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Elbe-Schwimmen: Vorsicht vor der Strömung

Den Fluss zu durchqueren ist nicht ungefährlich. Ein Selbstversuch - warum Nachahmung nicht zu empfehlen ist.

Trotz der starken Strömung sind Chef-Elbeschwimmer Daniel Baumann (l.) und SZ-Redakteur Peter Hilbert gut über die Elbe und wieder zurück ans Johannstädter Ufer gekommen.
Trotz der starken Strömung sind Chef-Elbeschwimmer Daniel Baumann (l.) und SZ-Redakteur Peter Hilbert gut über die Elbe und wieder zurück ans Johannstädter Ufer gekommen. © René Meinig

Freitagmorgen ein Stück elbaufwärts des Johannstädter Fährgartens. Ein idyllisches Bild bietet sich an dem steinigen Strand. Die Elbe fließt sanft vorüber, ein Dampfer naht. Bei dieser Hitze wird so mancher auf die Idee kommen, hier zu baden. Schließlich ist das Wasser gut 22 Grad warm. Ich habe mich mit Daniel Baumann und Edgar Böttcher verabredet, um genau das zu testen. Der 34-jährige Organisator des Dresdner Elbeschwimmens und der 23-jährige Rettungsschwimmer und Ortsgruppenleiter der DRK-Wasserwacht kennen sich bestens mit dem Fluss und seinen Gefahren aus.

Vor zwei Jahren testete ich das als SZ-Redakteur bereits mit Dietrich Ewers, der später im Oktober 2018 bei einer Bergwanderung tragisch verunglückte. Der damals 79-Jährige hatte seit 1998 das Dresdner Elbeschwimmen im Sommer organisiert und kannte den Fluss aus dem Effeff. Allerdings lag der Elbpegel damals nur bei 52 Zentimetern, jetzt ist er mit 1,26 Metern mehr als doppelt so hoch.

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Vor zwei Jahren hatte Peter Hilbert (l.) bereits mit dem langjährigen Organisator der Dresdner Elbeschwimmens, Dietrich Ewers, bereits die Elbe überquert.
Vor zwei Jahren hatte Peter Hilbert (l.) bereits mit dem langjährigen Organisator der Dresdner Elbeschwimmens, Dietrich Ewers, bereits die Elbe überquert. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Karin Bernhardt, Sprecherin des Landesamtes für Umwelt und Geologie, hat mich vorher bereits gewarnt. „Eine Bundeswasserstraße wie die Elbe ist kein Badesee“, sagt sie. „Man sieht der Elbe die starke Strömung nicht an. Wer den Fluss nicht kennt, sollte so etwas nicht machen.“ Zwar sei das Baden in der Elbe, abgesehen vom Bereich an Brücken, nicht verboten. Doch in Flüssen würden andere Gefahren lauern als in einem Schwimmbad. Als Beispiele führt Bernhardt Glasscherben am Ufer oder Strudel im Fluss an.

"Die Strömung treibt uns weiter"

Wie stark die Strömung ist, erklärt sie an einem Vergleich. Am 22. Mai lag der Dresdner Elbpegel mit 62 Zentimetern in diesem Jahr bisher am tiefsten. Damals flossen nur 94,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde den Fluss hinab. Jetzt sind 185 Kubikmeter.Als geübte Elbeschwimmer wagen wir dennoch den Test. Ich habe bereits seit 2008 jedes Mal das 3,5 Kilometer lange Dresdner Elbeschwimmen absolviert, Daniel seit 2017. Zudem hat Rettungsschwimmer Böttcher ein Auge auf uns. Langsam steige ich an der Seite des Zwei-Meter-Manns über die glitschigen Steine. Bereits nach 20, 30 Metern geht es tief hinein, sodass wir losschwimmen. Mit kräftigen Zügen streben wir dem Neustädter Ufer zu. Doch die Strömung zerrt sofort so stark an uns, dass wir in Richtung Johannstädter Fähre abtreiben. „Dort werden wir wohl rauskommen“, ruft mir Daniel zu. „Ich hoffe, wir schaffen es schon früher“, mache ich uns Mut.

Die starke Strömung hatte die beiden Schwimmer ein ganzes Stück abgetrieben.
Die starke Strömung hatte die beiden Schwimmer ein ganzes Stück abgetrieben. © René Meinig

Zwar treibt uns die Strömung weiter und weiter, doch wir kommen trotzdem noch ein Stück oberhalb der Fähre ans Ufer. Drei Minuten haben wir für die etwa 180 Meter lange Strecke gebraucht, zeigt der Blick auf meine Smartwatch. Für die schwimmende Rücktour wollen wir uns gleich eine Reserve einbauen. Also geht’s erst einmal ein ganzes Stück zu Fuß auf dem Treidelpfad elbaufwärts in Richtung Waldschlößchenbrücke. Letztlich stehen wir gut 100 Meter oberhalb der Stelle, wo uns am anderen Ufer Rettungsschwimmer Böttcher und Daniels Frau erwarten.Wupps, hier ist es ganz steil. Ich kann im Wasser in meinen Schwimmschuhen zwar noch ganz gut stehen, doch Daniel ist barfuß und rutscht. Hier auf der Neustädter Seite ist die Fahrrinne. Und die ist noch einmal 1,2 Meter tiefer als der Elbpegel, wenn er bei null liegen würde, was es bisher allerdings noch nie gab. Also stürzen wir uns schon nach fünf Metern in die tiefen Fluten.

Daniel Baumann hat das Neustädter Ufer fast erreicht. Dort ist die Elbe besonders tief, da auf dieser Seite die Fahrrinne verläuft.
Daniel Baumann hat das Neustädter Ufer fast erreicht. Dort ist die Elbe besonders tief, da auf dieser Seite die Fahrrinne verläuft. © René Meinig

"Passt auf!"

Die Strömung setzt uns wieder kräftig zu. Wir schaffen es nicht einmal, auf Höhe der anderen Seite das Johannstädter Ufer zu erreichen, sondern treiben trotz unserer kräftigen Schwimmzüge weiter und weiter. Die Elbe wird flacher. Daniel steht. Ich versuche das mit meinen 1,72 Metern auch. Doch obwohl mir das Wasser nur bis zum Bauch steht, reißt mich die Strömung gleich wieder um. Erst ein paar Meter weiter kann ich laufen. Ein schönes Gefühl, wieder zurück zu sein.„Mir hat es richtig Spaß gemacht“, sagt Daniel. „Aber man sollte die Elbe mit ihrer extrem starken Strömung nicht unterschätzen.“ Besonders am Rand hat ihm das zu schaffen gemacht. „Also, passt auf, wenn ihr schwimmen geht“, rät er den Dresdnern.

Dass Vorsicht geboten ist, davon konnte sich auch DRK-Rettungsschwimmer Böttcher mit Kollegen überzeugen, als sie vor einer Woche in der Elbe waren, erzählt er. „Selbst als geübte Schwimmer sind wir durch die Strömung stark abgetrieben. Deshalb sollte man das Baden in der Elbe nicht auf die leichte Schulter nehmen, sie birgt so viele Gefahren.“ Böttcher empfiehlt auch geübten Schwimmern, nicht allein in die Elbe zu gehenoder zumindest vorher einem Angehörigen oder Freund Bescheid zu sagen. Dann könnte im Notfall noch Hilfe geholt werden. So praktiziert es auch Daniel Baumann. Einmal wöchentlich geht er nach der Arbeit in der Elbe schwimmen. „Dann sage ich aber immer meiner Freundin Bescheid.“Besonders Eltern sollten selbst im Freibad auf ihre Kinder aufpassen und nicht aufs Smartphone schauen oder ein Buch lesen, rät Rettungsschwimmer Böttcher zudem. Selbst wenn Kinder die Seepferdchen-Prüfung absolviert hätten, sei das Schwimmen in der Elbe für sie sehr gefährlich. „Da bringen auch Schwimmhilfen nicht viel. Kinder ertrinken oft lautlos.“

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Allerdings gibt es auch Ausnahmen, so der Chef-Elbeschwimmer. Dieses Jahr sei das Schwimmen zwar ausgefallen, da der Aufwand zu groß gewesen wäre. Doch ein ganz kleiner Kreis von zehn Leuten ging am 3. August ins Wasser, die Strecke: vom Blauen Wunder bis zum Fährgarten.Zum Start kam ein Vater mit seinen beiden sechsjährigen Söhnen. Daniel Baumann sei zwar skeptisch gewesen. „Doch der Vater hatte mir versichert, dass sie es schaffen“, sagt er. Und tatsächlich, auch sie hielten bis Johannstadt durch.

Am 3. August war das inoffizielles Elbeschwimmen in kleiner Runde: Birgit Forbriger und Daniel Baumann machen sich nass. Im Hintergrund sind auch die sechsjährigen Kinder zu sehen, die letztlich die 3,5 Kilometer lange Strecke geschafft haben.
Am 3. August war das inoffizielles Elbeschwimmen in kleiner Runde: Birgit Forbriger und Daniel Baumann machen sich nass. Im Hintergrund sind auch die sechsjährigen Kinder zu sehen, die letztlich die 3,5 Kilometer lange Strecke geschafft haben. © Sven Ellger

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