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Pirna

Gedenken an die Opfer von Hanau

In Pirna wurde am Freitag der Toten des rechten Terroranschlags gedacht und ein Zusammenstehen gegen Rassismus angemahnt.

"Stoppt die Hetze, nie wieder Rassismus" - Gedenken mit Mahnung in Pirna.
"Stoppt die Hetze, nie wieder Rassismus" - Gedenken mit Mahnung in Pirna. © Daniel Schäfer

Mehr als 80 Menschen haben in Pirna der Opfer der rassistischen Gewalttat von Hanau gedacht und gegen Rechtsextremismus demonstriert. Bei einer Kundgebung auf dem Pirnaer Markt am Freitagabend hielten sie eine Schweigeminute ab und zündeten Kerzen an. Im hessischen Hanau waren in der Nacht zum Donnerstag neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordet worden, außerdem erschoss der Täter seine Mutter und sich selbst. 

Die Kundgebung mit dem Titel "Gegen den rechten Terror" wurde von Lutz Richter, dem  Kreisvorsitzenden der Linkspartei im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, angemeldet. Linke, Grüne, die SPD, die AG Asylsuchenden und der Kulturverein Akubiz hatten gemeinsam dazu aufgerufen. Menschen aller Altersschichten waren dem kurzfristigen Aufruf gefolgt. 

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Der Schock sitze tief, sagte der frühere Landtagsabgeordnete Lutz Richter in seiner Rede, wenngleich bekannt sei, welche Gefahr von Neonazis ausgeht. Ihm gehe es vor allem darum, auf den Rassismus hinzuweisen, der den Morden von Hanau zugrunde liegt. Auch wenn der Täter allein geschossen hat, dahinter stehe eine Ideologie.

Ein Wegbereiter dafür sei die AfD. Wer den Zusammenhang zwischen den Taten und den Reden von Höcke, Gauland und anderer AfD-Politiker nicht sehe, der sei politisch blind. "Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass das verharmlost wird", sagte Richter.

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Heute, acht Jahre nach der vielbeachteten Rede, seien diese Worte leider aktueller denn je, sagte Anne Nitschke. 

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