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Gefängnis-Essen für Hotelbetrüger

Ein gut aussehender Mann stieg in drei teuren Hotels in Meißen und Bad Schandau ab. Bezahlt hat er aber nicht. Nun kommt die Rechnung von der Justiz.

Auch das Hotel Goldenes Fass in Meißen wurde Opfer eines Betrügers.
Auch das Hotel Goldenes Fass in Meißen wurde Opfer eines Betrügers. © Claudia Hübschmann

Von Friederike Hohmann

Ein Pilzsüppchen als Vorspeise, Gurkenschmand zur Wildfrikadelle, dazu einen Riesling, ein Gläschen Merlot und an der Bar dann noch einen Gin Tonic. So sieht der derzeitige Speiseplan von Tom W. sicher nicht aus, denn seit drei Wochen sitzt er eine nicht bezahlte Geldstrafe in der JVA Stralsund ab. Dort wohnt er nicht in einem geräumigen Doppelzimmer mit Kingsize-Bett und prall gefüllter Minibar, aus der er sich jederzeit mit Knabberzeug und Getränken versorgen kann - wie in der Vergangenheit.

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Ende Oktober 2018 stieg der 36-jährige Deutsche aus Pasewalk zunächst im Hotel Goldenes Fass in Meißen ab. Drei Übernachtungen hatte er in dem 4-Sterne-Hotel gebucht, 391 Euro standen später auf der Rechnung, die W. gar nicht erst in Empfang nahm. Nach zwei Nächten in Meißen war er schon ins nächste Hotel gewechselt. Nun ließ er es sich im Parkhotel Bad Schandau gut gehen, wo er sich für fünf Nächte eingemietet hatte. Dass er auch dort, wo später knapp 900 Euro auf der Rechnung standen, schon einen Tag eher abreiste, hatte nichts mit der Qualität des Hotels zu tun. Auch in diesem 4-Sterne-Hotel stimmte der Service.

Ganz in der Nähe wartete man nun schon in der Elbresidenz Bad Schandau ahnungslos auf Tom W. und brachte ihn in einem Doppelzimmer Deluxe unter. An den folgenden Tagen tat man auch dort alles, damit der Gast sich wohlfühlte. Gut 1.000 Euro inklusive Trinkgeld wies die nach Pasewalk nachgesandte Rechnung aus dem 5-Sterne-Hotel aus. Auch hier hatte er sich still und heimlich aus dem Staub gemacht. Doch weil es inzwischen eine Warnung vor dem gut aussehenden Mann mit halblangem Haar und gepflegtem Bart von der DEHOGA gab, wartete beim nächsten Hotel bereits die Polizei auf ihn.

W. hätte den Eindruck eines zahlungsfähigen und zahlungswilligen Gastes erzeugt, aber von Anfang an nicht vorgehabt, die Rechnungen zu bezahlen, resümierte die Staatsanwältin in der Anklage vor dem Amtsgericht Pirna.

Tom W. saß ohne Verteidiger auf der Anklagebank und versuchte dem Gericht zu erklären, wie es dazu gekommen war, dass er am 25. Oktober 2018 nach Meißen fuhr und so tat, als könne er sich das alles leisten. Er hätte über Monate seine Partnerin und seine Freunde angelogen und behauptet, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Nachdem seine Freundin ihm auf die Schliche gekommen sei, wäre er vor seinen Freunden und der Verantwortung vor sich selbst davongelaufen. Er habe sich in den Zug Richtung Dresden gesetzt und dort die Übernachtungen im Hotel Pullmann auch noch selbst bezahlt. Dann hätte er nur noch das Geld für den Zug nach Meißen und später nach Bad Schandau gehabt.

In seinem Leben sei bisher viel schiefgelaufen. Die nach dem Realschulabschluss begonnene Lehre zum Maurer schloss er zwar ab, arbeitete dann aber nicht lange in dem Beruf. Später begann er eine Lehre zum Hotelfachmann, die er schon nach drei Monaten abbrach. Schweißerpässe hätte er gemacht und in verschiedenen Hilfsarbeiterjobs für eine Zeitarbeitsfirma gearbeitet, immer in der Hoffnung, übernommen zu werden. Er hätte sich erst um seinen drogenabhängigen Bruder und dann um seine schwerkranke Mutter, die später verstarb, gekümmert. Das alles hätte ihn sehr mitgenommen. Seit einigen Jahren bezieht er nun schon Hartz IV. Er habe Bewerbungen geschrieben und gewartet.

Das Vorstrafenregister ist lang. „Das waren alles Hotels“, sagt W. vor dem Gericht. Erst vor wenigen Tagen war er in Neubrandenburg zu einer Haftstrafe von fünf Monaten wegen solcher Betrugsdelikte verurteilt worden.

Die Richterin sieht bei Tom W. keine gute Prognose und verurteilte ihn wegen Betrugs in drei Fällen zu neun Monaten Haft. Außerdem muss er Wertersatz in Höhe von 2.320 Euro zahlen. Das Geld sollen die geschädigten Hotels erhalten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Die Strafe muss jetzt aber noch mit der aus dem Neubrandenburger Urteil zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst werden. Da Tom W. für die Haftstrafe keine Bewährung erhält und weitere Verfahren anhängig sind, wird er noch eine Weile mit dem Speiseplan des Gefängnisses vorlieb nehmen müssen.

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