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Gefährliches Radeln

Fehlende Übergänge und zu lange Rotphasen machen es den Radfahrern auf der Stauffenbergallee schwer. Gerade für Schulkinder ist es dort unsicher.

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

Jeden Morgen bringt Oliver Mehl seinen Sohn Tadeus mit dem Fahrrad bis zur Kreuzung Königs- brücker/Stauffenberg- allee. Der Anwohner und Neustädter Ortsbeirat (Grüne) weiß, dass der Zehnjährige den Weg zur Freien Waldorfschule auf der Marienallee eigentlich allein schaffen müsste. Schließlich geht er in die vierte Klasse. Doch auf der Stauffenbergallee sei es einfach zu gefährlich. Das hohe Verkehrsaufkommen, fehlende Überwege und unsinnige Ampelschaltungen machen die Magistrale zur Gefahrenquelle. Mehl kämpft deshalb – zusammen mit vielen anderen Anwohnern und Eltern – schon seit zwei Jahren darum, dass sich die Situation verbessert. Doch getan hat sich bislang nichts. Ein Vor-Ort-Termin mit dem Straßen- und Tiefbauamt (STA) kam trotz mehrfacher Anfrage nicht zustande. Dabei wollte Mehl die drei gefährlichsten Punkte vorstellen.

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Zum ersten Mal wird es an der Ecke zur Rudolph-Leonhard-Straße brenzlig. Denn einen Überweg gibt es an der Stelle nicht, auch ein Fahrradweg fehlt. Weil an der Ecke aber reger Verkehr herrscht, ist es gerade für Schulkinder gefährlich, die Straße zu passieren. „Wir fahren deshalb immer auf der Hauptstraße“, so Mehl. Das sei aufgrund der Straßenbreite zwar mitunter auch beängstigend. „Aber auf dem Fußweg werden wir von den Autofahrern überhaupt nicht wahrgenommen.“ Alleine will Mehl seinen zehnjährigen Sohn deshalb dort nicht fahren lassen. Bis zur Unterführung am Dammweg bringt der Anwohner ihn mindestens. Obwohl die nächste Gefahrensituation ganz nah ist.

Denn auch die Ampel an der Kreuzung Königsbrücker Straße/Stauffenbergallee hat so ihre Tücken. Weil der Bus der Linie 64, der über die Stauffenbergallee fährt, eine Vorrangschaltung aktiviert, müssen Fußgänger und Radler teilweise sehr lange an der roten Ampel stehen. „Bei mir waren es schon mal fünf Phasen“, sagt Tadeus. Der eine oder andere verliert bei so viel Warterei die Geduld. Statt an der Fußgänger- und Radfahrerampel zu stehen, düsen sie gemeinsam mit den Autos die Stauffenbergallee entlang. Doch das ist verboten, weil es an dieser Stelle nun einen Radweg gibt. Und gefährlich ist es auch. Denn nutzen die Radler nicht die eigene Ampel, werden Rechtsabbieger nicht gewarnt und können die Verkehrsteilnehmer leicht übersehen.

„Mich ärgert es, dass die Fahrradfahrer ständig vergessen werden“, sagt Mehl. Denn an der Ecke zur Königsbrücker Straße gibt es noch ein Problem: Der Radweg neben der Bushaltestelle ist zu schmal. Auch die Mittelinseln an der Marienallee sind nicht breit genug, vor allem wenn Radler mit Kinderanhängern unterwegs sind. „Es kann doch nicht sein, dass immer erst etwas gemacht wird, wenn was passiert ist“, so Mehl. Die Stadt soll handeln, findet er. Bei ersten Gesprächen mit anderen Eltern, Anwohnern und den Leitern der umliegenden Schulen kam schnell heraus: Auch andere kennen die Probleme. Also nahm Mehl die Sache in die Hand und schrieb ans Straßen- und Tiefbauamt.

Doch die Antwort der Stadt war enttäuschend. Auch gegenüber der SZ teilt Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz mit, dass erst im Zuge der Sanierung der Stauffenbergallee eine Ampel errichtet werden soll. „Eine Zwischenlösung ist nicht vorgesehen“, sagt er. Für Mehl vollkommen unverständlich. Schließlich steht der Baustart für die marode Holperpiste noch in den Sternen, vor 2020 ist nicht damit zu rechnen. An der Ecke zur Königsbrücker Straße ist ebenfalls keine Lösung in Sicht.

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„Dort wurde der Öffentliche Personennahverkehr entsprechend eines Stadtratsbeschlusses bevorrechtigt“, sagt Koettnitz. Im Dezember vergangenen Jahres habe es außerdem eine Änderung an der Ampelschaltung gegeben, um mit dem extrem hohen Verkehrsaufkommen klarzukommen. „Wie sich das auf den Fußgänger- oder Radverkehr auswirkt, muss noch betrachtet werden“, so der Amtsleiter. Allerdings hatte das STA schon 2013 versprochen, die Lage an der Kreuzung zu überprüfen. Doch genau wie ein Vor-Ort-Termin ist dies im Sande verlaufen. Ob an einer Begehung kein Interesse besteht, wollte Koettnitz gegenüber der SZ nicht sagen.