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Gefahr droht vom Staubecken in Reichenbach

Bevor aber die Bagger zur Sanierung von Damm und Anlagen anrücken, müssen Eigentumsfragen geklärt sein.

Von Dieter Hanke

Idyllisch ist es am Staubecken in Reichenbach in der Gemeinde Klipphausen: Die Natur erwacht wieder – Sträucher blühen am Ufer, Bienen summen, Vögel zwitschern. Im Sommer werden wieder zahlreiche Badelustige und Sonnenhungrige das Areal aufsuchen.

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Doch die Idylle trügt. Denn das Speicherbecken, das an Gemeindestraße von der S 177 nach Reichenbach liegt, ist in die Jahre gekommen. Vor mehr als drei Jahrzehnten war das insgesamt 25 000 Quadratmeter große Wasserreservoir – entspricht etwa fünf Fußballfeldern – vom damaligen Rat des Kreises Meißen finanziert und gebaut worden. Es diente der einstigen LPG Bockwen zur Bewässerung von Kulturen sowie zum Hochwasserschutz. Denn 1970 wurde bei einem Unwetter der 1,5 Kilometer entfernte Campingplatz Rehbocktal völlig vom Riemsdorfer Wasser verwüstet.

Nun ist der Erddamm des Gewässers zum Teil undicht. Gelegentlich tritt Sickerwasser aus. Wühlmäuse unterhöhlen das Erdreich. Ein Gutachten, das vor Jahren vom einstigen staatlichen Umweltfachamt in Radebeul erstellt wurde, hatte schon damals eine Durchfeuchtung des Damms festgestellt. Aber es gibt noch mehr Mängel. Auch die Überlaufrinne und weitere Anlagen des Wasserreservoires sind verschlissen. „Es muss etwas getan werden“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos).

Doch das ist nicht so einfach. Nach der Wende wurde hier eine Flurneuordnung versäumt, um klare rechtliche Regelungen zu schaffen. Das hatte auch zur Folge, dass die Gemeinde Klipphausen über Jahre mit dem Landkreis Meißen im Streit war, wer nun für das Speicherbecken verantwortlich ist. Denn in den 90er Jahren gingen die Staubecken-Anlagen an die Treuhand, später an den Landkreis Meißen. Die Flächen bekamen private Alteigentümer zurück, einen Teil davon erhielt auch die Gemeinde Klipphausen, so auch den Parkplatz an der Straße. Das Gewässer wurde für die Fischerei verpachtet. Später erwarb Klipphausen noch weitere Flurstücke des Wasserspeichers aus privater Hand. Das betraf insgesamt eine Fläche von knapp 6 000 Quadratmetern.

Hinzu kam, dass Besitzer von Flurstücken wechselten, was die Eigentumsverhältnisse weiter verworren machte. So kaufte zum Beispiel vor einiger Zeit ein Unternehmen des Landes Sachsen eine Fläche unmittelbar am Gewässer, wo sich ein Weinberg befindet. Der Staudamm des Rückhaltebeckens gehört aber mit zu diesem Grundstück.

Experten stellen Schäden fest

Nach Ansicht des Landkreises Meißen obliegt der Gemeinde Klipphausen die Gewährleistung der Hochwasser-Schutzfunktion des Speicherbeckens. Doch klare rechtliche Regelungen, welcher Eigentümer der Flächen nun wofür verantwortlich ist, fehlen nach wie vor.

Der Bürgermeister: „Um in dieser diffizilen Angelegenheit voranzukommen, haben wir erst mal ein Ingenieurbüro beauftragt, den Zustand des Beckens zu untersuchen und Vorschläge für dessen Sanierung zu unterbreiten.“ Dann will sich die Gemeinde mit den Besitzern zusammensetzen, um zu klären, wer welchen Anteil an der Sanierung des Bauwerks übernimmt. Auf mehrere Hunderttausende Euro werden sich wohl die Kosten belaufen.

Dem Bürgermeister ist klar, dass nicht mehr übermäßig viel Zeit dafür zur Verfügung steht. Denn das Rückhaltebecken wird nicht besser. Nicht auszudenken, wenn der Damm bei Starkniederschlägen brechen würde. Mehr als 9 000 Kubikmeter Wasser würden dann durch das enge abschüssige Tal genau auf den Campingplatz Rehbocktal stürzen. Da hilft sicher nicht mal ein Schlauchboot mehr.