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Gefährlicher Badespaß

Trotz Verbot kommen viele Badegäste an das Ottendorfer Kieswerk. Der Betreiber will jetzt den Wachdienst verstärken.

Von Marleen Hollenbach

Die Sonne prasselt, die Temperatur steigt, kein Lüftchen weht. Am Kieswerk in Ottendorf ist es still. Große Schilder stehen hier. Die Aufschrift lässt keine Zweifel aufkommen. Das Betreten des Firmengeländes ist verboten. Dennoch herrscht weit hinter den Zäunen reges Treiben. Die einen liegen auf dem feinen Kies in der Sonne, die anderen schwimmen im türkisfarbenen Wasser. Sie alle hier haben eines gemeinsam: Obwohl sie nur nach einer Erfrischung suchen, begehen sie gerade Hausfriedensbruch.

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Thomas Gruschka ist der Geschäftsführer des Ottendorfer Kieswerkes. Seit Jahren hat er es mit den ungebetenen Gästen zu tun, die auf seinem Betriebsgelände unterwegs sind. Seit Jahren erzählt er gebetsmühlenartig, dass das Baden hier nicht nur verboten, sondern wirklich gefährlich ist. Doch nicht jeder hört darauf. Auch am Pfingstwochenende war am Kieswerk wieder reger Betrieb. Unzählige Badegäste wollten hier abtauchen. Sie alle übersahen die drohende Gefahr. Die Gruben sind bis zu zwölf Meter tief. Und gerade dort, wo noch gebaggert wird, kann es zu Abrutschungen an den Uferböschungen kommen. Auch an den Schlammbecken ist Vorsicht geboten. Wer in den dort angehäuften Ablagerungen zu tief versinkt, kommt aus eigener Kraft nicht wieder heraus.

Dabei ist es gar nicht ratsam, sich auf dem Gelände des Kieswerkes zu verletzen. Hier gibt es keinen Rettungsschwimmer oder gar einen Sanitäter. Erst wenn etwas passiert, bemerken die meisten das. So war es auch am Wochenende. Ein Schwimmer hatte sich eine Schnittwunde zugezogen, ein Badegast das Bewusstsein verloren. Um den illegalen Schwimmern zu helfen, musste die Ottendorfer Feuerwehr gleich zweimal anrücken. Die Verunfallten wird es doppelt treffen. Sie mussten lange darauf warten, dass die Feuerwehr ihnen zur Hilfe eilte, anstatt zügig von einem Sanitäter versorgt zu werden. Außerdem können sie mit einer Anzeige rechnen. „Der Rettungsdienst darf uns nicht sagen, wer versorgt worden ist. Aber wenn wir die Namen herausfinden, dann bringen wir das zur Anzeige“, sagt Thomas Gruschka. Über den Zaun klettern, mussten die Feuerwehrleute im Übrigen nicht. Sie haben einen Schlüssel zum Betriebsgelände. Den hat auch der Wachdienst, um sich Zutritt zu verschaffen. Seit 2010 ist der Wachschutz am Kieswerk aktiv. Die Kontrollen haben dafür gesorgt, dass die Anzahl der illegalen Badegäste in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist. Doch überall kann der Wachdienst nicht sein. „Wenn wir das gesamte Gelände mit einem Wachschutz kontrollieren wöllten, bräuchten wir eine Armee“, sagt Thomas Gruschka. Um aber noch mehr Badegäste vertreiben zu können, soll der Wachdienst in diesem Jahr verstärkt werden.

Und noch etwas soll abschrecken. Die Badegäste begehen nicht nur Hausfriedensbruch, weil sie das Betriebsgelände betreten. Sie parken auch regelwidrig. Hier greift die Ottendorfer Gemeindeverwaltung hart durch, lässt ihre zuständigen Mitarbeiter auf den Straßen um das Kieswerksgelände herum fleißig an die von den Badegästen im Park- oder Halteverbot abgestellten Autos Knöllchen heften. „Diese Maßnahme hat schon in den vergangenen Jahren sehr geholfen. Wenn wir es jetzt noch verstärken, hoffen wir, dass auch der letzte Besucher auf das Baden im Kieswerk verzichtet“, so Thomas Gruschka.

Die Ottendorfer diskutieren derweil bei Facebook. Die meisten ärgern sich über die Badegäste, die auch noch ihren Müll liegen lassen würden. Sie haben kein Mitleid mit denen, die sich beim Baden verletzen. „Die Kiesi bleibt nun einmal ein Betriebsgelände. Die Leute sind selber schuld, wenn sie sich dort verletzten“, sagt zum Beispiel ein Ottendorfer. Und eine Anwohnerin stimmt ihm zu, berichtet von ganzen Scharen von Jugendlichen, die mit dem Zug von Dresden nach Ottendorf zum Baden fahren. „Ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum man dort nicht endlich mit harten Bandagen durchgreifen kann“, sagt sie.