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Gefahr am Hang

Die Stützmauer am Berg der Staatsstraße droht einzubrechen. Doch das Landesamt hält die Tanneberger hin.

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© hübschmann

Von Dieter Hanke

Wolfgang Rentzsch ist erbost. „Das ist eine Sauerei. Immer wieder werden wir von der Straßenbaubehörde mit dem Baubeginn vertröstet“, sagt der Tanneberger. Er wohnt direkt am Berg an der Staatsstraße 36. Dort droht die etwa 100 Meter lange Stützmauer einzubrechen, Säulen haben sich schon bedenklich geneigt. Aus dem Bett des dahinter fließenden Baches brechen Natursteine aus. Auch der Unterbau der Straße ist abgesackt. Dellen und Löcher behindern Kraftfahrer. Wenn nicht Warnbaken, 30 km/h-Tempolimit und eine einspurige Regelung durch Ampeln vorhanden wäre, müsste wohl die Straße hier gesperrt werden. Schon seit Jahren hatte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr diesen Abschnitt der S 36 von Wilsdruff nach Deutschenbora in die schlechteste Bauzustandsstufe eingeordnet.

„Bei Stau am Nossener Autobahndreieck benutzen die schweren Laster und andere Kraftfahrzeuge die Staatsstraße als Umleitung. Dann ist es besonders fürchterlich. Man kommt nicht über die Straße. Da ein Fußweg fehlt, sind die Einwohner stark gefährdet“, sagt der 73-jährige Wolfgang Rentzsch, der früher in der Nossener Papierfabrik gearbeitet hat.

Seit Jahren werden die Anwohner am Berg vom Landesamt für Straßenbau verschaukelt. „Wir mussten im Herbst 2013 unser Gewächshaus abbauen und Sträucher, Blumen und Stauden umsetzen. Auch drei hohe Silberfichten vor unserem Haus wurden gefällt. Es würde Platz für die Verlegung des Grabens benötigt, sagte uns das Landesamt. Im Frühjahr 2014 soll es losgehen. Darauf warten wir heute noch“, so Wolfgang Rentzsch. Und seine Frau Ursula ergänzt: „Die betroffenen Flächen verunkrauten. Es ist schlimm, wie mit uns umgegangen wird. Keine Informationen. Wir sind doch Menschen und keine statistischen Planobjekte.“ Auch in den anderen Grundstücken am Berg ist die Wut der Bürger über diese schlechte Vorbereitung der Baustelle groß. „Keiner weiß, was wird. Immer diese Verschiebungen. Das geht schon Jahre lang so“, sagt Ursula Lehmann. Auch die 78-Jährige hatte schon vor einiger Zeit Pflanzen versetzt, um Baufreiheit zu schaffen. Gemeinderat Uwe Krause, der in Tanneberg wohnt, sagt: „Die Planungen für die Straße hätten viel eher beginnen müssen. Die Bürger haben das jetzt auszubaden.“

Auch die Gemeinde ist verärgert. Vor einiger Zeit waren die Klipphausener zusammen mit der Straßenbaubehörde des Landes in der Landesdirektion Sachsen, um Fördermittel für die Stützmauer an der Straße zu erhalten. Denn bei Starkniederschlägen und Hochwasser hatte das Bauwerk stark gelitten. Der Kommune wurden dafür Fördergelder in Aussicht gestellt. „Doch auf den Bescheid warten wir heute noch“, sagt Bürgermeister Gerold Mann.

Auf SZ-Nachfrage verkündete das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wieder mal einen neuen Termin für den Baustart. „Die Arbeiten für den ersten Bauabschnitt beginnen am kommenden Montag und sollen bis Anfang Dezember abgeschlossen werden“, sagt Sprecherin Isabell Siebert. Geplant sei der Abbruch der 93 Meter langen einsturzgefährdeten Trockenmauer aus dem Baujahr 1920 und der Ersatzneubau einer 80 Meter langen Stahlbetonstützwand als Abgrenzung des Gehweges zum Neutanneberger Dorfgraben. Siebert weiter: „Auf der Baulänge von rund 150 Metern wird die Wilsdruffer Straße grundhaft ausgebaut und an den Anschlüssen an den Bestand angepasst. Zudem ist der Neubau eines Gehweges am südlichen Fahrbahnrand vorgesehen.“ Auch Anpassungsarbeiten im Bereich der Anliegerstraße „An der Triebe“ würden zum Bauumfang gehören.

Laut Landesamt betragen die Kosten rund 970 000 Euro, die vom Freistaat getragen werden. Die Verkehrsführung würde über die Bauzeit mit einer Baustellenampel unter halbseitiger Sperrung erfolgen.