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Gefangen in der Botschaft

Seit zwei Jahren sitzt Wikileaks-Gründer Julian Assange in London fest. Hat er der Welt noch etwas zu sagen?

© dpa

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

Es ist ein Jahrestag, den er nicht fröhlich feiern wird. Am heutigen Donnerstag ist es genau zwei Jahre her, dass Julian Assange in die ecuadorianische Botschaft im Londoner Stadtteil Knightsbridge hineinspazierte und dort um politisches Asyl bat. Seitdem sitzt der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks fest. Ecuador hat ihm zwar Asyl gewährt, aber Großbritannien kein freies Geleit. Mindestens drei Bobbys schieben vor der Hausnummer 3 im „Hans Crescent“, gleich um die Ecke von Harrods, rund um die Uhr Wache. Sobald der Australier einen Fuß außerhalb der Botschaft setzen würde, droht ihm die Verhaftung.

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Für die einen war er ein „Medien-Messias“, für die anderen ein „Cyber-Terrorist“. Was immer man von ihm halten mag: Julian Assange, der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks, dürfte einer der umstrittensten Journalisten seiner Generation sein. Seit 2007 veröffentlichte Wikileaks geheime Dokumente. Zuerst erntete die Plattform Beifall auch von westlichen Regierungen, als Wikileaks zum Beispiel Beweise für die Verfolgung von Dissidenten in Kenia veröffentlichte. Aber dann publizierte Wikileaks geheime Depeschen von US-Botschaften in der ganzen Welt. Eine Flut an peinlichen Enthüllungen ließ Assange zur Hassfigur in den USA werden.

Am 19. Juni 2012 war der Australier in die ecuadoriaische Botschaft geflüchtet, weil er einer Auslieferung nach Schweden entgehen wollte. Dort wirft ihm die Staatsanwaltschaft sexuelle Belästigung, Nötigung sowie minderschwere Vergewaltigung in zwei Fällen vor. Assange bestreitet die Vorwürfe. Der 42-Jährige befürchtet, von Schweden aus in die USA „weitergereicht“ zu werden.

In der letzten Zeit ist es stiller um ihn geworden. Wikileaks enthüllt zurzeit gar nichts mehr. Der Whistleblower Edward Snowden dagegen, der die Schnüffelorgien der NSA enthüllte, macht die Schlagzeilen. Hin und wieder meldet sich Assange bei Live-Schaltungen aus der Botschaft zu Wort. Aber es scheint, als ob Assange der Welt wenig Neues zu sagen hätte, und die Welt scheint das Interesse an ihm verloren zu haben. Das Letzte, was man von Assange hört: Er soll sich einen schmucken Bart wachsen lassen.