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Weißwasser

Gedenken mit Masken und in kleiner Runde

In Weißwasser fand am Freitag eine in vielerlei Hinsicht besondere Gedenkfeier für das Ende des Zweiten Weltkrieges am Sowjetischen Ehrenmal statt.

Vertreter von der Stadt Weißwasser, Vereinen und Bürger pflanzten am 8. Mai 2020 eine Weißbirke am Sowjetischen Ehrenmal und enthüllten eine Gedenktafel.
Vertreter von der Stadt Weißwasser, Vereinen und Bürger pflanzten am 8. Mai 2020 eine Weißbirke am Sowjetischen Ehrenmal und enthüllten eine Gedenktafel. © Sabine Larbig

Um 12 Uhr läuteten die Glocken der Kirchen in Weißwasser. Das akustische Zeichen der Ökumene und Erinnerung an den 8. Mai 1945, den Tag des Endes von Krieg, Terror, Gewalt und Nationalsozialismus, war vielerorts in Weißwasser zu hören. Bis zum Sowjetischen Ehrenmal am Friedhof, wo eine offizielle Gedenkfeier stattfand, drang das Geläut aber nicht vor. 

Dafür gab es dort andere sicht- und hörbare Zeichen der Erinnerung an eine Zeit, die die nunmehr dritte Generation nach Ende des Zweiten Weltkrieges nur von Zeitzeugen, aus Berichten, Büchern, Filmen und dem Geschichtsunterricht kennt. „Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, dass wir und nachfolgende Generationen, trotz Meinungsverschiedenheiten, großer Herausforderungen unserer Zeit, Sorgen und Nöten, niemals wieder völkervernichtenden Terror erleben müssen“, erklärte Weißwassers OB Torsten Pötzsch bei der Gedenkveranstaltung anlässlich der Kapitulation der Wehrmacht, die das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa markierte.

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An der Veranstaltung mit Schweigeminute und Aufsteigen weißer Luftballons als Friedenssymbol durften maximal 50 Personen teilnehmen. Es waren Vertreter von Stadtverwaltung und Stadtrat, Institutionen, Vereinen und Zivilgesellschaft. Wegen Corona galt bei der Gedenkfeier: Teilnehmer- und Zeitbegrenzung, Einhaltung des Abstands, Tragepflicht von Mund-Nase-Schutz. Die Einhaltung der Regeln überwachten Polizei und Ordnungsbehörde.

Es war ein ungewohntes Bild, wie Mitgestalter der Feierstunde – darunter Vertreter des Miteinander e. V., des Kalinka-Chors Weißwasser e. V. und des Vereins Wir sind Wir – zwischen Ansprachen, Rezitationen und Gesang ihre Masken auf- und absetzten und „vermummte“ Teilnehmer Blumen und Kränze niederlegten. „Ich bin Ihnen allen hier dankbar, dass sie am Gedenken teilnehmen und gleichzeitig die Hygieneregeln ernst nehmen. Das Jahr 2020 geht in die Geschichte als eine Zeit der Virus-Krise ein. Trotzdem setzen wir ein Zeichen“, so OB Pötzsch angesichts der Besonderheiten beim Festakt. 

Als Symbol der Hoffnung, für Leben und gemeinsames Erinnern, wurde am Sowjetischen Ehrenmal eine Weißbirke gepflanzt. Enthüllt wurde vor dem russischen Nationalbaum und Symbol der Völkerverständigung zudem eine Gedenktafel. Sie erinnert künftig an den 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Terrorregime des Nationalsozialismus. Jenes Ereignis, an dem die Menschen der Ex-Sowjetunion und der Roten Armee maßgeblichen Anteil hatten und dafür, wie kaum ein anderes Volk, mit vielen Millionen Kriegstoten bezahlten.„Zwölf Jahre Naziregime, Kriegstreiben und Terror, die von Deutschland ausgingen, dürfen nicht kleingeredet werden und sind keine Geschichtsverirrung. 

Sie sind Folge von Großmachtdenken und Selbstgerechtigkeit. Meine Gefühle an diesem Tag sind tiefer Respekt vor unendlichem Leid und Freude über das Ende des Zweiten Weltkrieges, von Holocaust und Naziregime“, erklärte Antonia Mertsching (MdL -Die Linke-) in ihrer Ansprache. Darin dankte sie der Stadt Weißwasser zudem für die „tolle Idee der Baumpflanzung“ und erklärte, dass sich die Partei Die Linke weiterhin dafür einsetzt, dass der 8. Mai bundesdeutscher Gedenktag wird. An Sowjetischen Ehrenmalen gedachten gestern auch Stadträte und Bürger in Bad Muskau und anderen Gemeinden des 75. Jahrestages der Befreiung.

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