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Meißen

Geburtstagsparty für Sachsens Sparkassen-Gründer

Vor dem Nossener Rathaus steht jetzt eine Plastik von Dr. Eberle. Der ehemalige Bürgermeister ist Ehrenbürger der Stadt.

Landrat Steinbach (2. v. l.) und Bürgermeister Anke (l.) enthüllen mit Sachsens Ministerpräsidenten Kretschmer die Eberle-Statue.
Landrat Steinbach (2. v. l.) und Bürgermeister Anke (l.) enthüllen mit Sachsens Ministerpräsidenten Kretschmer die Eberle-Statue. © Claudia Hübschmann

Nossen. Ein paar Sekunden und dann war das rote Tuch über der Eberle-Statue vor dem Eingang des Nossener Rathauses gefallen. 

Diese wurde gestern anlässlich des 150. Geburtstages von Dr. Johann Christian Eberle, ehemaliger Bürgermeister der Stadt und Begründer des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Sachsen, enthüllt.

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Eberle – ab 1898 für 21 Jahre Bürgermeister – und Nossen, das ist eine untrennbare Einheit. Wegen seiner Verdienste ist er Ehrenbürger der Stadt. Bei der Einweihung des Denkmals sagte Bürgermeister Uwe Anke (parteilos): „Nossen war eine der letzten Städte in Sachsen, die kein Rathaus hatten. 

Dr. Eberle hat es in der Zeit des Ersten Weltkrieges erbauen lassen.“ Nach mehr als 100 Jahren mit der Erfahrung aus dem jüngsten Anbau des Rathauses könne Anke sehr gut nachvollziehen, wie schwer das war. Gleichzeitig dankte er Landrat Arndt Steinbach (CDU) für die Idee, Eberle in dem Rahmen zu ehren. 

Finanziert und organisiert wurde die Statue, ein Nachguss des Originals in Meißen, mithilfe der Sparkasse, dem Landratsamt, der Stadt sowie dem Förderverein Heimatmuseum Nossen. Letzterer hat gleichzeitig eine kleine Ausstellung im Rathaus über Eberle organisiert. Die ist laut Vereinsvorsitzenden Tommy Pfennig, noch bis Dienstag geöffnet.

Kretschmer schneidet den Geburtstagskuchen an. Mit dabei Michael Ermrich (Ostdeutscher Sparkassenverband) und Helmut Schleweis, Präsident Deutscher Sparkassenverband ( 2. v. r.). 
Kretschmer schneidet den Geburtstagskuchen an. Mit dabei Michael Ermrich (Ostdeutscher Sparkassenverband) und Helmut Schleweis, Präsident Deutscher Sparkassenverband ( 2. v. r.).  © Claudia Hübschmann

„Eberle war als Bürgermeister der Stadt Nossen von 1898 bis 1919 satzungsgemäß auch Vorsitzender der städtischen Sparkasse. Er verknüpfte die kommunalpolitischen Aufgaben mit neuen Möglichkeiten der finanziellen Förderung der regionalen Unternehmen über die Sparkasse. Auch die städtische Infrastruktur in Nossen erlebte in diesen Jahren einen großen Modernisierungsschub“, sagte Steinbach.

Auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war zur Einweihung des Denkmals nach Nossen gekommen. Er begrüßte Initiativen wie diese, die das Leben auf dem Land voranbringen.

Bezüglich der Frage nach seiner Meinung zur kürzlich erschienenen Studie von Reint Gropp, Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, wonach Ostdeutschlands Zukunft in Städten wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz liege, aber eben nicht auf dem Land, antwortete Kretschmer: „Das sehe ich anders. Den Fehler der westdeutschen Städte werden wir nicht wiederholen. Wir wollen den ländlichen Raum unterstützen.“ Als wichtige Punkte nannte er die Digitalisierung, den Ausbau des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs und die Unterstützung des Finanzstatus der Kommunen.

Johann Christian Eberle, am 3. Mai in einer pfälzischen Wein- und Obstbauerfamilie geboren, studierte Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Philosophie und Volkswirtschaft in Heidelberg, München und Leipzig. Er promovierte an der Juristischen Fakultät in Leipzig. Im Alter von 29 Jahren wurde er zum hauptamtlichen Bürgermeister von Nossen gewählt. Während seiner Amtszeit wurden Straßen, städtische Arbeiterwohnungen, ein Krankenhaus, eine Schule, ein Schwimmbad und das Rathaus gebaut. Zudem konsolidierte er den städtischen Haushalt.

Bei der Festveranstaltung vor der Denkmal-Enthüllung würdigte der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Michael Ermrich, Eberle als Vordenker. In einer Zeit, in der die Großindustrie ihren Siegeszug angetreten hat, habe sich Eberle bewusst für den Mittelstand eingesetzt. „Er hatte erkannt, dass sich mithilfe der Sparkasse und ihrer Kreditvergabe erfolgreich gewerbliche Unternehmer an die Stadt binden.“

Eberle war 1907 an der Gründung des Sächsischen Sparkassenverbands beteiligt und trieb ein Jahr später die Gründung des Giroverbands Sächsischer Gemeinden mit angeschlossener Girozentrale in Dresden voran. Es war der erste Giroverband deutscher Sparkassen. Die Aufnahme des Giroverkehrs in Sachsen war wegweisend für die Entwicklung der Sparkassen-Finanzgruppe. „Die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille in Feingold ist die höchste Auszeichnung des deutschen Sparkassenwesens“, sagte Uwe Anke.

Zur Einweihung der Statue waren auch die Nossener Einwohner eingeladen. „Wir finden die Statue wunderbar. Sie passt zum Rathaus. Eberle gehört zu Nossen“, sagte Eveline Stephan erfreut. Zur Ehrung Eberles haben Schüler des Gymnasiums einen Geocache-Parcours vorbereitet. Er wird am Sonntag freigeschaltet. Ein kleiner Aufkleber an der Rathaustür verweist darauf.