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Geduld-Kreuzung für Fußgänger

Lange Rotphasen verleiten Fußgänger am Abzweig zur Prager Straße immer wieder zu gefährlichen Manövern.

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© steffen füssel, steffen fuessel

Von Mélanie Gonzales

Helmut Metschke sitzt auf seinem Balkon. Vor dem Haus ist der Auflauf groß. Ein Unfall mit Fußgängern. „Schon wieder“, sagte sich der Anwohner der St. Petersburger Straße. Rettungswagen und Polizei waren bereits an der Kreuzung zur Prager Straße vor Ort, die Ursachensuche in vollem Gange. Es war nicht das erste Mal, dass Metschke Zeuge eines solchen Unfalls wurde. „Blaulicht der Rettungswagen blinkt sehr oft, hier passiert ständig etwas.“

Für den Rentner ist die Ursache klar: Die Fußgänger müssten nicht nur die Straßenbahnschienen, sondern auch die vierspurige St. Petersburger Straße überqueren. Dabei sind drei Verkehrsampeln zu beachten. „Meistens ist Rot. Aber häufig kommt überhaupt kein Auto. Was machen die Leute also? Sie gehen los.“ Selbst Eltern mit Kindern würden oft nicht warten, bis die Ampel auf Grün schaltet. Deshalb fragt sich Metschke mittlerweile immer öfter, ob der Fußgängerübergang noch sicher genug ist. „Sind die Ampeln schlecht aufeinander abgestimmt?“

Stadtsprecher Karl Schuricht erklärt, dass die Ampeln im Bereich St. Petersburger Straße in den Verkehrszug auf der Bundesstraße 170 eingebunden sind. Die Schaltung erfolgt in Abhängigkeit von der Verkehrslage. Wie lange eine Ampel Rot oder Grün anzeige, hänge von den unterschiedlichen Bedingungen an den einzelnen Verkehrsknotenpunkten und den Abständen zwischen den Ampeln ab. So eine Koordination sei schwierig. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass der Kfz-Verkehr Grün hat, obwohl überhaupt kein Auto oder Motorrad fährt.

Wenn Steuerprogramme entwickelt werden, müsse aus allen Einflüssen ein Kompromiss gefunden werden, sagt Schuricht. An der St. Petersburger Straße haben die Fußgänger auf beiden Straßenseiten gleichzeitig Grün. Die Phase dauert laut Schuricht so lange, dass die Fußgänger die andere Straßenseite erreichen könnten, ohne auf der Mittelinsel zu warten. Für die Polizei ist die Stelle noch kein Schwerpunkt. Dieses Jahr sei ein Unfall registriert worden, 2012 waren es vier, teilt Sprecher Thomas Geithner mit.