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Geburtstagsfeier für ein Unikum

Zehn Jahre ist der Muskauer Park Unesco-Welterbe. Da ist eine Feier Pflicht. Oder sogar zwei.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Die Erinnerung ist noch frisch: Als 2004 im 8.300 Kilometer entfernten Suzhou bei Shanghai eine Woche lang über den Welterbestatus des Muskauer Parks beraten wurde, lagen die Nerven blank. „Das Gerangel um die Plätze war groß“, erinnert sich Parkdirektor Cord Panning. Das ist nun zehn Jahre her. Zum Jubiläum haben die Unesco-Kommission und der Verein Unesco-Welterbestätten Deutschland die zentralen Feierlichkeiten für den Welterbetag in diesem Jahr nach Bad Muskau vergeben. Die Stiftung Fürst Pückler-Park feiert diesen Tag am 1. Juni mit einem rauschenden Geburtstagsfest. Zur Auftaktveranstaltung ab 14 Uhr haben sich Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer und Elzbieta Polak, die Marschallin der Woiwodschaft Lebuser Land, angekündigt.

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Wer möchte, kann sich schon ab 9 Uhr bei Entdeckertouren zu Punkten im Weltkulturerbe begleiten lassen, die noch nicht so fest im Gedächtnis verankert sind. Eine der Touren führt in den Niederländischen Hof. Das Areal am Parkrand gehört zu den kunsthistorisch interessantesten Plätzen Bad Muskaus und beherbergte einst eine Brauerei. Die Liste der Investoren, die die Ruine aus dem Dornröschenschlaf wachküssen wollten, ist lang. Einer von ihnen wird über sein nicht-realisiertes Konzept sprechen. Vielleicht ist die Brauerei dann letztmals öffentlich zugänglich. Am 1. Juli kommt die Immobilie zum wiederholten Mal unter den Hammer. Acht weitere Führungen stehen zur Auswahl.

Was die Vergabe des Welterbetitels für Bad Muskau so spannend machte, waren die Umstände. Der Park war keinesfalls gesetzt. Eigentlich galt als ausgemacht, dass nur eine Welterbestätte pro Jahr in die Liste aufgenommen werden soll. Doch ausgerechnet in diesem Jahr standen drei zur Auswahl. Das Bremer Rathaus rutschte gerade so durch. Das Dresdner Elbtal entpuppte sich als Selbstläufer. Dann kam der Park an die Reihe. Beim Anblick des Alten Schlosses bekam Cord Panning Zweifel. Die Präsentation, die von neutraler Seite gehalten werden musste, ging schief. Statt den Charakter des Parks, seine monumentalen, heutzutage länderverbindenden Sichtachsen in den Fokus zu rücken, rutschte die Architektur in den Blick. „Wir hatten zuvor die schönsten Architekturschätze der Welt gesehen und nun musste ich erklären, warum ausgerechnet eine DDR-Nachkriegsrekonstruktion aus den 60er-Jahren und ein wiederaufgebautes Schloss Weltkulturerbe werden sollten“, erzählt Cord Panning. Der Park ist der Star, nicht die Schlösser. Doch als bei der Jury einsickerte, dass auch Leknica, und damit Polen, an der Bewerbung beteiligt und ein binationales, wirklich einzigartiges Weltkulturerbe entstehen sollte, hatte es der Park Muzakowski – so heißt der Park auf Polnisch – geschafft.

Entspannend soll der Nachmittag am 1. Juni verlaufen. Das große Open-Air-Picknick auf der Schlosswiese von Bad Muskau lockert ein Musikprogramm mit der Pasternack Bigband aus Rostock auf, Walking-Acts aus Hannover, eine „Lebende Couch“ aus den Niederlanden oder eine Blumen-Kostümshow aus Erfurt.

Die von der Unesco geführte Liste des Welterbes umfasst insgesamt 981 Denkmale in 160 Ländern. Eines davon liegt auf den Fidschi-Inseln. In Deutschland sind es 38, in Polen 14. In Sachsen ist der Muskauer Park das einzige Welterbe. Aber nicht deshalb feiern Polen und Deutschland doppelt. Der Welterbetag und das traditionelle Muskauer Parkfest fallen in diesem Jahr terminlich auf dasselbe Wochenende. Und so gibt es bereits am Sonnabend einen richtigen Partykracher. Ab 12 Uhr locken auf der Rothwiese Klassik und Volksmusik, ein Seifenblasenfestival, Gaukler, Keramik- und Foto-Workshops, am Englischen Haus ein renommiertes Gitarrenduo und abends ab 20 Uhr auf der Schlosswiese Filmmusik à la Disney mit dem Belcanto Women‘s Choir (Kalifornien) und dem Orchester der Niederschlesischen Philharmonie. Doppelt gefeiert hält einfach besser.