Nachricht aus dem American Football die Runde. Die Mannschaft der Houston Texans hat nach der alljährlichen Talente-Sichtung (Draft) den erst 21-jährigen Jadeveon Clowney unter Vertrag genommen. Der Defense End erhält laut der Tageszeitung Houston Chronicle rund 22,3 Millionen Dollar (16,4 Millionen Euro) für die kommenden vier Jahre. Allein 10,7 Millionen Euro streicht Clowney als Bonus für die Unterschrift ein.

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Alexander Dotzler wird auch in der neuen Saison das Trikot der Blau-Weißen tragen.

Von solchen Summen können Jan Hilgenfeldt und Ivo Schönberner nur träumen. Dabei dürften beide in den Staaten ähnlich unbekannt sein wie der Neu-Millionär hierzulande. Obgleich die beiden genannten Athleten der Dresden Monarchs nachweislich zur europäischen Spitze zählen. Das durften beide am Sonnabend zeigen. Vor 27 000 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion von Wien. Im Finale um den Europameistertitel bezwang Deutschland den Gastgeber Österreich nach zweifacher Verlängerung mit 30:27 (14:9) und sicherte sich damit zum dritten Mal nach 2001 und 2010 den kontinentalen Titel. Die deutsche Auswahl setzte damit zugleich eine beeindruckende Serie fort. Seit 2005 ist das Nationalteam nun gegen europäische Gegner unbesiegt. Das bleibt vorerst so. Als geschmackvolle Dreingabe zum neuerlichen EM-Titel sicherte sich Deutschland zugleich das Ticket zur Weltmeisterschaft 2015 in Schweden.

Jan Hilgenfeldt avancierte am Sonnabend zu einem der entscheidenden Spieler. Der Wide Receiver und Kicker der Dresden Monarchs – als solcher für Fieldgoals und die Zusatzversuche nach den Touchdowns zuständig – traf auch für die deutsche Auswahl aus der Ferne. Hilgenfeldts Fieldgoal zwischen die nach oben offenen Torstangen bedeutete den 17:17-Ausgleich nach der regulären Spielzeit. Und das ausgerechnet an seinem 25. Geburtstag.

Mit Geschenken ließ sich auch der Final-Widerpart nicht lumpen. Denn in der Zusatzzeit verschenkten die Österreicher gleich zweimal wegen unsportlichen Verhaltens aussichtsreichere Positionen. Mathias Rebl und Abdel Razim Amon bejubelten gelungene Abwehraktionen nach Meinung der Schiedsrichter zu ausgiebig. Derartig arrogant anmutende Szenen werden im Football mit Raumverlust bestraft. Davon profitierten die Deutschen letztlich entscheidend.

Apropos profitieren. Eine Titel-Prämie für das 45-köpfige Europameister-Team kann sich der klamme American Football-Verband Deutschland (AFVD) natürlich nicht leisten. Denn im Gegensatz zur Profiliga NFL in den Vereinigten Staaten sind die besten Footballer Europas meist reine Amateure. So auch Hilgenfeldt und Schönberner. Daran wird auch der EM-Titel – für Hilgenfeldt nach 2010 bereits der zweite – nichts ändern.

Allerdings sammelte das Monarchs-Duo in Wien wichtige Erfahrung. Denn das Wissen darüber, wie man dort den Gastgeber besiegt, benötigt auch ihr Klub. Im Big-Six-Turnier um den höchstwertigen Vereinspokal Europas treten die Sachsen am kommenden Sonntag bei den Vienna Vikings an – und brauchen gegen das beste Vereinsteam Europas unbedingt einen Sieg.