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Gefängnisgarten für Pilger geöffnet

Wandernde Sinnsucher können ab sofort einen Abstecher in den Knast machen. Was sie dort erwartet.

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Zeithains Justizvollzugsanstalt (JVA) ist jetzt eine Pilgerstätte: Wanderer, die auf dem ökumenischen Pilgerweg zwischen Görlitz und dem hessischen Vacha unterwegs sind, können ab sofort im Garten des offenen Vollzuges einkehren und Energie tanken.

Am Freitag wurde die „Pilgeroase“eröffnet. Die Idee, die JVA zum Rastplatz für Wallfahrer zu machen, stammt von Christel Bakker-Bents. Die 53-Jährige ist seit Herbst 2013 Gefängnisseelsorgerin in Zeithain. Immer wieder habe sie die Wanderer an der nahe der JVA gesehen, sagt die Pfarrerin. „Der ökumenische Pilgerweg führt ja hier direkt vorbei.“ Zusammen mit dem Pilgerwegs-Verein und der Gefängnisleitung wurde das Vorhaben des Pilgerortes binnen weniger Wochen umgesetzt.

Jetzt findet sich das Pilgerweg-Symbol, die gelbe Muschel auf blauem Grund, vorm JVA-Tor und weist den Weg in die Gartenanlage des offenen Vollzugs. Dort gibt es neben einem Teich, Gemüsebeeten sowie einer kleinen Tierfarm auch eine Laube mit überdachter Sitzecke. In dem schattigen Eckchen sollen die Insassen des offenen Vollzugs den erschöpften Pilgern künftig ein Getränk kredenzen. Aus den Begegnungen sollen sich wiederum Gespräche zwischen Pilgern, Gefangenen und Vollzugsmitarbeitern ergeben.

Auch der Anstaltsleitung ist es wichtig, den Vollzug weiter nach außen hin zu öffnen. „Mit diesem Schritt soll es gelingen, weitere Einblicke in eine moderne JVA zu geben“, erklärt der Vize-Leiter der Zeithainer Anstalt, Mathias Weilandt.

Einfach hereinspazieren sollen die Besucher aber nicht. Einzelpersonen und kleine Gruppen sind gehalten, sich vorm Gang in den Garten an der Torwache zu melden. Ab einer Gruppengröße von fünf Personen ist eine Voranmeldung in der JVA nötig. Im offenen Vollzug der Zeithainer Anstalt leben derzeit 22 Gefangene. (ewe)