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Gedrückte Stimmung im Waggonbau

Wie wird die Deutsche Bahn mit ihrem Nieskyer Werk umgehen? Die Ungewissheit ist groß und zerrt an den Nerven.

Von Carla Mattern

Eigentlich wollte Stephan Hennig von der Industriegewerkschaft Metall in Bautzen zum ersten Mal den Runden Tisch Waggonbau moderieren. Doch der Termin passte einigen nicht und ist nun verschoben. Auf den 22. November. Der Bautzener Gewerkschafter hofft, dass dann auch alle Zeit haben. Aus dem Büro von Landrat Bernd Lange sei gleich auf die Ankündigung des Runden Tisches ein Anruf gekommen. Der Landrat habe starkes Interesse und er will einbezogen werden, hatte er ausrichten lassen.

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Solche Reaktionen ändern zwar erst einmal nichts an den Tatsachen. Und Tatsache ist, dass das Mutterunternehmen der DB Waggonbau Niesky GmbH eine Strukturanpassung plant. Das war nicht überraschend. Denn seit dem Frühjahr wird im Nieskyer Waggonbau kurzgearbeitet. Neu war an der Nachricht jedoch, dass die Deutsche Bahn AG für ihren einzigen Güterwagenproduzenten keine guten Marktchancen sieht und deshalb nach Möglichkeiten sucht, wie es weitergehen kann. Die Frage ob es weitergehen soll, steht nicht zur Debatte. Das versicherte Bahnsprecher Mathias C. Tank auf SZ-Anfrage Anfang Oktober. Allerdings schließt der Konzern offenbar einen Verkauf nicht aus. Das ließ der zuständige Bahn-Manager Uwe Fresenborg durchblicken: „Wir suchen nach Partnerschaften, die am Standort Niesky die industriellen Arbeitsplätze erhalten sollen.“

Das bestätigt Peter Jurke. Er ist seit 1994 Mitglied des Betriebsrats, seit 2005 Betriebsratsvorsitzender im Nieskyer Waggonbau, sitzt mit am Verhandlungstisch, wenn es um die Zukunft des Unternehmens geht. „Bisher war der Betrieb auf Wachstum orientiert. Jetzt gab es die Erkenntnis, dass die Marktprognosen bis 2016 zu optimistisch gewesen sind“, sagt Peter Jurke. Jetzt werde aufgrund des geringeren Marktvolumens eine realistische Planung gemacht mit dem Ziel, dass sich das Werk rechnet und funktioniert. „Der Waggonbau wird neu ausgerichtet. Das wird aber keine Harakiri-Aktion“, sagt der Nieskyer. Und fügt hinzu: „Die Situation ist unwahrscheinlich ernst.“ Mitte des Monats kamen die Verhandlungspartner zum zweiten Mal zusammen. Jeweils gleich viele Vertreter für die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer sitzen sich gegenüber, jede Seite unterstützt durch einen Anwalt. Für die Waggonbaumitarbeiter arbeitet ein bekannter Anwalt. Er hat die Nieskyer schon mehrmals beraten, unter anderem vor dem Verkauf an die Deutsche Bahn AG.

Mitte November wird es einen nächsten Termin geben. Bevor nicht die Strukturvorschläge da und von der Arbeitnehmerseite akzeptiert sind, wird nicht über Zahlen oder Funktionen oder sogar Namen gesprochen. „Wenn es zu einem Personalabbau kommen muss, dann muss das sozialverträglich passieren“, sagt der Betriebsratsvorsitzende. Und fügt hinzu: „So weit sind wir noch lange nicht“.

Die Situation zerrt an den Nerven. Obwohl zurzeit in den Hallen an den roten gedeckten Autotransportwagen sowie an Baugruppen für die Firma Stadler gebaut wird. Für das kommende Jahr sind 200 Schiebewandwagen bestellt. Trotzdem reicht das noch längst nicht, um die knapp 300 Männer und Frauen zu beschäftigen. Das Damoklesschwert über den Köpfen begleitet viele Waggonbauer auf Schritt und Tritt. „Die Stimmung in der Belegschaft ist sehr gedrückt“, sagt Peter Jurke.

Ein Waggonbauer, der seit 1976 in dem Werk arbeitet, sagt gegenüber der SZ, Warum. Viermal habe er bereits Insolvenzen, Verkäufe und Neuanfänge erlebt. „Das war immer vor Weihnachten“, sagt er. Bei der Belegschaftsversammlung Anfang Oktober waren den Waggonbauern auch neue leitende Mitarbeiter vorgestellt worden. Auch darum machen sich einige so ihre Gedanken. Der Geschäftsführer fehlt krankheitsbedingt schon längere Zeit. Der kaufmännische Geschäftsführer ist nur noch bis Monatsende da. Ein Nachfolger wird bereits eingearbeitet. Auch einen neuen Vertriebsleiter gibt es.

Nicht nur die Waggonbaumitarbeiter stellen sich viele Fragen. Auch die ehemalige Betriebsratsvorsitzende Christine Lorenz macht sich Gedanken. Als 2008 die Deutsche Bahn AG den Nieskyer Waggonbau aus der Insolvenz übernahm, sei die Zuversicht auf Kontinuität groß gewesen, sagt Christine Lorenz. Sie fiebert mit den Waggonbauern mit.