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Gefährliche Huckelpiste am Martin-Luther-Platz

Seit knapp sechs Monaten wird der Platz umgestaltet. Die Anwohner sind zunehmend genervt von der Baustelle.

© Norbert Millauer

Von Gideon Ötinger

Ein Fahrradfahrer mit klapprigem Damenrad beschallt den halben Martin-Luther-Platz, als er auf einem provisorischen Weg über die Baustelle fährt. Eltern mit Kinderwagen mühen sich durch die Schotterbahnen und kommen kaum voran. Alltag für die Fußgänger.

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Ines Zapke steht zusammen mit anderen Anwohnern am Rand der Baustelle. Ständig müssen sich Fußgänger oder Radfahrer auf dem engen Weg an der Gruppe vorbeidrängen. Zapke verweist noch auf andere Hindernisse und hebt einen der großen Steine vom Boden auf. Sie wohnt seit 1987 am Platz. An der Baustelle stört sie vor allem eins: „Die Sicherheit ist nicht gewährleistet.“ Das musste die Dresdnerin am eigenen Leib erfahren. Im September hat sie sich eine Kopfplatzwunde mit Gehirnerschütterung zugezogen. „Nachts ist es hier wegen der Baustelle stockdunkel. Da bin ich über ein Verkehrsschild gestolpert, das auf dem Boden lag“, erzählt sie. Die Straßenlaternen sind ab 23 Uhr ausgeschaltet. In Verbindung mit den Bauzäunen und der verwirrenden Wegführung sei das Leben am Platz „absolut chaotisch“, so die Neustädterin Zapke.

Eckehard Möller sieht das anders. Er ist Pfarrer in der Martin-Luther-Kirche. „Ich arbeite und wohne hier direkt am Platz. Ich bin also 24 Stunden vor Ort. Aus meiner Sicht ist hier alles gut“, sagt der 51-Jährige. Er sagt zwar auch, dass die Baustelle tagsüber etwas unübersichtlich sei, lobt aber die Bauleitung und insbesondere die Arbeiter vor Ort. „Die sind wirklich sehr kulant und nehmen Rücksicht auf die Anwohner. Wie selbst die Baggerfahrer Platz für Fußgänger machen, das ist wirklich spitze“, sagt der Geistliche. „Und wenn mal Hilfe benötigt wird, helfen sie auch gern.“ Das bestätigt Ines Zapke zwar, aber ihrer Ansicht nach liegt das Problem nicht bei den Bauarbeitern. „Nach meinem Unfall habe ich mich wegen des mangelnden Lichts ans Straßen- und Tiefbauamt gewandt. Aber von da kam keine Reaktion.“ Dem widerspricht Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz. „Wir haben ihr am 6. Oktober geschrieben, dass wir den Vorfall bedauern und dass sie Schadenersatz fordern solle“, sagte er auf SZ-Anfrage. Ihrer Forderung nach besseren Lichtverhältnissen entgegnet er, dass dafür nicht das Straßen- und Tiefbauamt zuständig sei, sondern die zuständige Baufirma.

Dass sich am Licht etwas ändern müsse, sagt auch Marco Joneleit. Der Ortsbeirat der Grünen wohnt ebenfalls am Martin-Luther-Platz. Auch für ihn als Radfahrer seien die Wege nicht optimal. Ansonsten ist er vom Projekt überzeugt. „Von der Umgestaltung des Platzes erhoffe ich mir vor allem eines: Ruhe“, sagt er. Durch den Wegfall von vielen Parkplätzen hofft er außerdem auf wesentlich weniger Autos am Martin-Luther-Platz und in der Neustadt.

Seit Mitte Juni dieses Jahres wird der Platz umgestaltet. Die Stadt hat eine Zeit von sechs Monaten für den Umbau eingeplant. Am 12. Dezember soll er fertig sein. Gebaut wird in zwei Abschnitten, dem Nord- und dem Südbereich. Seit Anfang Oktober sind die Arbeiten am nördlichen Teil abgeschlossen. Jetzt wird an der anderen Seite gearbeitet. Zum Baustand des Platzes gibt es geteilte Meinungen.

Einer der Anwohner, ein ehemaliger Bauleiter, sagt: „Für mich sieht es so aus, als seien gerade mal 40 Prozent abgeschlossen.“ Der Umbau sei planmäßig, betont allerdings Reinhard Koettnitz. „Vorbehaltlich, dass es bis dahin keine außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse gibt, ist der 12. Dezember der Fertigstellungstermin“, teilte er auf SZ-Anfrage mit. Zudem habe letzte Woche die Plattenverlegung begonnen. Deshalb sollen die Fußwege schon bald wieder normal nutzbar sein.