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Gefängnisstrafe für einen Stalker

Ein 24-Jähriger muss ins Gefängnis, weil er seine Ex-Freundinnen belästigt hat – mit Fotos von ihnen im Internet.

Von Jens-Rüdiger Schubert

Wenn Andi Schmidt* gestern vor dem Görlitzer Landgericht erschienen wäre, hätte er sofort seine Reise ins Gefängnis antreten können. Doch der 24-jährige, der selbst gegen ein über ihn verhängtes Urteil des Amtsgerichtes Löbau Berufung eingelegt hatte, ist untergetaucht. Dass er dazu durchaus Grund hat, beweist der Ausgang des Verfahrens: Schmidt ist in Löbau zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, weil er Fotos seiner Ex-Freundin auf den Internetplattformen Facebook und Snapscout veröffentlicht hatte, ohne dazu eine Genehmigung von ihr besessen zu haben. Diese Bilder verzierte er zudem mit sinnlosen Sprüchen und falschen Behauptungen. So schrieb er bei seinen Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken beispielsweise, dass seine Ex-Freundin im dritten Monat schwanger sei. Darüber hinaus schickte er der 18-Jährigen massenhaft Kurznachrichten auf das Handy und weitere Botschaften über andere Medien. Kurzum: Er terrorisierte die junge Frau permanent.

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Während der Beziehung hat er mit ihr in einem Dorf nahe Löbau gewohnt. Doch zunehmend bröckelte es zwischen den beiden, es kam zum Bruch. Den anschließenden Terror über Handy und Internet wollte sich die Ex-Freundin nicht gefallen lassen und musste sich juristisch wehren, damit sie endlich zur Ruhe kommen konnte.

Der Gesetzgeber bezeichnet ein solches Verhalten als Stalking. Das ist eine Straftat und unterliegt dem Gewaltschutzgesetz. Die Ex-Freundin erwirkte auf dieser Grundlage eine Unterlassungsverfügung. Damit einher geht ein Kontaktverbot zu der betreffenden Person. Jeder Verstoß dagegen ist eine weitere Straftat. Doch Andi Schmidt machte trotzdem weiter.

In dem daraufhin folgenden Gerichtsverfahren in Löbau wies ihm die Staatsanwaltschaft 18 Verstöße gegen die Unterlassungsauflagen nach. Und noch eines wurde bei der Verhandlung deutlich: Es war nicht das erste Mal, dass der junge Mann eine Ex-Freundin gestalkt hat. Bereits im Februar 2011 war er wegen der gleichen Vorgehensweise bei einer anderen Frau ebenfalls im Raum Löbau zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Genauso wie in dem jüngeren Fall hatte er seine Ex-Freundin mit Fotos und Nachrichten belästigt und diffamiert. Die Bewährungsstrafe dafür war zum Zeitpunkt der neuerlichen Straftat noch nicht abgelaufen. Somit muss er nun auch diese ersten zehn Monate absitzen – insgesamt wartet demnach über ein Jahr Gefängnis auf ihn.

Den festgelegten Haftantrittstermin hat er jedoch verstreichen lassen und ist untergetaucht. Selbst sein Pflichtverteidiger musste einräumen, dass er schon seit Wochen keinen Kontakt zu seinen Mandanten hat. Auch die Staatsanwaltschaften von Stade und Oldenburg würden gern wissen, wo sich der Mann derzeit aufhält. Worum es in ihren Ermittlungen geht, wurde aber nicht öffentlich bekannt.

In der Verhandlung vor dem Landgericht Görlitz verwarf der Vorsitzende Richter, Uwe Böcker, folgerichtig die Berufung und bestätigte damit das Urteil des Amtsgerichtes Löbau vom 23. November 2013. Neben der längeren Haftstrafe muss Schmidt nun auch die Kosten des Berufungsverfahrens und die Ausgaben seiner Freundin, die als Nebenklägerin aufgetreten war, zahlen.

*Name von der Redaktion geändert